REUTLINGEN. »Bei uns gibt’s die ganze Zeit Theater!«, sagt Enrico Urbanek, Intendant der Tonne und meint das keineswegs im negativen Sinne. Denn das Warten hat ein Ende. Der Tonne-Neubau ist fertiggestellt, nur noch die Spiegelfassade fehlt. All das Equipment wird so langsam umgezogen und die Kostüm- und Requisitenkammern sind schon vollgestopft mit allem, was die Theaterwelt so braucht. Karten können Kulturgenießer seit geraumer Zeit nur noch im Tonne-Neubau in der Jahnstraße 6 erhalten. »Tonne 1«, so heißt der große Saal. »Tonne2«, die bespielbare Probenbühne und auch der interne Probenraum werden bereits ihrem Namen gemäß genutzt. An  mindestens vier Tagen in der Woche proben hier bereits zwei Theatergruppen.


Derzeit laufen zwei Produktionen im Spitalhof - zukünftig »Tonnekeller« genannt. »Selbstverständlich mussten wir auch bei unseren Mitarbeitern aufstocken«, so Urbanek. Zwei Neue sind im Tonne-Team: Philine Pallis als Disponentin und Aurel Walker in der Theatertechnik. Die Rohbauatmosphäre im Inneren des Gebäudes bleibt schickerweise bestehen, Bilder hängen bereits, die Metall- und Holzwerkstätte füllen sich und der Rest zeigt sich von schöner schwarzmatter Eleganz. Nicht nur die Ausstattung des großen Saales begeistert auswärtige Theaterkollegen des Landes durch seine Wandelbarkeit und praktische Handhabung. Auch die Außenanlage kann sich sehen
lassen: »40 000 gepflanzte Blumenzwiebeln und die neuen Bäumchen lassen uns gespannt sein auf den Frühling«, so Urbanek, der wichtige Termine nennt, die sich Interessierte merken sollten.

Fotostrecke 4 Fotos


Am Freitag, 19. Januar ist Eröffnungstag. Den 20. und 21. Januar stehen die Türen der Tonne offen und das Theater wartet mit einem Spektakel auf: Ein musikalischer Aufzug, Klanginstallationen, eine Tanzkompanie, Schnupperproben, Schminkereien und vieles mehr erwartet an diesem Wochenende die Besucher. Abendvorstellungen des LTT und der Tonne zeigen, was »Tonne1« zu bieten hat. Gleich darauf folgt schon eine Premiere: Heiner Kondschaks Inszenierung »Von Weimar bis Merkel« startet am Donnerstag, 25. Januar - dann geht es durch ein Jahrhundert voller Augenzwinkern, musikalisch umrahmt. »Spielstätten werden so oft mit Klassikern eröffnet. Wir wollten das anders machen und geben zudem noch ein politisches Statement ab«, so Urbanek.


Spielsaison 2017/18
Es kommt allerdings noch mehr auf die Tonne zu, die Neuinszenierungen sind abwechslungsreich und bieten vermutlich für jeden Geschmack etwas: Denn es folgt das Monologfestival: »Wir haben dieses Mal so viele Bewerbungen erhalten wie noch nie zuvor und die Festlegung auf fünf Stücke, die Entscheidung fällt schwer«, weiß Karen Schultze, die Tonne-Dramaturgin. »Through Roses« kommt als Kooperation mit der Philharmonie als nächstes, am Samstag, 10. Februar auf die Bühne und behandelt die wohl furchtbarste Vergangenheit Deutschlands und ihre Verknüpfung mit dem Kulturgeschehen, der Musik. Mit Ingrid Lausunds’ »Bin nebenan «, hat sich der Intendant an »ein selten gespieltes Stück gewagt, das Einblicke in die Privatsphären verschiedener Figuren bietet«, so Schultze.


Da die »Grauen Herren« aktueller denn je sind, entführt das Stück Momo, inszeniert vom Tausendsassa Kondschak in die Welt der besten Zuhörerin »Momo« und sorgt bereits jetzt für aufmerksame Lehrerohren, die die Buchung des Stücks schon jetzt vollziehen. Wir sind mit diesem Stück auch mobil, können spontan bei Wunsch auch außerhalb unserer Räumlichkeiten auftreten. »Die integrative Theatergruppe hat sich für ein politisches Thema entschieden«, so Urbanek. Denn die Schauspieler seien der Meinung »es gibt immer mehr davon«. Deshalb bringt die erfolgreiche Truppe dieses Mal »Die Schule der Diktatoren » auf die Bühne. Dieser Premiere am
7. Juni 2018 folgen noch das Stück des Tonne-Jugendforums »Like me«, das sich mit der Stellung und den Gefahren des gläsernen und durch soziale Netzwerke beeinflussten Menschen im World Wide Web auseinandersetzt.
Open air folgt daraufhin im Sommertheater die romantische Kömodie »Cyrano de Bergerac« von Edmond Rostand.


Vorher gilt es aber erst einmal das Blumenmeer ums Gebäude und die neuen Räumlichkeiten zu erleben.