Die Outlet-City Metzingen wächst kontinuierlich: Der nächste große Schritt steht bevor: Am 26. September eröffnet Hugo Boss seinen Flagship-Store mit 8000 Quadratmetern Verkaufsfläche mitten auf dem Gaenßlen & Völter-Areal. 16 namhafte Marken haben in den vergangenen Monaten auf dem überplanten 6,5 Hektar großen Gelände ihre Tore geöffnet. Längst hat Metzingen die Schwelle vom Schnäppchendorf zur Luxusmeile überschritten. Und schon seit Ende letzten Jahres ist es »halbamtlich«: Im Performance Report der Forschungsbüros ecostra und magdus führt mit der Outletcity Metzingen seit zehn Jahren erstmals ein deutsches Outlet-Center das Ranking an. Sie hat damit den bisherigen Seriensieger, das McArthurGlen Designer Outlet im niederländischen Roermond abgelöst.


Doch dies ist nicht alles: Während in der Vergangenheit tausende von Touristen täglich mit süßen Stückchen vom Bäcker, Pizzas vom Italiener oder mit Hamburgern von McDonalds den Hunger stillen mussten, hat sich das Outlet-Areal auch kulinarisch weiterentwickelt. Schon nach kurzer Zeit ist Mövenpick Marché zum gefragten Anlaufpunkt geworden. Amorino, ein Unternehmen italienischer Herkunft, lockt mit seinen weltweit bekannten Eisspezialitäten. Direkt nebenan, residiert Starbucks mit Kaffee-Köstlichkeiten am Hugo-Boss-Platz. Und schon im September kommt die Almresi dazu. »Die Internationalität der Alpen wird hier exklusiv und modern interpretiert«, lautet die vollmundige Ankündigung des künftigen Betreibers. 


Dass hier Alpen und Alb gleichgesetzt werden, stört scheinbar niemanden. Was kümmert es den fernöstlichen Touristen, ob auf der Speisekarte der Almkäse neben dem elsässischen Flammkuchen steht, die Schweizer Rösti mit dem schwäbischen Braten samt Rotkohl und Spätzle konkurrieren? Hauptsache ein zünftiges Ambiente – Klischee ist Trumpf. Die Verschmelzung der kulturellen Unterschiede ist im Outlet selbst längst Realität. 
Zu Kulturkonfrontationen kommt es eher beiläufig, wenn die chinesische Touristin auf dem Weg vom Bahnhof ins Outlet auf dem Wochenmarkt die Bäuerin mit farbenprächtigem Gemüse – ein klassisches Urlaubsmotiv – fotografiert. In Metzingen ist dies Alltag. Das 23 000-Einwohner-Städtchen am Fuß der Schwäbischen Alb hat es zu einiger Berühmtheit gebracht. Rund vier Millionen Besucher kommen jährlich in die Sieben-Kelternstadt. Das Faszinierende daran ist, dass laut dem Institut für Forschung und Bildung des Handels die ausländischen Touristen bei ihrem Deutschland-Trip inzwischen statt Neuschwanstein, Kölner Dom oder Brandenburger Tor ein Shopping-Ziel bevorzugen. 

Der Grund liegt in der hohen Dichte von Luxusmarken – angefangen bei A wie Armani über J wie Jimmy Choo bis zu Z wie Zegna. Da stört auch nicht, dass die Markengeschäfte nicht systematisch und organisiert in einem abgegrenzten Gebiet zu finden sind, sondern über das ganze Stadtgebiet verteilt sind, vielfach noch tatsächlich Fabrikverkäufe der alteingesessenen Textilindustrie und der Handschuhmacher.  Mit der Vollendung des G&V-Areal vollzieht die Holy AG jetzt den nächsten Schritt: Ein geschlossenes Gebiet mit Hugo Boss im Zentrum. Dazu kommen noch drei Hotels, ein Restaurant gehobener Klasse und eine gigantischen Tiefgarage unter dem Gelände. 
Die Outlet-Entwicklung in Deutschland, sagen Experten, hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. »Der Marktanteil der Outlet-Center am gesamten Modemarkt in Deutschland beträgt derzeit etwa 2,3 Prozent. Da ist gerade mit Blick in andere europäische Länder noch viel Luft nach oben. Mittelfristig rechnet das Wiesbadener Forschungsinstitut ecostra mit einem Marktanteil von gut fünf Prozent.


Gastronomie und Hotellerie profitieren vom Outlet-Boom. Aber auch hier überlässt die Holy AG nichts dem Zufall. Mit dem Integrieren gastronomischer Einrichtungen rund um den Hugo Boss-Platz werden Outlet-Touristen, die bislang noch den Weg in die Innenstadt gewählt haben, um essen zu gehen, die bequemere Alternative wählen. Erfreulich für die Metzinger ist, dass sich der sonntägliche Spaziergang durch«s neue Stadtviertel zumindest partiell auflockert, da Starbucks, Amorino und Mövenpick Marché geöffnet haben. Letzterer bietet sonntags allerdings von 9 bis 14 Uhr nur einen Brunch an und dies zum stolzen Preis von 36 Euro.