REUTLINGEN. Endlich ist es so weit: Theaterfreunde jubeln und haben neue Räumlichkeiten für das Drama. Eine bunte Gesellschaft aus Kulturaffinen erwartete gespannt die Auftaktveranstaltung der »Tage der offenen Tür« der neuen Kulturstätte in der Jahnstraße 6. Hellblau leuchtende Lichter waren in Mandalamustern auf die Spiegelfassade projiziert und empfingen die Besucher so kunstvoll, dass der Gast fast das zum Teil noch stehende Baugerüst übersah.


Hatte der Besucher die Tür des Theaterneubaus durchschritten, gestaltete sich der Empfang in Rohbauoptik gefasstem Inneren durch Häppchen, Getränke und anregende Gespräche. Vier Schauspieler stimmten den Abend mit einem Hamlet-Monolog galant ein, in »Tonne 1« dem großen Bühnenraum für rund 200 Gäste bestimmt. Dann lauschte das Publikum schließlich den Reden zur Eröffnung des 10,9 Millionen Euro teuren Stadttheaters. 
Neben FranzK und Stadthalle gilt der schicke Neubau nun als »dritte Säule Reutlinger Kultur« und wurde von allen Rednern gelobt. Das Programmkino Kamino und die Württembergische Philharmonie dürfe das Publikum hierbei aber nicht vergessen, erinnerte Thomas Lambeck, Vorsitzender des Tonne Theatervereins. Enrico Urbanek, Intendant des Tonne-Theaters und Matthias Schmied, Verwaltungsleiter, räumten letzte Zweifel aus dem Weg und klärten Fragen anhand einer charmant vorgetragenen FAQ-Liste rund um den Neubau. Lambeck spürte bereits die typische Theateratmosphäre und betonte, dass sich der »Theatergeist hier mit Sicherheit wohl- und zuhause fühlen kann«.

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Barbara Bosch sprach von »Irrungen und Wirrungen«, durch die das Projekt und alle Beteiligten seit Anbeginn 2006 gehen mussten – am Ende habe sich das Ganze aber doch gelohnt. »Dieser Bau ist einer Großstadt würdig«, erklärte die Oberbürgermeisterin und er werde ganz Baden-Württemberg bereichern.


Musikalische und theatralische Könner präsentierten eine Komposition auf Grundlage eines Zeitplans zum Bau und eine Foto-Show zum Baufortschritt. Häppchen aus Heiner Kondschaks »Von Weimar bis Merkel« gab es zu sehen.
Eine atemberaubende Theater-Tanz-Choreografie ließ deutlich werden, was Kultur und Kunst bewerkstelligen können: Sie spiegeln die Gesellschaft wider, treten mit ihr in Kontakt und können unter Umständen auch zu Veränderungen darin führen. Die gegen Vogeltod gewappnete Fassade des Neubaus – sei sie noch so teuer geraten – passt somit perfekt ins Konzept.