Jahrelang prägte ein Mann die Fußballabteilung des VfL Pfullingen. Timo Schyska lenkte die Geschicke der Kicker äußerst erfolgreich. Der Aufstieg der Ersten in die Verbandsliga sowie deren phänomenaler Auftritt war das i-Tüpfelchen. Zum Ende der Saison hat die Abteilung die Struktur geändert, neben Schyska, der für die Bereiche Kommunikation und Projekte zuständig ist, lenken gleichberechtigt Oliver Herdtner (Sport) und Bernd Vogel (Finanzen und Technik) die Abteilung. Die neue Führungscrew komplettiert Frank König, der als Spielleiter Markus Riehle beerbt. Vor dem Punktspiel-Auftakt bei Aufsteiger und Lokalrivale TSG Tübingen haben wir uns mit König unterhalten.

Hallo Herr König, die Fußballer des VfL blicken auf eine erfolgreiche Saison zurück. Was bleibt da als Spielleiter noch zu tun?
Frank König: Nach einer erfolgreichen Runde muss es ja weitergehen. Schon während der Spielzeit mussten wir deshalb die Weichen für die Zukunft stellen. Als der Klassenerhalt im Mai gesichert war, begann für uns die Arbeit erst richtig.

Wie sind sie zu dem Job gekommen?
König: Ich war dreieinhalb Jahre Spielleiter bei der zweiten Mannschaft des VfL. Mein Vorgänger Markus Riehle hat frühzeitig signalisiert, dass er nach zehn Jahren in die Spielleiterrente möchte. Er hat mich gefragt und im Ausschuss vorgeschlagen. Das haben wir frühzeitig in die Wege geleitet. Da wir ja sowieso sehr eng zusammengearbeitet haben, hat sich das ergeben.

Für Sie gab es nie Zweifel, dass sie das machen?
König: Nee, das gab’s nie. In Pfullingen sagt man, der Weg in die Erste führt immer über die Zweite. Weil Markus das früh geplant und kommuniziert hat, musste ich nicht viel überlegen. Für mich war das ein Schritt, den ich gehen wollte, weil mein Herz am VfL hängt. Ich war selber Spieler bis zur letzten Runde und will vor allem, dass es beim VfL nahtlos weitergeht.

Was machen Sie anders als Markus Riehle?
König: Ich werd Markus Riehle definitiv nicht kopieren. Ich komme aus der Spielergeneration und will neue Ideen mit einbringen.

Was da wäre?
König: Wenn wir mittelfristig in der Verbandsliga bleiben möchten, und das wollen wir, dann müssen wir uns noch professioneller aufstellen. Ich werd nichts Großartiges ändern, weil es nichts Großartiges zu ändern gibt. Aber ich werde nah an der Mannschaft sein, damit ich mir ein Bild machen kann. Aber weil ich ja Spieler war, weiß ich was so ein Spieler erwartet von einem Verein. Das versuch ich einzubringen.

Können Sie mal ein konkretes Beispiel für mehr Professionalität nennen?
König: Wir haben jetzt jemand der Trikots wäscht. Bislang hat jeder einmal die Trikots heimgenommen wie in der Kreisliga. Da wollten wir einfach professioneller werden.

Noch was?
König: Was man in Angriff nehmen kann, ist eine einheitliche Trainingskleidung. Aber das sind im Grunde Kleinigkeiten, viele Kleinigkeiten bringen einen auch voran. Da mach ich mir viele Gedanken, was und wo wir uns im Detail verbessern können. Das passiert alles aber nicht in zwei oder drei Wochen.

Was ist ihre vorrangige Aufgabe?
König: Ich bin das Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer und natürlich auch zwischen Trainer und der Vorstandschaft.
Wenn ich merk, dass es in der Mannschaft nicht stimmt, oder dass irgendwas sein sollte, sehe ich es als meine Aufgabe an, da nachzufragen und versuch das intern zu klären. Das sind Kleinigkeiten.

Und das Große?
König: Das passiert vor der Wechselfrist am Ende der Saison. Ich stell mit Trainer Michael Konietzny und dem Vorstand Sport, Oliver Herdtner den Kader zusammen, gucke nach Verstärkungen und führe mit den Kandidaten Gespräche. Das sind die zwei, drei Monate, wo man am meisten zeitlich gefordert ist.

Wie sehen die Ziele aus?
König: Die Ziele werden gleich bleiben wie in der letzten Runde.

Was heißt gleich bleiben?
König: der Klassenerhalt.

Sagen Sie doch so was nicht. Man wird nicht Vierter und spielt dann nur wieder um den Klassenerhalt.
König: Wir fangen nicht das Spinnen an und sagen: Wir sind jetzt Vierter geworden als Neuling und wollen jetzt noch mehr. Das machen wir nicht. Mit diesem großen Erfolg hat keiner gerechnet. Auch wir nicht. Die Mannschaft und das Trainerteam haben hervorragende Arbeit geleistet. Wir haben den Klassenerhalt nicht mit Glückssiegen oder Rumpelfußball geschafft, sondern weil wir eine gewachsene Mannschaft sind, die mit viel Leidenschaft einen tollen Fußball gespielt hat.

Dem stimme ich zu. Aber man kann sich andere Ziele setzen.
König: Aber – jetzt kommt das große Aber: Als Aufsteiger ist das zweite Jahr das schwierigere. Im ersten Jahr nimmt man die Euphorie vom Aufstieg mit, im zweiten Jahr aber ist du kein Unbekannter mehr in der Liga. Die gegnerischen Mannschaften stellen sich zu Hundertprozent auf den VfL Pfullingen ein.

Ihr habt aber auch ein Jahr mehr Erfahrung.
König: Wir haben eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern, aber da gibt es gar nichts daran zu rütteln, dass wir sagen, wir möchten wieder unter die ersten Vier kommen. Das wäre vermessen. Wir wissen, woher wir kommen, und bleiben dabei: oberstes Ziel ist der Klassenerhalt. 

Klassenerhalt scheint mir ein wenig zu tiefgestapelt.
König. Das mögen sie so sehen, aber wir werden nichts anderes preisgeben. In der Verbandsliga gibt es keinen Mittelfeldplatz. Ab Platz sieben beginnt der Abstiegskampf. Das hat sich in den vergangenen Jahren immer gezeigt. Wir wollen aber so früh als möglich den Klassenerhalt in trockene Tücher packen. 

Dann passt ja die nächste Frage perfekt: Wo steht der VfL in drei Jahren?
König: (lacht), eine sehr gute Frage. Wenn es nach mir gehen würde, und daran arbeiten wir akribisch: Wir wollen in der Verbandsliga etabliert sein.

Interview von Dieter Reisner