LICHTENSTEIN. Es bewegt sich was in Lichtenstein, sagt Peter Nussbaum mit dem Brustton der Überzeugung. Damit meint der Rathauschef aber nicht die Blechlawine, die sich tagein, tagaus durch die 9 000 Seelen-Gemeinde auf die Alb hoch und von der Alb runter schlängelt. Sondern es bewegt sich wirklich was in Sachen Albaufstieg. Der Bürgermeister hat nämlich eine ziemlich gute Nachricht für alle verkehrslärmgeplagten Anwohner im Gepäck. Jahrzehntelang warten sie in Unterhausen und Honau schon auf eine Entscheidung. Nun ist es soweit. »Der Albaufstieg kommt. Es geht im Herbst mit dem Planungsverfahren  los«, kündigt Nussbaum an. Dann findet der offizielle Auftakt statt. Der Bundesverkehrswegeplan ist bis 2030 festgelegt. Der Albaufstieg ist beim Regierungspräsidium in der ersten Tranche gelandet und »wir sind auf Platz drei«. Sagt Nussbaum und man hört ihm seine Freude förmlich an. Einen genauen Termin für den  Auftakt kann der Bürgermeister aber noch nicht nennen. »Wir sind gerade dabei das zu organisieren. Die Gemeinde will sich da natürlich mit einbringen«. Das wird ein emotionaler Augenblick.

Bürgerrufbus

Es bewegt sich was: Vor allem die Menschen in Lichtenstein sind damit gemeint. Angefangen vom Gemeinderat und der Verwaltung bis hin zu den vielen wichtigen engagierten Bürgern, die – um im Bild zu bleiben – Mitbürger bewegen. Der Bürgerrufbus ist nämlich so ein Beispiel für gelebte Gemeinschaft. Die Gemeinde stellt ein Fahrzeug zur Verfügung, Ehrenamtliche engagieren sich an drei Vormittagen und einem Nachmittag als Busfahrer, und bringen dabei betagte, gehbehinderte Menschen von A nach B zum Einkaufen, zum Kaffeeklatsch, einfach unter die Leut. Dieser Bürgerufbus ist einer der wichtigen Wegmarken aus dem vergangenen Jahr, genauso wie die Eröffnung des Bürgertreffs in der ehemaligen Post. Dieser Raum für alle bewegt die Menschen ebenfalls. Der Seniorennachmittag hat hier seine Heimat gefunden. Zentral gelegen ist es ein wichtiger Veranstaltungsort in Unterhausen geworden.»Wir haben sehr viele Anfragen«, so Nussbaum.

Es bewegt sich was in Sachen Feste. Viele viele Jahre gehörte die Marktplatzhockete zum Aushängeschild der Gemeinde, viele kamen von außerhalb zu der sommerlichen Sause. Sie ist eingeschlafen, eine Zeit lang lag das Festeleben im Sommer brach, bis im vergangenen Jahr das Gemeindefest diesen Platz einnahm. Man hörte von allen Seiten nur Lob, das machen wir wieder. »Es war eine gelungene Premiere«, sagt der Bürgermeister auch jetzt noch. »Klar ist aber, dass wir das nicht jedes Jahr stemmen können.« Wann das nächste im Kalender steht, wollen die Vereine gemeinsam mit der Gemeinde besprechen.

Bis zu 250 MB

Auch in Sachen Digitalisierung bewegt sich was. Die Gemeinde ist dank dem kommunalen Ausbau und dank der Telekom jetzt fast zu 100 Prozent an das schnelle Internet angeschlossen. Nur noch der Göllesberg fehlt. »Die Telekom hat ihre Ankündigung wahr gemacht«, freut sich Nussbaum. 4 300 Haushalte profitieren nun von bis zu 250 MB Geschwindigkeit. »Das ist vor allem auch ein Standortfaktor«, sagt der Schultes. Grundsätzlich fragen junge Familien immer nach so etwas, wenn sie sich überlegen hierher zu ziehen. Und dann will die Gemeinde größer zu werden. Das Gebiet Breitenbol in Holzelfingen soll erweitert, 2020 mit der Erschließung begonnen werden. Einen dicken Batzen Arbeit kommt mit dem Umbau der Schule auf die Gemeinde zu. Eine mehrzügige Grundschule soll dort entstehen und die Brögerschule darin integriert werden. Thema Brögerschule: Im Bau oberhalb der ehemaligen Bahnlinie haben viele Lichtensteiner lesen und schreiben gelernt. 

Um diesen altehrwürdigen Bau zu erhalten, müssten umfangreiche Sanierungsarbeiten vergeben werden mit einem Volumen von rund 6 Millionen Euro. Das ist der Gemeinde zu teuer. Was mit dem Bau passiert steht, noch nicht fest. Denkbar wäre nun, dass die Brögerschule abgerissen und auf dem Gelände beispielsweise eine Mensa mit Aula eingerichtet wird. Das war aber noch nicht alles, was passiert ist. Die Ernst-Braun-Sporthalle bekam einen neuen Boden, die Rathausfassade einen neuen Anstrich. In Holzelfingen wurde das Feuerwehr gerätehaus mit viel Eigeninitiative wieder auf Vordermann gebracht. Wie gesagt die Lichtensteiner bewegen sich und wollen dann auch noch andere bewegen. Auf dem Plan steht ein Trimm-dich-Pfad in der Ortsmitte, er soll im Rahmen des Spielplatzkonzeptes entlang der Echaz entstehen. Wer sich lieber nicht so viel bewegt und dafür mehr das französische Lebensgefühl bevorzugt, gern ein Gläschen Wein als Zielwasser dringt und die Geselligkeit liebt, der findet auf dem künftigen Bouleplatz seine Glück. Aber das ist ja immer noch nicht alles: Lichtenstein liegt nicht nur an der viel befahrenen B 312, sondern ist auch mit viel Natur Drumherum gesegnet – viel Wald, Quellen, Höhlen und tollen Wegen. Dieses kostbare Gut nutzt die Gemeinde nun und präsentiert einen Prädikatswanderweg: von Schloss Lichtenstein zu Schloss Lichtenstein. Über die Nebelhöhle. Wunderschöne Ecke in dieser Welt.

Bewegend

Einer kannte diesen Weg wie kein anderer und hat sich in seinem Leben und andere viel bewegt: Ernst Etter. Der Pfullinger, der in Honau seine Heimat gefunden hat, war dort lange Jahre Vorsitzender des Schwäbischen Albvereins, als Landschaftsgärtner prägte er als Schlossverwalter den Lichtenstein. Das war sein Leben. Ernst Etter ist kurz vor dem Bürgerempfang, auf dem er die Bürgermedaille der Gemeinde erhalten hätte, im Alter von 87 Jahren verstorben. Die Gemeinde verliert einen ihren ganz Großen. Er hat viel bewegt.                                                                                                                                     -diet