REUTLINGEN.  Jetzt ist es unter Dach und Fach: Das Heinzelmann Areal in Reutlingens »Grüner Lunge« ist verkauft. Der Gemeinderat stimmte dem Deal in einer Sitzung am vergangenen Donnerstag zu. Demnach kann das historisch wertvolle Ensemble in der Planie umgestaltet respektive neu bestückt werden. Die Tonne ist bekanntlich schon lange raus, die Magazine des Naturkundemuseum nicht. Wo die allerdings hinkommen soll, weiß aber bis dato noch keiner.  Gekauft hat es die GIAG. Die familiengeführte Münchner Immobilien-Aktien-Gesellschaft hat sich in einem Investorenauswahlverfahren gegen drei weitere Mitbewerber durchgesetzt. Dem voraus ging ein Gemeinderatsbeschluss vom 17. Mai 2018. Darin steht, das städtische Areal »Heinzelmann« in der Planie 20/22 und der Urbanstraße 23 »als eine der letzten größeren Potentialflächen in der Oststadt zu reaktivieren und hierfür zu privatisieren«. Allerdings soll das aus dem 19. Jahrhundert stammende Ensemble ein zukunftsfähiges Quartier werden.

Den Kriterien des Investorenwettbewerbs zufolge spielen neben Kaufpreis, Architektur und Mobilitätskonzept das Gestaltungs- und Nutzungskonzept eine wichtige Rolle. Soll heißen: Möglichst viele unterschiedliche Branchen inklusive Gastronomie mit attraktivem Wohnungsbau zu vereinen. »Ich freu mich sehr, dass wir am Ziel sind«, sagte Thomas Keck. Reutlingens Oberbürgermeister teilte die Meinung mit Alexander Kreher, der während des Pressetermins von einem »schönen Tag für die Stadt« sprach. Reutlingens Finanzchef bezeichnete das Heinzelmann-Areal als »Filetstück mitten in Reutlingen« und verpasste den Gewinnern den Titel »Geniales Team«. Und der Chef des Amtes für Wirtschaft und Immobilien Peter Wilke betonte, dass der Kaufpreis, über dem allerdings Stillschweigen herrschte, zwar eine Rolle spiele, aber überwiegendes Gewicht nehme das Gestaltungs- und Nutzungskonzept ein. Wilke erwähnte auch das Regierungspräsidium Tübingen, welches in Sachen Denkmalschutz von Beginn an involviert war. Das sei auch wichtig. Denn beim Betrachten des Modells bleiben doch viele alte Gebäude samt Kamin erhalten. 

50 Millionen Euro Investitionssumme
»Ein Perlenband öffentlicher Räume belebt das Areal« so klingt das Ganze in der Architektensprache. Architekt Max Zinnecker, der seitens der »White Arkitekter Stockholm« das Projekt präsentierte, sprach von zwei-Drittel Wohnungen und einem-Drittel Gewerbe. Was den Wohnraum betrifft sind das in Zahlen ausgedrückt 87 Wohnungen mit 83 Pkw-Stellplätzen und großzügigen Fahrradgaragen samt E-Auto-Parkplätzen. Die gewerblichen Flächen könnten einen Bio-Markt, eine Weinhandlung, Gastronomie und einen öffentlich zugängigen Quartiersplatz enthalten Die Investitionssumme liegt bei 50 Millionen Euro. Der Bauantrag wird im September 2020 eingereicht. Die maximale Bauzeit wurde mit sieben Jahren beziffert. Das sei aber aus Investorensicht definitiv zu lang. »Die Aufgabe ist nicht einfach«, sagt Thomas Männel von der GIEAG wohlwissend, was bis dahin noch alles geklärt werden muss. Zum Beispiel blieben die Investoren der Frage, wo die Magazine hinkommen könnten, die Antwort schuldig. Das sei auch nicht so einfach. Die teils sehr wertvollen und hochsensiblen Exponate überstehen jahrelangen Baulärm und Dreck einfach nicht. Wessen Interesse jetzt geweckt ist, wie das künftige neue Quartier aussehen wird, der kann schon mal vorab ein Blick auf Pläne werfen. Die sind bis Ende Februar im Rathausfoyer ausgestellt.                           -pi