Nichts ist mehr sicher in dieser verrückten Welt, gewiss kann man sich nicht mehr viel sein. Seit mehr als einem Dutzend Jahren allerdings beweisen ein paar fröhliche Älbler, dass Dinge nicht immer geändert werden müssen, um schön zu bleiben. Dass Dinge nicht teuer sein müssen, um Interesse zu wecken. Dass Dinge nicht groß sein müssen, um erstaunlich zu bleiben. Großartig reicht auch. 

So wie das Seenachstsfest. Aus einer Stammtischlaune heraus geboren steht es für spaßige Bescheidenheit, für Bodenständigkeit mit Humor, für eine Gaudi von Menschen für Menschen. »Da muss man nichts ändern, wir wollten ein Festle mit unserem Seele machen, gemütlich beieindander sitzen, gemütlich schwätzen und viel Spaß haben.« Das sagt Thomas Reiner vom Orgateam des SV Lautertal. 
Zum vierzehnten Mal nun schon organisieren die Gomadinger diese Gaudi mit dem großen Namen. Wer denkt da nicht gleich an den Bodensee oder irgendwelche Hafenfeste gar. Weit gefehlt –  der See ist klein, die Fläche überschaubar, doch der Unterhaltungswert sucht seinesgleichen. 
Schließlich stechen sich die Gomadinger Fischer im Wettkampf und da bleibt der Kämpfer auf dem Wasser nicht unbedingt trocken und auch die Augen der Zuschauer nicht vor lauter Gaudi. 
Rund 500 Menschen haben im vergangenen Jahr den Weg an dem Festabend auf eine der schönsten Seiten der Alb mit prachtvollen  Wacholderheiden gefunden. Das hätte sich beim Austüfteln  am Stammtisch keiner so  vorstellen können. Doch Menschen schätzen ehrliche Arbeit.  Am Samstag, 13. Juli ist es nun wieder so weit. Dann packt der Verein seine Kanus aus, dann ziehen sich die Kämpfer ihre Helme auf, dann versammeln sich die Zuschauer in mehreren Reihen um das Seele und los geht’s. 

Um 16 Uhr beginnt die Sause offiziell, etwa ab 17 Uhr – so genau lässt sich das nicht sagen – stechen die Gomadinger Fischer in See und versuchen mit Können, Körpergefühl, und ein bisschen Glück auf dem Bötle stehen zu bleiben und dem Angreifer Paroli zu bieten. Dem ein oder anderen wird es nicht gelingen, auf dem wackligen Untergrund die Balance zu halten,  doch das ist ja auch der Sinn der Sache: Dass sich die Zuschauer kugeln vor lachen, wenn einer ins Wasser fällt. 
Danach gibt’s dann lecker Essen und lecker Getränke, und ein gemütliches Beisammensein am gemütlichen kleinen See. 
Gemeinsam warten dann alle auf das große Finale. Schließlich war die feuchtfröhliche  Gaudi auf dem See ja noch nicht alles. Wenn es dann dunkelt über der sommerlichen Alb, dann recken die Leut ihre Köpfe gen Himmel, dann warten sie staunend und neugierig auf das, was die Verantwortlichen des SV Lautertal wieder für eine Überraschung für sie parat haben. Ein buntes leuchtendes Feuerwerk brennt sich ab etwa 22.30 Uhr in den nächtlichen Alb-Himmel und spiegelt sich im kleinen Gewässer unterhalb der Wacholderheide. 
Dann leuchten auch die Augen der Zuschauer. Schee isch, schee war’s, raunen dann die Gäste im schönen Gomadinger Tal, nehmen sich in die Arme und freuen sich an einem schönen, friedlichen, humorvollen Moment, in einer Welt in der man sich nicht mehr sicher sein kann, über das was kommt. Außer beim Seenachtsfestle.   Weil da bleibt ja immer alles gleich.                             -diet