REUTLINGEN. Regelmäßig treffen sie sich, um sich über Kultur und besonders über die Kulturpolitik der Stadt auszutauschen. Denn davon verstehen sie was - die Macher der Tonne Reutlingen, dem franz.K, der VHS Reutlingen und der Württembergischen Philharmonie. Besorgt sind sie alle über die momentanen gesellschaftlichen Entwicklungen und sie sind sich einig, dass Kultur und Bildung maßgeblich ausschlaggebend sein könnten um einen sozialen Zusammenhalt (wieder)herzustellen.

Kultur schafft Identität

Wie sagte Sir Peter Ustinov einst so treffend: »Lorbeeren, auf denen man sich ausruht, verwandeln sich in Kakteen.« 
Keine Frage - das kulturelle Angebot in Reutlingen ist durchaus vorhanden und sogar recht umfangreich für eine Stadt mit rund 115 000 Einwohnern. Doch nicht von allen Bürgern scheint es wahr - und in Anspruch genommen zu werden. Gerade Menschen mit Migrationshintergrund nutzen das vielfältige Kulturangebot der Stadt weniger. Das ist schade, denn ist es nicht so, dass Kultur Identität schafft. Dass Einblicke in die jeweilige Kultur uns verstehen lässt - Uns dadurch erst ermöglicht ein Teil davon zu sein.
Auch der Nachwuchs bereitet Sorgen. Durch Ganztagesschule und dem Fokus darauf, den jungen Menschen schnell zum wirtschaftlichen Leistungsträger heranzuzüchten, lässt wenig Zeit für kulturelle Bildung. Da könnten zum Beispiel Kooperationen von Schulen und kulturellen Einrichtungen Abhilfe schaffen - ein Theaterbesuch als Unterrichtseinheit. Koordiniert von einem Kulturvermittler, dessen Aufgabe es wäre Schulen und Theater oder sonstige Einrichtungen zusammenzubringen.

Kultur ist, was Menschen machen

Doch Kultur benötigt nicht nur Menschen und ihre Kreativität und ihr Engagement, sondern auch Orte, wo sie geschehen kann. Und genau da liegt in Reutlingen der Hase im Pfeffer. Laut den bereits Kulturschaffenden fehlt es in der Stadt an zusätzlichen Räumen für Kultur-und Bildungsanbieter. Plätze, wie etwa ein Kreativzentrum, wo nichtkommerzielle Kunst stattfinden kann und in dem ein kultureller Austausch möglich ist. Ateliers und Proberäume, wo man sich ausprobieren kann und Platz ist für interkulturelle Begegnungen. Ideen, wie zum Beispiel die Planie 22 in eine Kulturfabrik umzuwandeln, sind bereits vorhanden. Das alles, so betonen die Herren von franz.K und Co. soll keine Kritik an der der momentan durchgeführten Kulturkonzeption der Stadt sein, an der sie sich auch beteiligt haben. Im Rahmen eben dieser Konzeption wurden Befragungen in der Bevölkerung durchgeführt sowie 17 Spartengespräche über Bildung, Inklusion, Sozialkultur und andere Themen. Auch ein Workshop wurde angeboten. Die Ergebnisse werden jetzt im Herbst erwartet. Und das nach den vielen Worten jetzt auch Taten folgen und Reutlingen zu einer Stadt wird, in der alle Kultur leben und erleben können.                                                                                                                                                                                    –boe