REUTLINGEN. Da wird die Baufirma dem RMC, dem 1. Rad- und Motorsportclub Reutlingen - und Pächter des Motocross-Geländes - einige Fragen beantworten müssen: Entstehen soll dort ein Staub- und Lärmschutz - sowie die bauliche Verbesserung eines RMC-Parkplatzes. Doch das Unternehmen machte sich ohne behördliche Genehmigung ans Werk. Auf zwei Flächen von je 1000 Quadratmetern am Rande des Motocross-Geländes im Südwesten der Stadt sorgten sie für jede Menge Zerstörung von Natur. Und weil ihre Arbeit mitten in den Sommerferien offensichtlich nicht überwacht wurde, langten sie kräftig zu. Die Leute vom Bau deponierten am Rand des RMC-Motocross- Geländes rund 100 Lastwagenladungen Erde, so die überschlägige Rechnung von Dr. Claudius Müller, der beim Landkreis Ordnungsdezernent ist und damit auch die »untere Naturschutz- und Baurechtsbehörde« repräsentiert. Das Vorhaben hätte seinem Amt gemeldet werden müssen. 
Der bei der Stadt zuständige Vize des Amts für Wirtschaft und Immobilien, Fabian Schäufele, verwies darauf, dass selbstverständlich niemand im Außenbereich einfach so baggern darf, vor allem nicht ohne Genehmigung der Stadt.

Die Leute vom Bau fällten Bäume und zerstörten wichtige Biotope, auch dort, wo zum Beispiel Kröten ihr Winterquartier hatten. Das listeten die Leute vom benachbarten Umweltzentrum Listhof auf. Sie sind direkte Nachbarn des RMC und verstehen sich mit diesen offenbar recht gut. Denn anders als befürchtet, gab es keinen großen Zoff. Bei einem Vor-Ort-Termin vergangene Woche stellten Vertreter des Listhofs, assistiert von Vertretern der Naturschutz-Verbände BUND und Nabu, fest, dass sie sehr wohl bestürzt waren angesichts dieses Umweltfrevels; doch das Kind war halt schon in den Brunnen gefallen. Nun gelte es zu kooperieren. Michael Saur, der RMC-Vorsitzende, zeigte sich zerknirscht - und zur Wiedergutmachung im Rahmen des Möglichen bereit. »So kann’s ja nicht bleiben«, sagte er mit Blick auf die riesigen Erdhügel. Die hatten sich aufgetürmt, weil die Baufirma hoffte, auf diese Weise Geld für die anderweitige Deponierung ihres Aushubs Geld zu sparen. Saur: »Wir werden auch bei der Renaturierung helfen.« Vor zwei Wochen wurden die ersten Maßnahmen zur Schadensminderung besprochen. Nach Meinung von Experten könne der komplette, vorherige Zustand der Biotope aber erst in fünf bis zehn Jahren wiederhergestellt werden.    –jh