DETTINGEN. Erst vor zwei Tagen haben Dieselbesitzer erfahren, wie es nun weitergeht mit ihren Fahrzeugen. Alte Autos gegen neue eintauschen mit finanziellen Anreizen auf Kosten der Besitzer lautet die Antwort aus dem Kanzleramt. Und das alles wegen manipulierter Abgaswerte. Das ist hinlänglich bekannt. Auch Autozulieferer machen sich schon seit geraumer Zeit verstärkt Gedanken, wie eine schadstoffreduzierte Umwelt funktionieren könnte. Freilich kann momentan niemand Weissagen, was in 20 Jahren straßentauglich ist: Ob Wasserstoff angetriebene Vehikel die Straßen dominieren oder die Elektromobilität den Durchbruch geschafft hat. Fakt ist: Wer in der Branche am Markt Schritt halten will, muss fit sein. Und das ist ElringKlinger. Dr. Stefan Wolf, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, sprach von einem noch nie dagewesenen Wandel, der geradezu alternative Antriebskonzepte verlange. »Wir müssen jetzt vorbereitet sein, um nicht den Anschluss an den Leitmarkt China zu verlieren«.

Mit dem »Innovation Lab« schafft das Unternehmen Raum für neue Ideen und elektrisierende Lösungen. Neben dem Hauptsitz in der Max-Eyth-Straße entsteht auf über 13 000 Quadratmetern ein Neubau, der Büros, Labore und eine große Entwicklungshalle umfasst. 300 Fachkräfte sind neu im Unternehmen. Geforscht wird hauptsächlich in der Batterie- und Brennstoffzellentechnologie. Theo Becker leitet den neu geschaffenen Bereich Elektromobilität. 20 Millionen Euro nimmt das Unternehmen dafür in die Hand. Unverkennbar ist hierbei die Handschrift des Architekten Gerhard Keppler. ElringKlinger blickt auf eine über 138-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Im Laufe der Zeit hat sich viel getan. Das kann Dr. Stefan Wolf nur bestätigen. Wolf selbst kam 1997 ins Unternehmen. Damals waren 250 Menschen beschäftigt - heute sind es am Standort Dettingen 2 250. Der Klassenprimus der Zylinderkopfdichtungen wächst rasant. Wolf ist davon überzeugt, dass es die alten Geschäftsbereiche auch in 30, 40 oder 50 Jahren noch geben wird, nur eben in geringerer Stückzahl. Diese Meinung teilte auch Dettingens Bürgermeister Michael Hillert, der seinen Stolz kaum verbergen konnte solch eine Weltfirma im Ort zu haben. In Sachen E-Mobilität hat für den Konzernchef China klar die Nase vorn. Laut Wolfs Angaben wurden allein im vergangenen Jahr 400 000 Fahrzeuge verkauft.

Interessant: So eben ist eine neue Studie von Allianz Global Assistance veröffentlicht worden, die belegt, dass die Deutschen zwar viele Trends zur Mobilität kennen, jedoch wenige nutzen. Laut dieser Studie hat auch die Elektromobilität noch viel Potenzial: Zwar sei es für 57,8 Prozent der Befragten denkbar, mit einem E-Fahrzeug zu fahren, doch aktuell bediene sich nur 4,2 Prozent dieser Art der Fortbewegung. Vorzugsweise handele es sich dabei um ein Elektro-Auto (59,1 Prozent), an zweiter Stelle folgen E-Bikes (27,9 Prozent).                                                                                                      –pi
 

Steckbrief Neubau: Forschungs- und Entwicklungszentrum
 

• Baubeginn April 2018
• geplante Nutzungsaufnahme 1. Quartal 2020
• Bruttogrundfläche 13 640 Quadratmeter
• Bruttorauminhalt 88 820 Kubikmeter
• Investitionsvolumen circa 20 Millionen Euro
• Gebäudeabmessungen 110 Meter x 70 Meter
• Gebaudehöhe (Bürogebäude) 17,75 Meter
• Dreigliedriger Bau: Büros, Labore, Entwicklungshalle
• 4 350 Quadratmeter Büros
• 1 800 Quadratmeter Labore
• 6 300 Quadratmeter Entwicklungshalle
• Forschung & Entwicklung im Bereich E-Mobility & Brennstoffzellen
• Prototypen- und Vorserienfertigung von Batteriemodulen und Brennstoffzellen
• Innovative Bürokonzepte