Metzingen hat zwei Schulen, die Luftlinie keinen Kilometer voneinander entfernt sind: Das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) und die Sieben-Keltern-Schule (SKS). Genau in der Mitte liegt die Öschhalle, in die eine Mensa integriert ist und Platz für rund 160 Schüler täglich bietet. So weit so gut. Nun hat jüngst der Gemeinderat den Abriss der zwei Pavillons am DBG entschieden. Dort soll ein sogenannter naturwissenschaftlicher Trakt entstehen. In diesem Zusammenhang stand auch die Raumplanung zur Debatte. 


Zum Aufreger wurde als in der Gemeinderatsvorlage die Rede davon war, dass im Hauptgebäude Flächen für eine Ganztagesnutzung geschaffen werden sollen: »In diesem Bereich könnte zu gegebener Zeit auch ein Essensverkauf stattfinden in Form von Snacks und möglicherweise einer Warmanlieferung von Speisen. Zudem könnten Getränkeautomaten aufgestellt werden.« Auf Nachfrage einer Ratsfraktion, was das zu bedeuten hätte, antwortete Oberbürgermeister Ulrich Fiedler schriftlich folgendes: »Die Essenssituation für die Grundschüler der Sieben-Keltern- Schule und hier insbesondere der Weg zur Mensa Ösch ist ungenügend, eine Mensa für die SKS muss zu gegebener Zeit im Gemeinderat beraten werden. Die Mensa Ösch nur für die Gymnasiasten aufrecht zu erhalten wäre nicht wirtschaftlich. Deshalb soll bereits so geplant werden, dass eine »kleine» Verpflegung im Schulgebäude des DBG möglich sein könnte.«


Forsch ist nun die CDU mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit getreten und hat Kritik an den Plänen geäußert. Laut Holger Weiblen und Florian Salzer liegt die Mensa Luftlinie jeweils 300 Meter von beiden Schulen entfernt, »also direkt in der Mitte«. Die Mensa, die von der Bruderhaus Diakonie und einem Team von Menschen mit Behinderung bewirtschaftet wird, bietet zwei warme Speisen und darüber hinaus Burger, Hotdogs, Pommes und kostenlos Wasser und Sprudel an. In der großen Pause gibt es am DBG einen Pausenverkauf.  »Die Mensa Ösch hat Kapazitäten frei, ist somit bestens für den erwarteten Anstieg der Schülerzahlen auf rund 1200 am Gymnasium gerüstet«, betonen Weiblen und Salzer. »Die Kinder der SKS gehen seit Jahren in beaufsichtigten Gruppen zum Essen in die Mensa Ösch, die Gymnasiasten gehen selbstständig. Alles gut, sollte man meinen. Andere Kommunen wären froh, sie könnten ihren Schülern ein solches Angebot bieten.« Das Thema eigene Mensa für die SKS sorgt nicht zum ersten Mal für Gesprächsstoff. Als möglicher Standort wird immer wieder der Parkplatz am Konrad-Adenauer-Platz genannt und seit voriges Jahr die Bürger sich für ein Kombibad entschieden haben, könnte das Hallenbad zur Alternative werden. 


Und dies obwohl wenige hundert Meter entfernt eine moderne Mensa besteht, die problemlos beide Schulen versorgt und Kapazitäten frei hat. Die Argumentation der CDU ist nachvollziehbar, wenn sie sagt: »Millionen vergraben wegen ein paar Hundert Meter Fußweg zum und vom Essen? Fördergelder für die Mensa zurückzahlen, am DBG dringend benötigten Schulraum teuer für Essen ausbauen? Beim Bau der Ösch Mensa wurde der geringe Fußweg für beide Schulen als sinnvoll gepriesen, jetzt soll er nicht mehr zumutbar sein?« Nicht zum ersten Mal entsteht der Eindruck, dass die Stadt angesichts sprudelnder Steuereinnahmen Luxusprobleme ohne Not kreiert und dafür noch Geld ausgeben will. Die Christdemokraten sprechen von einem Schildbürgerstreich und plädieren dafür, statt einen siebenstelligen Betrag für einen Mensa-Neubau auszugeben, lieber bezahlbaren Wohnraum schaffen, Gebäude sanieren oder in andere, »weit wichtigere« Projekte investieren zu wollen. Zwei Schul mensen im Abstand von ein paar Metern braucht wirklich niemand und den Schülern tut angesichts des stressigen Schulalltags ein wenig Bewegung und frische Luft sicherlich gut, um dann gestärkt wieder am Unterricht teilnehmen zu können.