Feierliche Einweihung des neuen Heizwerkes am Reutlinger Bahnhof. Die fand bereits am Freitag, 5. Juli im Beisein von Reutlingens OB Thomas Keck und Ulrike Hotz, Reutlingens Baubürgermeisterin statt. Doch die FairEnergie als Bauherr  lud auch die Bevölkerung  am vergangenen Wochenende  zum Tag der offenen Tür ein .  Viele Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, um ins Innere der über 10-Millionen -Euro teuren Anlage zu schauen. Von Beginn waren die Führungen durch das Heizwerk sehr gefragt. Auch das Angebot der anwesenden Fachgeschäfte E-Bikes zu testen und sich fachkundig beraten zu lassen, wurde ausgiebig genutzt. 

47 Meter lang
Die FairEnergie als Bauherr investiert 10, 3 Millionen Euro in das Großprojekt. Mit einer Länge von 47 Metern und einer Breite von 17 Metern verfügt das Heizwerk über eine Grundfläche von 800 Quadratmeter. Diese wurde auf acht Meter tiefen Bohrpfählen gegründet und wurde damit den vorliegenden Bodenverhältnissen gerecht. Die Fassadengestaltung orientiert sich an städtebaulichen Gestaltungsvorgaben. Hingucker ist die schicke Klinkerfassade und das üppig begrünte Dach. Herzstück sind die beiden Heizkessel mit je 8 MW thermischer Leistung. Das Heizwerk verfügt über eine Kesselleistung von 16 MW, welche sich auf zwei Anlagen mit je 8 MW verteilt. Dies entspricht der Anschlussleistung von 800 Einfamilienhäusern.  Das neue Heizwerk «Bahnhofstraße» hat in der ersten Ausbaustufe zwei Gasheizkessel, um den Spitzenbedarf im Winter abzudecken. Der Einbau zweier weiterer Heißwasserkessel, abhängig vom Fernwärmenetzausbau, ist möglich. Insgesamt können durch die Lieferung von Fernwärme aus dem Erzeugungspark der FairEnergie GmbH jährlich circa 11 000 Tonnen/  CO2-Emissionen vermieden werden. Durch den geplanten Ausbau der Fernwärmeversorgung in Reutlingen kann bis zum Jahr 2030 ein Einsparungsziel von circa 17 000 Tonnen/ CO2-Emissionen pro Jahr erreicht werden. 

Riesiger Bedarf
Bereits 2014 zeichneten sich erste Versorgungswünsche im Innenstadtbereich ab unter anderem mehrere Gebäude der GWG in der Unteren Gerberstraße, das Berufsschulzentrum des Landkreises, das Hochhaus von Schöller & Partner Unter den Linden, die Polizei und das Finanzamt. Damit wurde klar, dass die Versorgung des Innenstadtbereichs durch einen zweiten Heizwerksstandort unterstützt werden muss. Da das Netz vom Heizwerk »Hauffstraße« sternförmig aufgebaut ist, kommen die Leitungen mit zunehmendem Ausbau an ihre Belastungsgrenze. Um den seit 2010 stark steigenden Fernwärmbedarf decken zu können, wurde die Spitzenkesselanlage in der Hauffstraße im Jahr 2016 auf die maximal mögliche Größe erweitert. Das heißt: Es wurden drei ältere Heizkessel mit je 7 MW Leistung durch drei Kessel mit je 10 MW ersetzt. Unabhängig von der Leistung der Kesselanlage ist bereits heute die Kapazität des Leitungsnetzes erreicht. Dies macht eine zusätzliche Wärmeeinspeisung für potenzielle Kunden und für die kältesten Tage im Winter erforderlich. Zielsetzung war es, einen Standort für das neue Heizwerk zu finden, der möglichst am anderen Ende des Netzes beziehungsweise nah an der Oststadt liegt. Gemeinsam mit dem Baudezernat begann 2014 die Suche nach geeigneten Standorten. Zunächst war die Heizzentrale des Kreisklinikums im Fokus. Dieser Standort erwies sich letztlich doch als zu klein; es fehlte das Ausbaupotenzial für die Zukunft.  Schon bald wurde von der Stadt Reutlingen der Standort in der Bahnhofstraße vorgeschlagen, der hydraulisch sehr gut geeignet ist.

Aufwertung am Reutlinger Bahnhof

Das eher triste Gelände – das  in der Vergangenheit nur noch durch das  einstige »Stellwerk« Musik-und Gaumenfreunde anzog, punktet nun mit einem schicken Klinkerbau. 
»Wir bauen nicht bloß a Kischtle um zwei Heizkessel drum herum. Nein, hier entsteht ein hochmoderner, transparenter Klinkerbau„, sagte damals Jochen Schmid vom Architekturbüro Hartmaier + Partner. Das war beim  traditionellen Spatenstich am 22. September 2017.  Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Es entstand nicht nur eine Gebäudehülle für die Technik, sondern ein Haus in der Tradition der Klinkerindustriebauten, wertig und nachhaltig. Das Heizwerk ist eingebettet auf dem Platz des ehemaligen Lockschuppens und Stellwerks, zurückhaltend und doch selbstbewusst. Die hochwertige Klinkerfassade ist unterbrochen durch transparente Glaselemente, die den Blick auf das Innere, der Technik, bestehend aus Heizkesseln, Druckbehältern, Pumpen und Rohren freigeben. Die Dämmung des Daches ist im Gefälle verlegt. Das Flachdach wurde extensiv begrünt, so fasst Projektleiter Schmid die millionenschwere Baumaßnahme zusammen.                          Gabi Piehler