Daniela Hsieh schloss sich vor knapp zehn Jahren dem Schulsanitätsdienst (SSD) im Wildermuth-Gymnasium in Tübingen an. Damit begann ihre Laufbahn bei der Johanniter-Unfall-Hilfe. Sie wird ehrenamtlich aktiv, engagiert sich im Ortsverband Tübingen, lernt viel über Erste Hilfe und lässt sich 2014 zur Rettungssanitäterin ausbilden. Ihr Herz schlägt für ihren Verein. Zehn Jahre später übernimmt sie, nach fast zwei Jahren der Stellvertretung, das Amt der ehrenamtlichen Ortsbeauftragten in Tübingen.


Frau Hsieh, warum wollten Sie sich mit 16 dem Schulsanitätsdienst ihrer Schule anschließen?
Daniela Hsieh: Mich hat es damals interessiert, wie man verletzte Schüler versorgt. Ich wollte lernen wie man Erste Hilfe »professionell« leistet. Die Neugierde hat mich dazu gebracht miteinzusteigen. Am Anfang waren wir etwa fünf Schulsanitäter für eine Schule mit 2 200 Schülern. Da war so einiges los.

Warum wollten Sie sich damals ehrenamtlich engagieren?
Hsieh: Zur Schulzeit wollte ich stets Menschen helfen, deswegen war ich auch sehr lange ehrenamtlich bei der Lebenshilfe aktiv. Dort hatte ich mich um behinderte Kinder und Jugendliche gekümmert. Schon damals war mein Motto »Ich habe Kraft und Zeit, dann kann ich diese doch nutzen, um Menschen zu helfen.«

Warum engagieren Sie sich heute noch ehrenamtlich?
Hsieh: Wegen dem Lächeln eines Patienten. Wegen dem kleinen »Dankeschön«, das man für seine Hilfe zu hören bekommt. Das motiviert mich und treibt mich an. Im Laufe meines ehrenamtlichen Engagements habe ich erst gemerkt, wie viel mir diese kleinen Gesten bedeuten und wie sehr sie mich antreiben. Irgendwann kann man einfach nicht mehr genug davon kriegen.


Seit Juli sind Sie Ortsbeauftragte in Tübingen. Wie kam es dazu?
Hsieh: Ich war vor der Ernennung bereits stellvertretende Ortsbeauftragte. Daher habe ich sehr eng mit Stefanie Döll, der damalige Ortsbeauftragten, gearbeitet. Ich kenne die Mitglieder, die hauptamtlichen Kollegen und auch das Vorgehen bei uns in der Organisation. Stefanie Döll hat mich zum Ende ihrer Amtszeit den Regionalvorständen Thomas Hanisch und Heiko Hauser vorgeschlagen.


Was sind die Aufgaben einer Ortsbeauftragten der Johanniter?
Hsieh: Zum einen gehört ein großer organisatorischer Teil dazu: regelmäßige Helferabende koordinieren, unsere Sanitätsdienste organisieren, Angebote erstellen und auch die Abrechnung durchführen und das Team mit den aktuellen Informationen versorgen. Auch die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema Ehrenamt gehört zu meinen Aufgaben. Zum anderen bin ich auch der Kummerkasten für das Team, bin Ansprechpartner für Mitglieder, aber auch für Interessenten oder diejenigen, die einen Sanitätsdienst benötigen. Eine wesentliche Aufgabe ist auch zu motivieren. Ich trage die Aufgaben aber nicht alle alleine. Ich habe ein tolles Team um mich herum, das mich sehr unterstützt.

Was für Ziele haben Sie sich für Tübingen vorgenommen?
Hsieh: Ich möchte der Bevölkerung zeigen, wer wir Johanniter sind. Was wir alles leisten und wie viel Spaß Ehrenamt macht. Ich möchte meinen ehrenamtlichen Kollegen ein abwechslungsreiches Programm anbieten, damit es Spaß macht bei den Johannitern aktiv zu sein. Es ist mein Ziel, die Anzahl der Sanitäter in unserem Ortsverband zu erhöhen. Der Bedarf ist auf jeden Fall da. Daneben möchte ich eine freundschaftliche Kooperation mit anderen Hilfsorganisationen aufbauen. Wir kämpfen alle für die gleiche Sache.

Wo sehen Sie Chancen und wo Risiken für den Ortsverband?
Hsieh: Dank Familie Schickert haben wir einen fundierten SSD in Tübingen, mit zahlreichen Schulsanitätern. Der SSD bietet eine sehr große Chance, um als Ortsverband zu wachsen und neue Interessenten zu bekommen. Frische, junge Motivation der Jugendlichen bringt auch immer wieder frischen Wind in den Ortsverband.

Was bereitet Ihnen Sorgen?
Hsieh: Was mir Sorgen bereitet ist, dass viele Schulsanitäter oder studentische Sanitäter meist nach dem schulischen Werdegang von Tübingen wegziehen. Viele Sanitäter sind deshalb nur eine kurze Zeit bei uns aktiv. Das ist sehr schade und heißt für uns, immer wieder von vorne anzufangen. Ich hoffe, dass wir hier das Interesse in Tübingen steigern können.