Unerlaubte Müllentsorgung ist in der gesamten Republik ein Thema. Um zu verdeutlichen welche Kosten dabei entstehen: Allein Berlin gibt pro Jahr zirka vier Millionen Euro für die Beseitigung von illegal entsorgten Abfällen aus. Wie viel Müll fällt denn pro Person im Jahr an? Die Zahlen sind erschreckend: 624 Kilogramm. Das ist ungefähr so viel wie drei Shetlandponys zusammen wiegen. Zu den sogenannten kommunalen Abfällen zählen unter anderem Restmüll, Biomüll und Verpackungsmüll in Familien, Supermärkten sowie Fabriken. Die Gemeinde Dettingen will ein Zeichen setzen und hat dem Müll den Kampf angesagt. Dabei hatten die Dettinger jüngst mit einem krassen Fall zu tun. In der Erms wurden volle Müllsäcke entsorgt, sogar ein kompletter Bürostuhl trieb in dem Gewässer. Das ärgerte die Anwohner an der Kappishäuser und der Fabrikstraße. Die Verwaltung wurde eingeschaltet. Ein Fall für Stefanie Jedele vom Ordnungsamt. Das Dingfestmachen eines solchen Umweltsünders ist schwierig. Entsorgen doch solche Übeltäter ihren Müll in der Regel nicht am helllichten Tag. Bleibt nur der Weg die Säcke zu untersuchen, ob sich darin ein Hinweis auf den Verursacher findet. Ein mühsames und dreckiges Geschäft. 

Doch manchmal hilft Kommissar Zufall. »Wir haben Hinweise aus der Bevölkerung auf den Übeltäter bekommen«, sagte Stefanie Jedele und ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Es handelt sich um eine Ordnungswidrigkeit und je nach entsorgtem Material erwartet den Müllsünder eine saftige Geldstraße. Um wen es sich handelt und welches die Beweggründe sind, darüber konnte und wollte sie nicht sprechen. Unabhängig von einzelnen Auswüchsen wie jetzt ist Müllvermeidung an öffentlichen Orten in Dettingen ein Thema. Obwohl die Gemeinde klar geregelt hat, wann welcher Müll entsorgt wird. Der Restmüll wird 14-tägig abgeholt, die Bio-Tonne: 14-tägig (Juni bis August wöchentlich), der Gelbe Sack alle vier Wochen, Sperrmüll nach Bedarf, einmal kostenlos pro Jahr und die Papier-Tonne alle vier Wochen. In den vergangenen Jahren wurde immer häufiger beobachtet, dass Bürger nicht die eigene Mülltonne verwenden, sondern ihren privaten Müll lieber in öffentlichen Papier- oder Müllbehältern entsorgen. »Das führt zu einem erhöhten Aufwand beim Bauhof und natürlich zu höheren Kosten«, erklärt die Ordnungsamtsleiterin.

Der Umfang des Problems wird, so ist zu vermuten, wird durch die Art der Gebührenerhebung beeinflusst. Wenn die Kommunen mehr Geld für die Entsorgung verlangen, kommen Bürger nicht bloß - wie gewünscht - auf die Idee beispielsweise Verpackungsmüll zu reduzieren, sondern die privaten Kosten durch illegale Entsorgung zu senken. Sei es in öffentlichen Müllbehältern oder in der freien Natur. Umstritten sind die jährlichen Aktionen der Markungsputzete. Bei diesen Einsätzen von ehrenamtlichen Säuberungshelfern zeigten Erfahrungen, dass Bürger wie auch Firmen diese Aktionstage als Chance gesehen hätten, ihre eigenen Abfälle auf Kosten der Allgemeinheit zu entsorgen. In Dettingen startet in diesem Jahr das Pilotprojekt: In einem Ortsteil werden Papierkörbe oder Müllbehälter reduziert, um den illegalen Entsorgern den Nährboden zu entziehen. »Selbstverständlich, so Stefanie Jedele, betrifft dies nicht neuralgische Punkte wie Spielplätze, Bushaltestellen oder Grillplätze. Sie hofft, dass so im Lauf des Jahres auch im Vergleich mit anderen Ortsteilen Erfahrungen gesammelt werden können, ob die Maßnahme funktioniert, und wo es Sinn macht Müllbehälter abzubauen.

Der Ansatz ist lobenswert und zeigt hoffentlich Wirkung. Was fehlt ist bei vielen ein Bewusstsein für die lässlichen Alltagssünden. Die Deutschen sind europaweit zwar ganz vorne beim Recycling (70 Prozent) aber auch bei der Müllerzeugung belegen wir einen der Spitzenplätze. Noch mehr Abfall pro Einwohner als in Deutschland gab es nur in Dänemark, Luxemburg und Zypern. In Supermärkten wird vieles in Plastikverpackungen angeboten, während anderswo Lebensmittel oft lose verkauft werden. Ein weiterer Verursacher ist der zunehmende Onlinehandel. Die Kartons sind zu groß dimensioniert, was wiederum zu größeren Mengen von Füllmaterial führt. Hier sind Handel und Industrie gefragt.