GOMADINGEN. Die Gomadinger Holzhackschnitzel-Anlage hätte noch Kapazitäten frei und im Gemeindewald wächst jede Menge Rohstoff nach. Auch Wasserkraft wird in der Lautertal-Gemeinde genutzt, der Strom daraus reicht für bis zu 80 Haushalte. Beim Thema nachhaltige Energienutzung sei die Gemeinde gut aufgestellt, erklärt Bürgermeister Klemens Betz und fügt hinzu, »wir wollen aber noch besser werden«. Gomadingen soll sich zu einem »energieeffizienten Luftkurort« entwickeln, ein entsprechendes Projekt in Kooperation mit der ENBW und der Klimaschutzagentur Reutlingen ist nun gestartet.
In allen Gomadinger Ortsteilen gebe es viele alte Häuser, in denen noch mit Öl geheizt werde, weiß Betz. Das Projekt biete die Möglichkeit, die Bewohner bei der Modernisierung ihrer Eigenheime zu unterstützen. Aber nicht nur Energieeffizienz steht auf der Agenda, auch Mobilität, Wohnen im Alter, regionale Wertschöpfung, nachhaltige Infrastruktur sind wichtige Aspekte. Bei all diesen Zukunftsthemen ist Bürgerbeteiligung gefragt. »Das Projekt steht und fällt mit dem Rückhalt in der Gemeinde«, betont Andreas Hermann, Projektleiter von der ENBW.
Im Frühjahr hatte sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen, einen Antrag für ein energetisches Quartierskonzept bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau zu stellen. Der Zuschuss aus Berlin wurde gewährt und 85 000 Euro stehen für die Projektarbeit zur Verfügung. Die Gemeinde hat inzwischen Fragebögen an alle Haushalte verteilt, in denen unter anderem der Modernisierungsbedarf von Privathäusern oder Betrieben ermittelt werden soll. Den Fragebogen gibt es auch im Internet, ein Link steht auf der Gemeindehomepage. Bis zum 22. Oktober sollten die Antworten eingegangen sein. Am Dienstag, 20. November, sind um 19 Uhr alle Interessierten zur Auftaktveranstaltung ins Rathaus eingeladen, wo auch die Ergebnisse der Fragebogenaktion präsentiert werden.
»Das ist ein sehr zukunftsträchtiges Vorhaben, das viele Chancen und Möglichkeiten bietet«, betont Abrahim Dold, von der Klimaschutzagentur. Er und seine Kollegen wollen den Gomadingern im Rahmen des Projektes kostenlos mit einem »Gebäude Modernisierungs-Check« zur Seite stehen. Weiterhin sind Vorträge in der Gemeinde sowie Bildungsprojekte an der Schule geplant. Nach der Auftaktveranstaltung können sich die Bürger bei unterschiedlichen Themen-Workshops einbringen, deren Arbeit dann zu einem Leitbild für den energieeffizienten Luftkurort Gomadingen führen soll.
Es sei eine große Herausforderung, alle diese Themen sinnvoll miteinander zu verknüpfen, bemerkt Achim Lotter, Projektleiter der ENBW. Er kann sich zum Beispiel vorstellen, dass die bestehende Hackschnitzel-Anlage, die den Gomadinger Schulkomplex mit Energie versorgt, weiter ausgebaut wird. Auch eine Bürgerenergie-Genossenschaft wäre für ihn eine denkbare Option. Ein wichtiger Aspekt für Bürgermeister Betz ist die energetische Modernisierung des Feriendorfes, erbaut in den 1970er-Jahren. Er informiert, die Betreiber seien an einer Zusammenarbeit sehr interessiert.
Spätestens bis zum Sommer 2019 soll das Leitbild ausgearbeitet sein und im Gemeinderat präsentiert werden. Dann erst geht es an die technische Umsetzung entsprechender Maßnahmen. »Am Ende dieses Prozesses können viele profitieren - am meisten der Klimaschutz«, formuliert Bürgermeister Klemens Betz.    –joba