REUTLINGEN/ABU DHABI. Der geistig behinderte Tischtennis-Spieler Hartmut Freund von der TSG Reutlingen Inklusiv hat bei den Weltspielen der Special Olympics, den Olympischen Spielen für Sportler mit geistiger Behinderung, zweimal Silber in der stärksten Leistungsklasse gewonnen. Er verfehlte in Abu Dhabi sowohl im Einzel als auch im sogenannten Unified Doppel mit seinem nicht behinderten Partner Heinrich Schullerer jeweils nur um Haaresbreite eine Goldmedaille. Die World Games der Special Olympics finden wie die Olympischen Spiele und die Paralympics alle vier Jahre statt. Sie unterscheiden sich von den beiden letztgenannten Weltspielen insbesondere dadurch, dass sie mit einer »Klassifizierungsrunde« beginnen, auf deren Grundlage die Sportler für den weiteren Verlauf des Wettkampfs in leistungsmäßig homogene »Divisions« aufgeteilt werden. In Abu Dhabi bestand jede dieser Leistungsklassen aus vier Einzel-Spielern oder Doppeln. Mit diesem Spielsystem will man auch Athleten mit schwereren Behinderungen gerecht werden.

Freund, der dem Special-Olympics-Verein TSG Reutlingen Inklusiv angehört, schaffte es im Einzel ungeachtet seiner schweren geistigen Behinderung in die stärkste von sieben Leistungsklassen. Dort unterlag er nach glatten 3:0-Siegen gegen Ali Hasan (Bahrein) und Geraldo Silva (Puerto Rico) allein dem Tunesier Karim Gharsallah - und zwar denkbar knapp mit 7:11, 11:9, 11:8, 6:11 und 7:11. Ganz ähnlich lief es für den 51-Jährigen im »Unified Doppel«, bei dem er mit seinem nicht behinderten Partner Heinrich Schullerer (58) vom TSV Schmiden ebenfalls in der stärksten Leistungsklasse spielte. Nach ungefährdeten Drei-Satz-Siegen gegen Doppel aus Palästina und Macau zogen die beiden Schwaben nur gegen Sazzad Hossen Mustuk und dessen nicht behinderten Partner Deb Chakma (beide Bangladesch) den Kürzeren - mit 11:7, 11:9, 10:12, 6:11 und 9:11.

Die »Unified«-Wettbewerbe, bei denen behinderte und nicht behinderte Sportler Teams bilden, nahmen diesmal einen besonderen Stellenwert bei den Weltspielen ein. In der Sportart Tischtennis sieht das Regelwerk vor, dass der behinderte und der nicht behinderte Spieler, die ein gemeinsames Doppel bilden, ungefähr gleich spielstark und etwa gleich alt sein müssen. Mit diesen Vorgaben will der Weltverband Special Olympics International (SOI) die Inklusion behinderter Sportler in Vereine des Regelsports vorantreiben. Die TSG Reutlingen Inklusiv ist hier bundesweit führend. Sie nimmt mit ihren geistig behinderten Tischtennis-Sportlern an der Punktspielrunde im Regelsport teil. An den Wettkämpfen in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, nahmen rund 7000 Athleten aus 170 Ländern in 25 Sportarten teil. Die nächsten World Games der Special Olympics sollen 2023 in Berlin stattfinden.                                                                                                                                                                                       –rw