DETTINGEN. Was würde wohl der schwäbische Dichterfürst Ludwig Uhland sagen, wenn er wüsste, dass aus einer der vielen Schulen im Lande, die seinen Namen tragen, ein Gesundheitszentrum würde? Als Dichter und Wissenschaftler würde er sicherlich den Kopf schütteln, aber er war auch Politiker und verstarb zudem an einer nicht auskurierten Erkältung im November 1862. So könnte er sich wohl mit dem Gedanken anfreunden, dass aus der ehrwürdigen Uhlandschule in Dettingen ein Gesundheitszentrum wird. Noch ist es nicht amtlich, aber im Gemeinderat wurde die Idee durchaus wohlwollend gesehen. Einige Ärzte sind an die Verwaltung herangetreten, mit dem Wunsch in dem historischen Haus eine geräumigere Praxis zu etablieren. Laut Peter Bily, Leiter des Liegenschaftsamts der Kommune und Geschäftsführer der Kommunalen Wohngesellschaft (KWG) sind es Mediziner aus dem Ort. Auch für Bürgermeister Michael Hillert ist die neue Nutzung eine Chance. Zumal die KWG die notwendigen Investitionen übernehmen würde. Bis zu den Sommerferien soll eine Machbarkeitsstudie durch Projektarchitektin Verena Hoffmann und das Büro Hinrichsmeyer & Bertsch vorliegen. 

Der Vorteil wäre, das Gebäude bleibt in den Händen der Kommune, es werden Mieteinnahmen generiert, so dass die Unterhaltungskosten auf jeden Fall gedeckt sind. Und nicht zuletzt bleibt das Gebäude in seiner jetzigen Form erhalten. Das Gebäude soll zudem auch weiterhin das Gemeindearchiv beherbergen und die Heizzentrale der Nahwärmeversorgung. Sicher ist auf jeden Falls, dass die Tage als Grundschule für das über 100 Jahre alte Gebäude gezählt sind. Mit dem letzten Klingeln zum Ende des Schuljahres 2018/19 im Juli endet die Schulära. Die Schüler ziehen nach den Ferien im September in die erweiterte Schillerschule ein. Lange war diskutiert worden, ob die Uhlandschule erhalten werden sollte oder alle Dettinger Schüler an einem Ort untergebracht würden. Die hohen Kosten für die Sanierung und die sinkenden Schülerzahlen der Uhlandschule sprachen gegen den Weiterbetrieb.

Das war nicht immer so. Ende des 19. Jahrhunderts quollen die Dettinger Schulen über. Es wurde eine weitere Schule notwendig. Der Metzinger Bauwerkmeister Karl Rumpp fertigte Pläne. Am 1. April reichte Schultheiß Johannes Hauser das Baugesuch für das achtklassige »Gartenschulhaus« ein, zwischen Schlössle und Karlstraße platziert, konzipiert für je 72 Schüler. Im Untergeschoss sollte ein Baderaum mit Brausen und Tauchbassin eingebaut werden. Dazu eine Hausmeisterwohnung, Lehrer- und Lehrmittelzimmer, ganz oben ein Zeichen- und Handarbeitssaal, zwei Unterlehrerzimmer und ein Karzer zur Besänftigung jugendlichen Übermuts. Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1913, das Richtfest wurde im September 1913 im Gasthaus Ochsen gefeiert. Bedingt durch den Kriegsbeginn am 1. August 1914 konnten die Schulräume nicht fertiggestellt worden. Zudem waren Lehrer im Kriegsdienst. Erst nach den Sommerferien 1915 begann der Schulbetrieb. Viele Einschränkungen gab’s in den Kriegsjahren, auch Notmaßnahmen wie die Einführung einer Sommerzeit. Erst 1919 war alles fertiggebaut und eingerichtet.

Im September 1964 erhielt die Lehranstalt den Namen des Dichters Ludwig Uhland, zu gleicher Zeit, als im Gewann »Birnbaum« die zu der Zeit entstehende Schule mit dem Namen Schillers bedacht wurde. 1970 wurde gründlich renoviert. Ende 2015 war die Uhlandschule eine zweizügige Grundschule mit neun Klassen. Zu den Klassen 1 bis 4 kam noch eine Internationale Vorbereitungsklasse. Letzter kommissarischer Schulleiter war seit 4. Oktober 2016 Stefan Hertl (Chef der Schillerschule).                                                                                                                                       –ber