»Der Beamte hat eine besondere Treuepflicht gegenüber seinem Dienstherrn, der im Gegenzug im Rahmen der Fürsorgepflicht während des aktiven Dienstes, bei Krankheit und Invalidität und im Ruhestand für einen angemessenen Lebensunter-halt des Beamten zu sorgen hat.« Dieser schöne Satz findet sich in Wikipedia, falls jemand nachlesen möchte, welche Vorteile ein Beamter Zeit seines geruhsamen Arbeitslebens und selbst im Ruhestand genießt. 


Dies scheint zwei dieser Spezies, die bei der Landesoberkasse in Metzingen gearbeitet haben, nicht ausreichend gewesen zu sein. Eine 61-jährige Beamtin und ihr 45 Jahre alter Kollege, beide wohnhaft im Kreis Ludwigsburg, griffen insgesamt 47 Mal in den Tresor der Landesoberkasse und entwendeten Bargeldbeträge von 380 000 Euro. Die 61-Jährige sitzt bereits seit Ende April in Haft. Der 45-Jährige und seine mit angeklagte Ehefrau (38) befinden sich noch auf freiem Fuß. Die Unter-suchungshaftbefehle wurden nicht vollzogen. 
Die Anklage, die vor dem Landgericht Tübingen erhoben wird, lautet auf gemeinschaftliche und gewerbsmäßige Untreue sowie gewerbsmäßige Geldwäsche. Begonnen haben die Straftaten im März 2012. Aufgeflogen ist das Ganze im September vorigen Jahres. 


Nach bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft beschlossen die 61-jährige Angeklagte und der 45-jährige Kollege gemeinsam, an ihrer Arbeitsstelle bei der Landesoberkasse Baden-Württemberg in der  Fortsetzung von Außenstelle Metzingen verwahrte Bargelder aus dem Tresor zu nehmen, unter sich aufzuteilen und für sich zu behalten, anstatt die Gelder ordnungsgemäß auf das Konto der Landesoberkasse bei der Bundesbankfiliale in Reutlingen einzuzahlen. Um ihr Vorgehen zu verdecken, sollen sie mittels gefälschter Überweisungsträger die Einzahlung der entnommenen Bargelder bei der Bundesbank vorgetäuscht und durch interne Buchungen Gutschriften bei den berechtigten Stellen fingiert haben. 


Die Landesoberkasse, die im Übrigen zur Oberfinanzdirektion Karlsruhe gehört, ist zentrale Landes- und Gerichtskasse und erledigt ressortübergreifend für zirka 1700 Behörden, Gerichte, Staatsanwaltschaften und sonstige Dienststellen und Einrichtungen des Landes alle kassentechnischen Arbeiten. Geld wird also in dem unscheinbaren Gebäude in der Reutlinger Straße im Gebiet Säbühl genug umgeschlagen. Und es bewahrheitet sich der alte Spruch, dass Gelegenheit Diebe macht. Die beiden Beamten erschufen sich dadurch eine fortdauernde Geldquelle von einigem Umfang. Geklärt werden wird in der Hauptverhandlung sicher auch, wie das Verschwinden solch großer Geldbeträge über einen langen Zeitraum unentdeckt bleiben konnte.
Da sich der 45-Jährige in der Privatinsolvenz befand, übergab er seinen Anteil der entnommenen Bargeldbeträge an seine Ehefrau, welche die Gelder auf ihre Privatkonten einzahlte, um sie für die Familie zu sichern. Die 38-jährige Angeschuldigte soll hierbei von der Herkunft des Bargeldes gewusst haben und aufgrund der Gesamtumstände die Veruntreuung durch die beiden Beamten zumindest billigend in Kauf genommen haben. Schwäbisch sparsam haben die Angeklagten aber nicht alles sofort verprasst, die Staatsanwaltschaft sicherte immerhin Vermögenswerte im Umfang von 240 000 Euro.


Nicht so ganz nachvollziehbar ist, warum die 61-Jährige, die geständig ist, seit April in Untersuchungshaft sitzt, während der 45-Jährige, der keine Aussagen zum Sachverhalt macht, und seine Ehefrau, die lediglich einräumt, das Geld auf das Privatkonto eingezahlt zu haben, bis zur Eröffnung der 
Hauptverhandlung, deren Termin noch nicht feststeht, auf freiem Fuß bleiben. Was den Dreien letztlich für eine Strafe blüht, wird sich zeigen. Die Anklage lautet jedenfalls auf gemeinschaftliche, gewerbsmäßige Untreue und Urkundenfälschung, wobei das Strafgesetzbuch als Strafrahmen eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vorsieht. Bei der mitangeklagten 38-jährigen Ehefrau geht die Staatsanwaltschaft von gewerbsmäßiger Geldwäsche aus, für die das Strafgesetzbuch ebenfalls einen Strafrahmen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vorgibt. Aber wie heißt es so schön: »Vor Gericht und auf hoher See, sind wir allein in Gottes Hand.«