So langsam nähert sich das Ende ihrer »unvergleichlichen, wunderbaren Zeit« in diesem Ehrenamt. Jasmin Thomys schwärmt, wenn sie von ihrer Zeit als Gomadinger Wacholderkönigin erzählt. Noch bis 26. Juli hat sie dieses Amt inne, vier Jahre lang trug sie die Krone und warb in der ganzen Republik für die landschaftsprägende Albpflanze. Am 15. Juni endet die Bewerbungsfrist für potenzielle Nachfolgerinnen. Doch wenn es so läuft wie vor zwei Jahren, dann findet sich niemand. Einen Joker hätten die Verantwortlichen mit der 24-Jährigen in der Hand, die zu Beginn ihrer Amtszeit noch Jasmin Strohm hieß. Mein Leben hat sich dadurch komplett geändert - im positiven Sinn, sagt sie. 

Hallo Jasmin Thomys, würden Sie noch einmal antreten?
Jasmin Thomys: Eine Wiederwahl ist eigentlich durch die Statuten des Vereins ausgeschlossen. Aus meiner Sicht jedoch spricht nichts dagegen, im Amt zu bleiben, sofern die Verantwortlichen mein Engagement entsprechend wertschätzen und mir entsprechende Mittel zur Ausübung meines Ehrenamtes zur Verfügung stellen.

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Was denn?
Thomys: Als Wacholderkönigin ist man ein Aushängeschild. Wenn ich aber auf die Homepage schaue, dann bin ich immer noch 20 Jahre alt, wohne in Mehrstetten und heiße Strohm. Alles, was meine Person betrifft, hat sich in den vier Jahren geändert. Die Angaben auf der Internetseite stimmen nicht mehr. Ich empfinde es als eine zu geringe Wertschätzung und vor allem auch gegenüber diesem Amt, wenn man so lasch damit umgeht. Vier Jahre lang hab ich mich mit vollstem Herzblut eingebracht, da verletzt mich ein solcher zwischenmenschlicher Umgang schon.

Apropos vier Jahre.
Thomys: Die rasend schnell vorbeigegangen sind.

Ja also, wie war’s denn?
Thomys: Im ersten Jahr war es ein Hineinfinden in die Aufgabe, da war noch viel Neuland zu erkunden. Im zweiten Jahr lief es routinierter, im dritten trug das Netzwerk, das ich mir aufgebaut habe, Früchte und im vierten hab ich meinen neuen Job als Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung in einer Kinderarztpraxis angetreten und konnte daher einige Auftritte nicht wahrnehmen.

So das war jetzt der technische Teil. Und wie war es wirklich?
Thomys: Wunderbar. Ich möchte diese Zeit und diese Erfahrung nie mehr missen. Man profitiert vor allem persönlich von diesem Amt. Man wächst über seine eigenen Grenzen hinaus und bildet seine Persönlichkeit.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Thomys: Bei meiner Prüfung zur Fachwirtin habe ich es ganz besonders gemerkt. Da saßen vier fremde Menschen, die von mir was wissen wollten. Aber ich war vor dieser Prüfung tiefenentspannt. Ohne die Erfahrung als Wacholderkönigin wäre ich da wohl so aufgeregt gewesen wie alle anderen. Aber so hatte ich die Routine aus dem Ehrenamt, wo ich ja auch ständig mir unbekannten Menschen etwas vorstellen musste und präsentieren. Die Prüfungsstunde verflog wie nichts.

Was bleibt hängen?
Thomys: Ziemlich viel, klar, aber ein Erlebnis überragt doch die anderen. Nachdem ich vor zwei Jahren wieder antreten durfte, hatte ich das Glück, am größten Königinnentreffen in Deutschland teilnehmen zu dürfen. Das waren gigantische zweieinhalb Tage in Blomberg in Nordrhein-Westfalen. Zweieinhalb Tage unter seinesgleichen, alles ehrenamtliche Königinnen, da waren wunderbare Begegnungen dabei. Unvergesslich.

Wenn man das so hört, dann bekommt man den Eindruck, dass sich ziemlich viel in Ihrem Leben geändert hat.
Thomys: So ziemlich alles. Unter anderem habe ich meinen Namen gewechselt. 
Sie haben in dieser Zeit ihren Ehemann kennengelernt?
Thomys: Genau. Und ich bin von der Alb in die Stadt gezogen. Die vier Jahre haben mein Leben total auf den Kopf gestellt. Das wird mich bis zu meinem Lebensende begleiten. Und an diese Momente erinnere ich mich immer wieder gerne zurück.

Nun geht die Zeit ja zu Ende. Wenn haben Sie ihren letzten Auftritt?
Thomys: Beim Oldtimertreffen in St. Johann am 23. und 24. Juni. So ist der Stand heute.

Wann geben Sie die Krone ab?
Thomys: am 26. Juli, wenn es eine Nachfolgerin gibt.

Und wenn nicht?
Thomys: Dann ist es die Entscheidung von Gomadingen, ob es eine »Beerdigung« gibt. Wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, dann kann ich mir vorstellen, noch ein oder zwei Jahre ranzuhängen.

Es stehen ja nun Wahlen an. Was geben Sie denn potenziellen Bewerberinnen mit?
Thomys: Das Reizvolle am Amt der Wacholderkönigin ist, man kommt in der Gegend herum und ich meine nicht nur bei uns, sondern bundesweit. Ich war in Berlin, im Schwarzwald, in Blomberg, man ist teilweise auch ein ganzes Wochenende unterwegs. Man muss da seine anderen Hobbys schon ein bisschen zurückstellen. Aber man bekommt soooo viel zurück (lacht). Vor allem zwischenmenschlich.

Inwiefern?
Thomys: Freundschaften sind das Salz in der Suppe des Lebens. Man lernt landauf landab Leute kennen, großartige, faszinierende, liebe, spannende, verrückte. Man sieht die Dinge anders, man öffnet seinen Blick und schaut über den Tellerrand hinaus, man lernt andere Regionen kennen. (Sie macht eine kleine Pause)Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder auf die Schwäbische Alb zurückkomme.
    Interview von Dieter Reisner