REUTLINGEN. Schon lange träumen sie von einer solchen Gelegenheit. Elke und Daniel Seywald betreiben seit sieben Jahren die Sportparkgaststätte an der Kreuzeiche und nun wagen sie einen neuen Schritt. Das Ehepaar übernimmt die Gaststätte Alteburg, die der Stadt Reutlingen gehört und füllt sie wieder mit Leben. Und wie. »Am 1. Mai kann man hier im Biergarten sitzen«, kündigt Daniel Seywald an. 

Nachdem vor annähernd zwei Jahren das Gastwirtspaar der altehrwürdigen Gaststätte, Dieter und Ingrid Sommer, nach 32 Jahren ihren wohl verdienten Ruhestand angetreten sind, passierte nicht viel. Zumindest nach außen. Fraktionen des Reutlinger Gemeinderats wie etwa die FWV machten mit Aktionen auf das brachliegende Kleinod vor den Toren der ehemaligen Reichsstadt aufmerksam. Doch die Verwaltung war nicht untätig. Mit Familie Seywald standen sie schon lange im Gespräch, das Wirtspaar mit Leib und Seele hatte nach dem Bekanntwerden vom Abschied Sommers sofort ihr Interesse bekundet. Und nun auch offiziell den Zuschlag erhalten. In Erbbaurecht übernehmen sie die Gaststätte.

Biosphärengastgeber
Schließlich passt deren Profil als Pächter wie gemalt zu der Gaststätte auf dem Hofgut oder um im Bild zu bleiben, wie die Zwiebel zum Rostbraten. Beide haben sich schon vor Jahren auf die regionale Küche verschrieben, schon zu Beginn ihrer Wirtszeit in der Sportparkgaststätte bewarben sie sich um ein Zertifikat als Schmeck-den-Süden-Gastgeber. Daniel Seywald lebt als Metzgermeister und Koch die Philosophie, vor allem Produkte aus der Heimat auf die Teller der Gäste zu bringen.

Doch damit nicht genug. Als künftige Biosphärengastgeber verarbeiten sie vor allem auch Produkte aus dem von der Unesco anerkannten Gebiet. Elke Seywald brachte mit ihrem Organisationstalent Stimmung und Musik in die Gaststätte an der Kreuzeiche, regelmäßige Konzerte, ob Jazz oder Partymusik oder Lieder zum Advent, gehörten zum Programm genauso wie Schlachtwochen aus eigener Herstellung versteht sich. Das soll es auch weiter geben genauso wie viele Wildgerichte. Das ist eine weitere Spezialität des Hauses und besonders.

Beide sind Jäger
Denn nicht jeder Gastwirt, der Rehrücken oder Wildschweinbraten anbietet, hat ihn auch selbst geschossen. Bei den Seywalds kann das durchaus der Fall sein. Denn beide haben den Jagdschein in der Tasche, aber nicht nur das, beide frönen auch noch dem Hobby des Falkners. Dafür halten sie sich Raubvögel – zwei Wüstenbussarde, einen Kolkraben sowie einen Uhu – und gehen mit ihnen (den Wüstenbussarden) auf Jagd. Die Volieren mit den Tieren stehen dann auf dem Gelände rund um die Gaststätte. Vorführungen werde es aber nicht geben, so Daniel Seywald. »Wir sind keine Schau-Falkner.« Eine Attraktion aber sind die Raubvögel gleichwohl. 


Somit endet nun nach fast zwei Jahren die Durst und Hungerstrecke auf der Alteburg, ab Ende April soll wieder Leben in der Gastwirtschaft herrschen, die 1926 erbaut worden ist und noch gut dasteht. Die Seywalds haben im Zuge der Übernahme die üblichen Arbeiten erledigt, also streichen, sauber machen, »einmal durchrenoviert«, wie Daniel Seywald sagt. Der Thekenbereich bekommt ein neues Gesicht, die sanitären Anlagen wurden erneuert genauso wie die Wasserbautechnik. Vor allem aber tut sich was im Außenbereich. Die Terrasse bietet 140 Plätze und wird momentan noch auf Vordermann gebracht.

Das wird ein Schmuckstück, freut sich Elke Seywald, denn daneben kommt auch noch ein Spielplatz hin. Vor allem für Familien mit Kindern schaffen sie damit einen Anreiz, vor den Toren Reutlingens ein paar unbeschwerte Stunden zu verbringen. Parkplätze sind ebenfalls ausreichend vorhanden. In der Gaststätte gibt es drei von einander getrennte Räume mit insgesamt 140 Plätze. Bis 18. März müssen die beiden noch mit der Doppelbelastung leben, dann endet ihr Engagement in der Sportparkgaststätte. Dann beginnt für beide eine neue Zeitrechnung, dann leben sie beide ihren Traum.