Geplagte Autofahrer! Mit der Vollsperrung der Böhringer Steige in Bad Urach und der Stuhlsteige in Pfullingen seit Montag dieser Woche sind drei der wichtigsten Albaufstiege auf Wochen nicht mehr befahrbar. Bereits seit Monaten dicht ist die Holzelfinger Steige. Während auf der B 28 die Pendler oder Durchreisendenden »nur« mehr Kilometer fahren müssen und länger unterwegs sind, kommt es für die Lichtensteiner ganz dick in den nächsten Wochen und Monaten. Noch mehr Verkehr als bisher schleicht mit Tempo 30 durch die Ortsteile Unter- und Oberhausen. Im Feierabendverkehr beginnt die Dauerschlange Richtung Alb bereits vor dem Ursulabergtunnel. Wirklich Abhilfe durch eine Lichtensteiner Ortsumfahrung samt Albaufstieg wird es aber nicht vor 2030 geben.

Unbill gewöhnt sind die Pendler, die von Römerstein, Hengen oder Wittlingen nach Bad Urach oder ins Ermstal müssen: Die Hauptverkehrsachse zwischen Reutlingen und Ulm, die B 28, ist auf Monate am Albaufstieg in Bad Urach gesperrt. Grund sind die Arbeiten an der Böhringer Steige. Im Januar letzten Jahres war nach heftigen Regenfälle ein Teil des Hangs abgerutscht. Im Oktober wurden die ersten Sicherungsarbeiten begonnen. Da wo der Hang abrutschte wird eine 40 Meter lange und acht Meter breite Stahlbetonplatte über Stahlbetonpfählen errichtet. Im weiteren Verlauf werden mehrere Bohrpfahlwände mit einer Gesamtlänge von 240 Meter zur Stabilisierung der talseitigen Böschung hergestellt. Da im Winter nicht gearbeitet werden konnte, wurde die Strecke vom 20. Dezember bis 17. März wieder freigegeben. Nun beginnt der zweite Teil der Hangsicherung. Im vergangenen Jahr wurden zur grundhaften Sanierung dieses Streckenabschnittes bereits rund 160 Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern und einer Gesamtlänge von rund 1650 Meter in den Untergrund eingebracht. Des Weiteren wurden bereits 50 Anker mit einer Gesamtlänge von rund 1 000 Meter zur Rückverankerung der Bohrpfahlwände hergestellt.

In der zweiten Bauphase müssen nun noch die Stahlbetonplatte und die Kopfbalken der Bohrpfahlwände hergestellt werden, sowie die restlichen rund 130 Anker mit einer Gesamtlänge von rund 2400 m eingebracht werden. Damit nicht genug: Wenn die Hangsicherung beendet ist, wird noch der Fahrbahnbelag auf der gesamten Steige erneuert. Die Umleitung verläuft wie im vergangenen Jahr: Der Verkehr auf der B 28 von Bad Urach in Fahrtrichtung Ulm wird über die B 465 nach Seeburg und weiter über die Landesstraße 245 nach Böhringen umgeleitet. Der Verkehr Richtung Bad Urach wird ab Böhringen über die Kreisstraße 6758 nach Grabenstetten und weiter über die L 211 nach Bad Urach geführt. Ein Ende der Leidenszeit ist nicht vor September absehbar. Und ganz billig wird die Sanierung nicht. Der Bund lässt sich die Maßnahme 4,5 Millionen Euro kosten. Nicht ganz so lange wird für die Arbeiten an der Holzelfinger Steige veranschlagt. Seit Oktober ist die Steige gesperrt, um für rund 1,3 Millionen Euro auf rund 840 Metern Länge einen Fangzaun anzubringen. Bei einer Begehung des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im April letzten Jahres ist untersucht worden, wie gefährlich der Hang ist, nachdem 2017 schon ein Felsen gesprengt und mit einem Netz gesichert worden war.

Das Amt hat 85 gefährliche Stellen lokalisiert, von denen 35 noch vor dem Winter entschärft wurden. Voraussichtlich Ende April sollen die Arbeiten beendet sein. Nur drei Wochen soll es dauern, bis auf der Stuhlsteige von Pfullingen nach Genkingen die Sturmschäden beseitigt worden sind. Mehr als hundert Bäume hat es mit Wurzelstock aus der Erde gerissen. Um den Verkehr nicht zu gefährden, will das Kreisforstamt das Sturmholz aufarbeiten. Warum dafür aber die gesamte Straße für drei Wochen gesperrt werden muss, statt mit Ampeln geregelt, einspurig befahrbar zu lassen leuchtet dem gemeinen Pendler, der täglich die Streck fährt, nicht ein - die Dringlichkeit ebenso wenig, denn die Bäume aufzuarbeiten, wäre sicherlich im Mai noch möglich, dann könnte zumindest die Holzelfinger Steige wieder befahren werden.