Gründungsversammlungen von Vereinen sind meist eine zähe und langwierige Geburt. Da machte das Kulturforum Metzingen keine Ausnahme, dass kurz vor Ostern mit viel Wehen zur Welt gebracht wurde. Der Nachfolger der Medienakademie musste sich nicht nur eine neue Satzung geben, sondern auch noch ein vierköpfiges Gremium wählen, das künftig die Geschicke leiten soll. 

»Die Kunst ist ein Luxus, den der Mensch braucht« steht groß über dem Eingang der Medienakademie und ist ein Zitat von Bertolt Brecht. Diesen Luxus will sich auch das neue Kulturforum gönnen, wie es seit dem 17. April heißt. Bürgermeisterin Jacqueline Lohde, die selbst Mitglied im Kulturforum ist, wünschte dem neuen Verein alles Gute für die Zukunft und dass viele zum Erhalt desselben beitragen.
Keine drei Monate ist es her, dass Thomas Zecher, Motor und kreativer Kopf der Medienakademie, plötzlich verstarb und die Medienakademie vor einer ungewissen Zukunft stand. Schnell wurde klar, dass es weitergehen soll. Am 25. März trafen sich knapp 90 Freunde und Unterstützer, um zu beraten, welcher Weg eingeschlagen wird. Der zweite Vorsitzende der alten Medienakademie, Harald Hug, stellte zusammen mit dem Ehepaar Lindner die Weichen. Es musste schnell gehen, denn der von Thomas Zecher gegründete Verein ist insolvent und befindet sich bereits in der Auflösung. 

Während sich rasch herauskristallisierte, dass für die verschiedenen Aufgaben, wie etwa den Thekendienst, die Öffentlichkeitsarbeit oder die Organisation von Veranstaltungen oder Hausmeister, Funktionsträger zu finden waren, gestaltete sich die Besetzung der Vorstandspositionen nicht so einfach. Zunächst musste zudem das Kind einen Namen bekommen und eine Satzung verabschiedet werden. Die Vereinsgründer entschieden sich eindeutig für den Namen »Kulturforum Metzingen«. Beim Zweck des Vereins steht »die Förderung von Kunst und Kultur, die Förderung der Kinder- und Jugendkultur, die Förderungder Erziehung und Volksbildung sowie die Förderung internationaler Gesinnung, der Toleranz auf allen Ebenen der Kultur und des Völkerverständigungs-gedankens sowie die Förderung des Sports im Mittelpunkt. Der Satzungszweck wird besonders verwirklicht durch die künstlerische Betreuung von Kulturschaffenden aus der Region.

Um zu gewährleisten, dass der Verein Fördermittel aus unterschiedlichen Töpfen erhält, ist explizit in der Satzung verankert, dass das Kulturforum ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts »Steuerbegünstigte Zwecke« der Abgabenordnung (AO) in ihrer jeweils gültigen Fassung verfolgt. »Der Zweck des Vereins ist nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet. Der Verein ist selbstlos tätig. Er verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.« Da sich Harald Hug von vorneherein bereiterklärt hatte, den Vorsitz zu übernehmen, war zumindest eine Position im vierköpfigen Vorstand besetzt. Einmal mehr zeigte sich, dass zwischen dem guten Willen einen Verein zu unterstützen und der aktiven Teilhabe, sprich ein Amt, das auch Verantwortung und eine Menge Arbeit mit sich bringt, zu übernehmen, ein himmelweiter Unterschied besteht. Mit Mühe konnten Eva-Maria Linhart als zweite Vorsitzende und Frank Falter als Schriftführer gewonnen werden.

Eher befremdet fühlte sich mancher der Gründungsversamm-lungsteilnehmer als es um die Position des Schatzmeisters ging. Die Reutlinger Architektin Anna Litschkovskij hatte sich bereiterklärt, nachdem Andreas Weiblen zuerst erklärt hatte, nicht kandidieren zu wollen. Mitten in der Kandidatenfindung wollte er sich dann doch wählen lassen. In der Kampfabstimmung sprachen sich 19 für Weiblen, 13 für Anna Litschkovskij aus. Zu Kassenprüfern wurden Anna Litschkovskij und Werner Theiss bestimmt. Kontrovers diskutiert wurde der Jahresbeitrag. Die Versammlung einigte sich auf 50 Euro - ein nicht gerade sozialverträglicher Betrag für einen Verein - aber notwendig, um das Kulturforum ans Laufen zu bringen. Jugendliche bis 18 Jahre zahlen keinen Beitrag, um Jüngere zu motivieren, beizutreten. Eine soziale Komponente wurde zum Schluss noch eingeführt. Wer sich für bedürftig hält, muss dies dem Vorstand melden und kann, eine Bewilligung vorausgesetzt, seinen Beitrag nach seinen Möglichkeiten entrichten. Keine Diskussion gab es über das erste Ehrenmitglied des Vereins: Petra Zecher - die Ehefrau von Thomas Zecher. Mit dem Zwischenziel der Vereinsgründung geht es nun am 1. Mai offiziell an den Start und es wird sich zeigen, ob Absichtserklärungen auch Taten folgen.