REUTLINGEN. Der Landkreis Reutlingen ist Mitunterzeichner der »Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen«. Landrat Thomas Reumann und zahlreiche Mitglieder des Kreistags bekräftigten mit ihrer Unterschrift im Rahmen eines Festakts die Wichtigkeit der Versorgung und Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen im Landkreis. »In einer älter werdenden Gesellschaft muss die Versorgung und Begleitung Schwerstkranker und Sterbender als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden«, sagte Reumann. Die Unterzeichnung der Charta sei zudem ein eindeutiges Bekenntnis der Wertschätzung für die Arbeit all derjenigen, die sich beständig, ob haupt- oder ehrenamtlich, in der Palliativ- und Hospizbegleitung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie ihrer Familien und Nahestehenden einsetzen. 

Die Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration, Bärbl Mielich, unterschrieb das Papier ebenfalls. Sie erklärte: »In der palliativen Versorgung ist Baden-Württemberg gut aufgestellt, wir unterstützen die Ziele der Charta.« Das Land habe 1,3 Millionen Euro bereitgestellt, um damit Einrichtungen und Netzwerke der Hospizbewegung zu unterstützen. »Doch die palliative Versorgung muss noch in der Mitte der Gesellschaft ankommen«, forderte Mielich. Franziska Kopitzsch, Charta-Geschäftsstellen-Leiterin in Berlin, hob die Verantwortung von Gesellschaft, Politik und allen Beteiligten im Gesundheitssystem hervor. »Die beeindruckend große Resonanz und Unterstützung, die die Charta seit ihrer Verabschiedung im September 2010 von vielen Seiten erfahren hat, macht zuversichtlich für den weiteren Charta-Prozess und die Verwirklichung ihrer Ziele«, betonte sie. Rund 23 500 Unterschriften habe die Charta inzwischen.

Im Landkreis Reutlingen sind zahlreiche Haupt- und Ehrenamtliche seit vielen Jahren in der Palliativversorgung und Hospizbegleitung aktiv. 1994 wurde der Ambulante Hospizdienst Reutlingen gegründet, entstanden aus einer Sitzwachengruppe. Heute engagieren sich dort rund 120 Ehrenamtliche. Weitere Ehrenamtliche arbeiten in den sechs weiteren ambulanten Hospizgruppen mit. 2010 wurde der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst gegründet. Als einer der wenigen Landkreise hat der Reutlinger seit 2012 die »Stiftung Palliativpflege«, sie ist aus dem »Förderverein Brückenpflege« hervorgegangen. 2012 nahm das Palliative Care Team, angesiedelt bei den Kreiskliniken, mit der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung seine Arbeit auf. Ein weiterer wichtiger Baustein im Versorgungsspektrum für Palliativpatienten war die Eröffnung der Palliativstation 2014 mit acht Betten im Klinikum am Steinenberg. Seit 2015 wird, unter Federführung der Landkreisverwaltung, das Projekt »Entwicklung palliativer Lebenskultur« umgesetzt. Eine der zentralen Zielsetzungen dieses Projekts ist es, die multiprofessionelle und sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Haupt- und Ehrenamtlichen in der Palliativversorgung zu befördern und zu stärken.                                                                                                                                                                                                                          –jos