Kurz bevor sich der Gemeinderat in die wohl verdiente Sommerpause zurückzog, ging es noch einmal ans Eingemachte: Die neue städtische Großbaustelle aus Feuerwehrzentrum und Bauhof wurde auf den Weg gebracht. Am Horizont taucht das Jahr 2022 auf. Bis dahin soll alles fertig sein. Die Vorgeschichte zum neuen Feuerwehrzentrum ist lang und die Standortprobleme für jeden offensichtlich. Als die Metzinger Feuerwehr nach dem Krieg unter August Wezel zum 100-jährigen Jubiläum 1958 das neue Gerätehaus in der Gustav-Werner-Straße bezog, war das Gebäude mehr als groß genug. Im Durchschnitt rückte die Wehr damals zu 50 Einsätzen im Jahr aus - also gerade mal ein Einsatz in der Woche. Mittlerweile sind es rund 750 Einsätze im Jahr – Tendenz steigend. Dabei hat das Feuergerätehaus mittlerweile 60 Jahre auf dem Buckel und die Verkehrssituation rund um die Martinskirche ist dramatisch. In Zeiten, in denen ganz Metzingen ein Parkplatz ist, entwickeln sich Rettungseinsätze über Kopfsteinpflaster und durch die schmalen Sträßchen, zugeparkt mit Autos oftmals zu einem Hindernislauf, der Gefahren birgt, wenn die Einsatzfahrzeuge nicht durchkommen.

Und so gab es breite Zustimmung als Oberbürgermeister Ulrich Fiedler 2014 den Vorstoß unternahm und eine gemeinsame Heimat von Feuerwehr und Bauhof im Gewerbegebiet Braike-Wangen an die Wand malte. Den ausgeschriebenen Architektenwettbewerb, zu dem immerhin 85 Arbeiten eingereicht worden waren, gewann im vergangenen Jahr das Büro Dasch und Zürn aus Stuttgart. Funktionalität und Form überzeugten. Einig war sich nun der Gemeinderat, dass die Generalplanung für das Projekt das Architekturbüro Dasch und Zürn aus Stuttgart übernimmt. Vor Kurzem stellten Dasch und Zürn den optimierten Entwurf dem Gremium vor. Das frühere Doppel-U ist verschwunden. Ein einfaches U mit einem markanten Schlauchturm ist geblieben. Die Gebäude von Feuerwehr und Bauhof ergeben zusammen eine Gesamtform. Eine bauliche »Fuge« macht die beiden unterschiedlichen Nutzungen auch nach außen ablesbar. In diesem Teil des Neubaus sind die Räume, die beide gemeinsam nutzen, wie eine Waschhalle, Kfz-Werkstatt oder Schulungs- und Besprechungsräume. Im Osten - Richtung Neuhausen - davon steht ein rechteckiger Komplex, der allein vom Bauhof genutzt werden wird und eine eigene Zufahrt bekommt. So ist gewährleistet, dass die Alarmausfahrt und Betriebszufahrt der Feuerwehr sowie die Zufahrt zu den Autoparkplätzen unabhängig voneinander erfolgen und somit kreuzungsfrei sind. Vergrößert wurde der Abstand zum direkten Nachbarn im Westen, der Firma Lechler. Er soll eine bessere Ausfahrt der Feuerwehrautos im Alarmfall  gewährleisten.

Kräftig schlucken musste das Gremium jedoch als das Thema Kosten auf den Tisch kam. Noch vor einem Jahr war von 7,3 Millionen Euro die Rede. Jetzt da das Projekt langsam Gestalt annimmt, sind 19,6 Millionen Euro aufgerufen. Das ist mehr als das 2,5-fache. Dabei hat das Büro Dasch und Zürn die Fläche für Feuerwehr (3 600 Quadratmeter) und Bauhof (1 800 Quadratmeter) bereits um 500 Quadratmeter verkleinert, um Kosten zu sparen. Dass die 19,6 Millionen Euro eingehalten werden können, wollte Helmut Dasch nicht unterschreiben. »Fünf Prozent drüber oder drunter seien nicht zu kalkulieren. Da die Diskussion darüber, ob Metzingen ein neues Feuerwehrzentrum benötigt oder nicht, obsolet ist, und ein solches Gebäude - vielleicht nicht 65 Jahre Bestand haben sollte wie das alte - aber zumindest bis 2050 den wachsenden Anforderungen entsprechen sollte, fiel das Votum eindeutig aus. Und immerhin: Eine Fotovoltaik-Anlage ist im Preis drin. Auf Tiefgaragenplätze müssen die Wehrleute dagegen aus Kostengründen verzichten.