REUTLINGEN. Die Reutlinger Vesperkirche steht schon wieder vor der Tür: Vom 14. Januar bis zum 11. Februar 2018 wird zum 21. Mal das »besondere Gast-haus« als ökumenische Veranstaltung Arm und Reich, Jung und Alt gemeinsam vier Wochen lang jeden Tag an die Tische in der Nikolaikirche einladen. Schon im September hat der Leitungskreis sich zum ersten Mal zusammengesetzt, um die Vesperkirche im kommenden Jahr vorzubereiten. 


»Im September gab es auch einen Fachtag beim Dia-konischen Werk in Stuttgart, an dem Vertreter aller 30 Vesperkirchen in Baden-Württemberg teilgenommen haben«, erläutert der Reutlinger Pfarrer Jörg Mutsch-ler. Beim Austausch habe sich gezeigt, dass fast alle Vesperkirchen »keine Eintrittskarten ausgeben«, so Mutschler als Kopf der Achalm-Vesperkirche. Bislang galt in der Nikolaikirche, dass Gäste mit kleinem Geldbeutel 1 Euro zahlten, dafür eine warme Mahlzeit, Getränke, Nachtisch, Kuchen und sogar noch ein Vesper erhielten. Diejenigen Besucher, die über mehr Geld verfügen, zahlten mindestens 6 Euro. 


Das neue Modell sieht vor, auf jedem Tisch eine klei-ne Box aufzustellen, in die alle Gäste Spenden ein-werfen können. »In anderen Städten hat sich das be-währt«, sagt Mutschler. Im Hinterkopf sollten dabei die Gäste behalten, dass die Vesperkirche sich in Reut-lingen rein über Spenden finanziert, so Gertrud Schief aus dem Leitungskreis. Rund 90 000 Euro würden jedes Jahr wieder gebraucht, um die Unkosten decken zu können. Das Essen, werde laut Jutta Kukh in sehr guter Qualität zusammen mit der gesamten Infrastruktur, mit Wärmebehältern, Tellern und Besteck von der Küche der Bruderhaus-Diakonie angeliefert und wieder abtransportiert. Bis um 13 Uhr 15 könne nachbestellt werden und sogar das Spülen von Tellern und Besteck sei inklusive. »Das Gesamtpaket kriegen wir von anderen Caterern nicht«, sagt Mutschler.


Der Hintergrund der Neuerung, dass im kommenden Jahr keine Karten für die Essen verkauft werden sol-len, sei ganz einfach: »Die Gäste sollen sich tatsäch-lich auch als Gast fühlen, viel zu oft stehen sie eh in der Schlange, beim Jobcenter, bei der Arbeits- und Wohnungssuche«, erläutert Jörg Mutschler. »Gast-freundschaft ist ein unglaublich hoher Wert, der uns verloren geht.« In zahlreichen anderen Vesperkirchen werde auch bedient: Das sei in Reutlinger allerdings aufgrund des begrenzten Platzangebots schwierig. Doch eine andere Tischanordnung soll im kommen-den Jahr ausprobiert werden, durch die mehr Platz gewonnen werde. »Es ist ein Versuch, wir werden se-hen, ob das funktioniert«, sagt Mutschler. 


Neu sein werden auch die Öffnungszeiten: Zwischen 11 und 14 Uhr wird die Reutlinger Vesperkirche die Tür für die Gäste offen halten. »Wir wollen damit si-cherstellen, dass Besucher auch um 14 Uhr noch Es-sen erhalten«, betont Mutschler. Zudem liefert die St. Wolfgangschule Tischschmuck. Neu auch: Ein Info-Stand in der Nikolaikirche, an dem die Neuerungen oder auch Grundsätzliches zur Vesperkirche zu erfahren sein wird. Und: Im vergangenen Jahr wurden »geistliche Mittagsimpulse« ausprobiert. Das soll beibehalten und nun jeden Tag gegen 12 Uhr ein bis zwei Minuten zum Innehalten aufrufen. Beginnen wird die 21. Vesperkirche im Übrigen am Sonntag, 14. Januar, mit einem Festgottesdienst, der von Katrin Zürn-Steffens und Ursula Göggelmann gestaltet wird. 


Kultur gibt es natürlich auch wieder, jeweils donners-tags abends um 19 Uhr. Natürlich wird »Tante Friedas Jazzkränzchen« wieder aufspielen ebenso wie »Schlosser Hans«. Zudem gibt’s am 18. Januar einen Filmabend mit »Vaya con dios« und am 8. Februar ei-nen zauberhaften Abend mit André Brunet und Holger Schlosser. »Wir brauchen natürlich auch wieder Kuchenspenden«, so Mutschler. Und Geldspenden natürlich auch.