Über was würden die Bürger in Metzingen reden, wenn es die Bäder-Diskussion nicht gäbe. Gut über die Ignoranz mancher Outletbesucher, die mit ihrem Auto am liebsten im Vorgarten der Anwohner oder vor dem jeweiligen Geschäftseingang parken, kann man sich immer aufregen, aber richtig Feuer ist nur im Thema Kombibad »Ja oder Nein«. Und wer gedacht hätte, dass es mit der Gründung einer Bürgerinitiative getan wäre, die den Bürgerkonsensus und damit das Kombibad zum Kippen brachte und alle Metzinger am 18. November hoffentlich zu den Wahlurnen bringt, ist schief gewickelt. 

Seit wenigen Tagen gibt es eine zweite Bürgerinitiative und die setzt sich für den Bau des Kombibads ein. Was sich schon bei der Gemeinderatssitzung abzeichnete, als dieser, weil gesetzeskonform, dem Bürgerentscheid zustimmen musste, nämlich, dass es zu einer Konfrontation Bürger gegen Bürger kommt, geht nun in die zweite Runde. Bereits vergangenen Samstag präsentierten sich die neue Gruppierung mit Peter Flämig, Sigrid Herb und Hans-Joachim Polte vor dem Rathaus und auf dem Wochenmarkt, um Stimmen und Spenden einzusammeln für die anstehende Wahl. Noch bis zum Wahltag wollen sie jeden Samstag präsent sein und die Bürger davon überzeugen, dass die Argumente für das Kombibad stichhaltig sind. Aber nicht genug damit. Paul-Ludwig Dolmetsch, der Architekt des Hallenbads, das einst preisgekrönt wurde und das viele Altvorderen und Nostalgiker so gerne erhalten würden, erhält eine öffentliche Plattform, in der er darüber philosophieren kann, dass an das alte Hallenbad ein neues im alten Stil angedockt werden könnte. Da sträuben sich bei den Verantwortlichen, unter anderem dem kaufmännischen Leiter der Stadtwerke, Alexander Schoch, die Haare, der zwar Dolmetschs Engagement nachvollziehen kann, aber auf die im Bürgerdialog konkretisierten Anforderungen verweist, die weit über das hinausgehen, was Dolmetschs Modell (inklusive Anbau) aufweist. Fast schon absurd klingt der von ihm zitierte Satz, dass die Firma, »die vor 44 Jahren die Stahlkonstruktion geliefert hat, noch existiert, von ihm bereits kontaktiert wurde und sich über einen Auftrag freuen würde.«

An diesem Punkt macht es Sinn ein wenig innezuhalten und gedanklich einen Schritt zurückzutreten, um nicht den Überblick zu verlieren. Metzingen hat ein altes Hallenbad und ein steinaltes Freibad. In beide wurde in den vergangenen Jahrzehnten nur das Nötigste investiert. Die Jugend hat sich schon längst, wenn sie nicht zum Schwimmunterricht ins Hallenbad muss, von beiden Bädern verabschiedet und geht nach Dettingen, weil dort ein Freibad existiert, das über einen deutlich höheren Spaßfaktor verfügt. Das Kombibad aus Hallen- und Freibad soll aber kein reines Spaßbad sein, das für nur für Jugend gebaut wird, im Bürgerbeteiligungsprozess haben sich die Akteure für ein modernes Sportbad entschieden. Hinter dieser Idee stehen die Schwimmvereine, der Gesamtelternbeirat, Jugendgemeinderat und auch die eindeutige Mehrheit des Gemeinderats. Es war ein langer Prozess, am Ende stand ein Konsens. 

Ins Feld geführt wird von den Kombibad-Gegnern die weitere Strecke hinaus auf den Bongertwasen. Ob es letztlich der Bongertwasen wird oder direkt an der Auchtertstraße gebaut wird, steht noch nicht fest. Im Übrigen fahren seit Jahrzehnten Generationen von Jungen und Mädchen zum Fußball- oder Leichtathletiktraining, zum Reiten oder Minigolfen auf den Bongertwasen und niemand hat sich daran in der Vergangenheit gestört. Die Synergien, die in Sachen Kombibad entstehen, angefangen beim Personal, sind nicht zu übersehen. Was ein neues Bad oder die Sanierung von Frei- und Hallenbad kosten wird, weiß im Moment noch niemand genau. Sicher ist, dass die Standorte von Frei- und Hallenbad nur bedingt ausbaufähig sind und dass das Kombibad Perspektiven bietet, die über die nächsten fünf bis zehn Jahre hinausreicht. Am Ende entscheidet jetzt der Bürger am 18. November. Paradoxerweise muss, wer für das Kombibad ist, an diesem Tag mit Nein stimmen.