Metzingen im Sommer 2018. Es ist heiß, der Asphalt glüht und im Auto ist kaum ein Vorwärtskommen. Das ist in der Outlet-City nichts Neues. Wer bisher gedacht hat, dass jahrelange Situation nicht mehr zu toppen ist, der wird zur Zeit eines Besseren belehrt. Die Ulmer Straße ist teilweise voll gesperrt, dafür ist momentan die Reutlinger Straße wieder geöffnet, in der Maurenstraße wird gebaut, in der Nürtinger Straße von der Einmündung »Im Millert« bis zur Breslauer Straße, in Neuhausen in der Bergstraße von der Glemser Straße bis zur Leberbachstraße wird asphaltiert noch bis zum 18. August. Logischerweise werden viele Straßenarbeiten während der Ferien durchgeführt, in der Hoffnung, dass der Berufsverkehr in dieser Zeit doch geringer sei.

Und natürlich ist Metzingen eine boomende Stadt, in der Kräne mittlerweile zum Alltagsbild gehören. Die Holy AG machts möglich. Siehe augenblicklich das gigantische Bauvorhaben auf dem ehemaligen G&V Areal. Das nächste Projekt - direkt an der Ulmer Straße im ehemaligen Fabrikgebäude der Seifenfabrik Bazlen steht schon in den Startlöchern. Metzingen lebt dauerhaft am Rande des Verkehrsinfarkts und um den totalen Zusammenbruch zu erleben, muss mittlerweile kein Brückentag mehr sein, ein normaler Freitag reicht. Was aber passiert, wenn der Outlet-Besucher zum einen und der Einheimische oder ein Ortskundiger durch die Stadt fahren muss. Er sucht sich so genannte Nebenstrecken aus. Denn fahren ist besser als im Auto stehen. Zu den beliebtesten gehören seit Jahren das Hart-Hölzle samt Wohngebiet am ehemaligen Eisteich mit Einsteinstraße, Schützenstraße, Christian-Völter-Straße und Ohmstraße als Einfallstor aus Richtung Stuttgart, zum anderen der Haugenrain mit der Kanalstraße und Römerstraße. Wer aus Eningen oder Reutlingen kommt, wird denn so blöd sein, sich durch die Innenstadt (bis letzte Woche war die Durchfahrt durch die Reutlinger Straße sowieso gesperrt) zu quälen oder einen Umweg über die Umgehungsstraße nehmen? Dann doch lieber die Tempo 30 Zone benutzen. Gefahren wird so schnell es geht, da hilft auch das Kopfschütteln oder der erhobene Zeigefinger der Anwohner nicht. Das an Brücken- oder Samstagtagen am Kreisverkehr ab und an ein Bediensteter des Ordnungsamts steht, damit die Outlet-Besucher oder die Schleicher nicht durchs Wohngebiet fahren, ist für die Anwohner nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein.

350 Autos in der Stunde und dies an einem ganz normalen Wochentag hat ein Rentner jüngst in der Sannentalstraße gezählt. Dass es dort an diesem Tag zu einem schweren Unfall kam, ist eine Randerscheinung. In den Wohngebieten rund um die Outlets wird zu viel und zu schnell gefahren. Das städtische Ordnungsamt betont stets darüber Kenntnis zu besitzen, aber es mangle an Personal. Bei den Bürgern in den Wohngebieten drängt sich der Verdacht auf, dass die Stadt nicht wirklich bereit ist, Abhilfe zu schaffen, weil ansonsten der Verkehrsinfarkt in der Innenstadt noch schneller und wirksamer herbeigeführt wird. Noch ist das von der Stadt viel gepriesene Verkehrsleitsystem, das nach dem Umbau des G&V-Areals seine volle Wirksamkeit entfalten soll, nicht komplett in Kraft. Parkhäuser sind entstanden, Hinweisschilder mit freien Parkplätzen auch. Doch der Erfolg ist überschaubar. Der Outletkunde gibt zwar hunderte Euros für Mode aus, aber an den Parkgebühren wird gespart oder der weitere Weg gescheut. Um wirkungsvoller gegen in Wohngebieten parkende Outlet-Touristen und Schleichwegsucher in der Ohm- und Römerstraße vorzugehen, bedarf es eines intensiveren Personaleinsatzes von Polizei und Ordnungsamt. Die Anwohner müssen allerdings auch Farbe bekennen. Als im Zug der Umgestaltung des G&V-Areals von der Stadtverwaltung der Vorschlag kam, die Sannentalstraße von der Stuttgarter Straße aus dicht zu machen, beschwerten sich die Anwohner des Hart-Hölzles und das Vorhaben wurde fallen gelassen. Oh heiliger St. Florian…