REUTLINGEN. Fast vier Wochen lang haben sie ihre Aktivität aufrechterhalten. Einen Monat lang geputzt? »Nein«, lacht Eva von der »Crew« – auch wenn bei so manchen Zeitungslesern der Eindruck entstanden war, die Hausbesetzer hätten sich vor allem mit der Reinigung des Gebäudes beschäftigt. »Wir haben auch sehr fruchtbare Diskussionen geführt.« Und das mit vielen, Solidarität zeigenden Reutlinger Bürgern sowie »sogar mit Leuten von der FDP und der Jungen Union«. Am vergangenen Sonntag räumten die rund 15 Aktivisten der »Crew« die Kaiserstraße 39. »Jetzt noch weiter zu besetzen und uns von der Polizei raustragen zu lassen, würde keinen Sinn machen.«

Nach zwei längeren Gesprächen mit der GWG-Geschäftsführung und mit Oberbürgermeister Thomas Keck war eine friedliche Einigung zustande gekommen, mit der einige Forderungen der »Crew« erfüllt wurden. Etwa dass in der Innenstadt eine solidarische alternative Wohnform ermöglicht werden soll. »Die Kaiserstraße 39 ist ein heißer Kandidat dafür«, sagte Wolfgang Löffler. Und vielleicht könnte dort sogar eine Art Nachbarschaftszentrum entstehen. Für die Erstellung einer »Gebäude-Leerstandsanalyse« in der Stadt sei »eine Absichtserklärung abgegeben worden«, so der städtische Pressesprecher. Ein wesentliches Ziel hatte die »Crew« zudem erreicht: Sie hatte öffentlichkeitswirksam auf leerstehende Gebäude in Reutlingen hingewiesen. Und die Crew will weiterhin aktiv bleiben, auch wenn sie sich aus der K39 zurückzieht. »Die eigentliche Arbeit fängt jetzt an und da es uns weder an Tee noch an Bier mangelt, wird man uns in Reutlingen so schnell nicht los«, kündigt Lenni, ebenfalls ein »Crew«-Mitglied, an.                                                                                                          –nol