HOHENSTEIN-BERNLOCH. Das Hohensteiner Konzept eines Gesundheitszentrums Schwäbische Alb hat sich mit vier weiteren Initiativen gegen 60 Mitbewerber bei der Robert-Bosch-Stiftung durchgesetzt. Diese unterstützt den Auf- und Ausbau des Gesundheitszentrums ideell und finanziell mit 500 000 Euro. Am »Schmotzgen«-Donnerstag war auf einem gemeindeeigenen Bauplatz Spatenstich für dieses PORT-Projekt (Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung). »Wir haben lange darauf hingearbeitet und es gab viele Hürden zu nehmen«, bekennt Bürgermeister Jochen Zeller.

Gesundheit im Fokus

Hohenstein stelle sich der Verantwortung, die Gesundheitsversorgung als kommunale Aufgabe der Daseinsversorgung zu sehen und somit neue Strukturen auf örtlicher und regionaler Ebene mitzugestalten. »Mit dem Gesundheitszentrum beschreiten wir gemeinsam mit den Projektpartnern und der Robert-Bosch-Stiftung neue Wege im Gesundheitssystem«. Und mit diesem Spatenstich werde sichtbar, was schon viele Monate und Jahre entstanden sei: ein Netzwerk von Menschen in Hohenstein und darüber hinaus, denen Gesundheit – der eigenen und die der anderen wichtig sei. Diese kluge Verknüpfung von Profis und Ehrenamtlichen sei die Zukunftsformel für den demografischen Wandel. Multiprofessionelle Teams aus Gesundheits-, Sozial- und anderen Berufen arbeiten hier auf Augenhöhe zusammen und setzen eine patientenorientierte, koordinierte und kontinuierliche Versorgung um. Das sind unter anderem ein Kinderarzt mit Familienhebamme, Therapiepraxen, Pflegestützpunkt, ein Patientenlotse, Universität Tübingen mit Forschung und Lehre, die den Patienten im Umgang mit seiner Erkrankung unterstützen.

Gesundheitsförderung und Prävention mit eingeschlossen. Für Landrat Thomas Reumann ist es »ein Tag mit Wow-Effekt«, ein wichtiges Signal und mutiges Gestalten für die Zukunft. »Es entsteht eine neue Kultur der Gesundheitsversorgung aus einem Guss, einer integrierten Versorgungsplanung«, fasst er zusammen. Die Gesellschaft verändere sich, werde älter, habe andere Bedürfnisse und Hausärzte finden kaum Nachfolger. Die Gesundheitsversorgung müsse sichergestellt werden, man müsse vernetzt denken, patientenorientiert sein und sektorenübergreifend Dinge angehen. Hier seien viele Bereiche eingebunden, alles multiprofessionell aufgestellt und der Patient noch stärker im Mittelpunkt. Nicht immer reibungslos verliefen die Jahre der Entstehung des Projekts, bestätigte auch Johannes Schwörer, Vertreter des Generalunternehmers und Genehmigungsplanung Schwörer Haus KG aus Oberstetten und des Bauherren Hans-Schwörer-Stiftung Sigmaringen. Immer wieder setzten neue Planungen, neue Standorte Flexibilität voraus. Aber die Zukunftsaufgabe wurde gut gelöst und andere Städte werden hierherkommen, um sich über das Pioniermodell Gesundheitszentrum zu informieren und es anzuschauen, ist er sich sicher.

Komplettfertigstellung noch in diesem Jahr

Auf einer Nutzfläche von 1 200 Quadratmetern entsteht das Gesundheitszentrum in energieeffizienter Bauweise in Holztafelbau und regenerativer Energienutzung inklusive Vorbereitung Glasfaseranschluss für e-health. Für die Vertreterin der Robert-Bosch-Stiftung Bettina Tef ist dieses Pionier-Projekt ein Meilensteinereignis, mit dem Impuls gegeben werden sollen. Hier in Hohenstein habe man sich von den Herausforderungen nicht abschrecken lassen. Im Gegenteil, es seien neue Wege gesucht und gefunden worden. Im Spätsommer diesen Jahres werden die ersten Praxen einziehen. Mit der Fertigstellung des kompletten Zentrum ist, nach Auskunft des Generalunternehmens, noch in diesem Jahr zu rechnen.          –bim