REUTLINGEN/WELT. Sie gehen dorthin, wo die Not sehr groß ist - in die inoffiziellen Flüchtlingscamps. Überall in Europa sind die »Drei Musketiere« im Einsatz. Die Reutlinger Hilfsorganisation versorgt Geflüchtete mit dem Nötigsten – ohne die Unterstützung durch Spendengelder undenkbar. »Als ich die Bilder 2015 in den Medien sah, konnte ich nicht anders«, erklärt Markus Brandstetter. Der ehemalige Sales Direktor eines namhaften Handelskonzerns kündigte daraufhin im Oktober 2016 seinen Job. Zusammen mit seiner Frau Claudi und seiner Tochter Betül gründete er die kleine Hilfsorganisation. Die inzwischen 19 Mitglieder waren in den letzten 18 Monaten bei 21 Hilfsmissionen im Einsatz. »Jeder Freiwillige finanziert die Anreise dorthin aus eigenen Mitteln, nutzt seinen Urlaub dafür«, so Brandstetter.


In Ungarn und Serbien erlebten sie schlimmste Folterungen der Geflüchteten durch die Grenzsoldaten und »schleppten allmorgendlich Verletzte ins nächste Krankenhaus«. Hilferufe aus der »Stadt der Liebe« nahmen sie wahr und versorgten die Camps an der Seine in Paris mit dem Nötigsten. In der türkischen Großstadt Izmir entstand in Zusammenarbeit mit der »Lemonfoundation« aus Maastricht ein »bunter, wunderbarer Ort«: In einer ehemaligen Schuh-Fabrik erhalten bis zu 80 Geflüchtete eine warme Mahlzeit. In einem Second Hand-Laden können sie sich mit Kleidung versorgen. Für die behinderten Kinder, die häufig unter Scoliose leiden, ist ein Physiotherapeut vor Ort, ebenso wie eine Psychologin, die sich um die Bewältigung von Traumata kümmert. Pädagogen unterrichten Kinder und Erwachsene – in den Sprachen Englisch, Arabisch und Türkisch.

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Eine Infothek vernetzt die Geflüchteten mit Behörden, gibt Tipps zur medizinischen Versorgung, stellt Kontakt zum World Food Programm her. »Ganzheitlich zu Handeln, bedeutet aber vor allem, die Würde dieser Menschen nicht zu vergessen«, erklärt Brandstetter. »Die Menschen wollen etwas tun, ihre Familie irgendwie versorgen können«. So gründeten die »Drei Musketiere« zusätzlich noch eine »Näherei«. Alleinstehende Frauen, die ihre Männer durch den Krieg verloren, produzieren dort Umhängetaschen des Labels »Boundless« Diese sind in Reutlingen und Umgebung erhältlich. Die Einnahmen fließen zu 100 Prozent in das Projekt TIAFI (Team International Assistance for Integration), das Community Center in Izmir.

Lions Club spendet:
2 000 Euro hat der Lions Club Reutlingen an die Hilfsorganisation gespendet. »Wir bewundern ihr Engagement und wie sie mit so wenig Mitteln so viel bewirken«, erklärte Reinhold Schuster, Präsident der Lions.

Open-Air Event:
Wie auch schon letztes Jahr, veranstalten die Musketiere das »Music for Humanity«-Konzert im Stadtgarten, am 7. Juli. Der Ertrag geht an die Grenzen von Europa.    

Nähere Informationen gibt’s unter www.3-musketiere.info oder auf Facebook unter Drei Musketiere Reutlingen e.V.