Eine kurze und kurzweilige Show erlebten die Zuschauer im Finale des Allstar-Cups. Das Turnier der Degenfechter entschied der Tauberbischofsheimer Richard Schmidt gegen den Tauberbischofsheimer Rico Braun für sich – in nur einer Minute. Ex-Gewinner Stephan Rein landete unter ferner liefen. Dafür schrammte ein Fechter der TSG Reutlingen ganz knapp an einer Sensation vorbei.

REUTLINGEN. Er war zufrieden. Oder doch nicht? Bastian Lindenmann strahlt und zweifelt auch ein bisschen. Aber nur ein bisschen. Denn das, was der Reutlinger am Wochenende beim hochkarätig besetzten Turnier der Degenfechter in der Betzinger Hans-Roth-Sporthalle auf die Planche gezaubert hat, war aller Ehren wert. Mindestens. Denkbar knapp hatte der 25-Jährige das Halbfinale des Allstar-Cups verpasst. Wirklich denkbar knapp.

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Hochkarätig besetzt
Degenfechter aus mehreren Ländern gaben sich am Wochenende in Betzingen die Klinke in die Hand und stellten einmal mehr die Faszination Fechten unter Beweis. Der Ausrichter des Qualifikations-B-Turniers des Deutschen Fechter-Bundes, die Fechtabteilung der TSG Reutlingen, tat mit Hochplanche und Wohlfühlatmosphäre ihr Übriges. Und natürlich Bastian Lindenmann. Er sorgte bei den Zuschauern für Gänsehaut-Gefühl. Die Vorrunde überstand er mühelos, »durch die Zwischenrunde hab ich mich durchgewurschtelt« und dann legte der TSG-Jugendtrainer los. Den an Nummer eins in Reutlingen gesetzten Lukas Bellmann (Leverkusen), der mit dem Junioren Team Weltmeister geworden ist, stach Lindenmann mit 15:7 aus dem Turnier. »Ich war hoch konzentriert, das war echt gut.«
Die Spannung stieg, die Klasse der Gegner ebenso. Stephan Rein übrigens, Mitglied der A-Nationalmannschaft war zu dem Zeitpunkt längst nicht mehr im Turnier.

Beste Werbung für Fechtsport
Das Gefecht um den Einzug unter die letzten Acht, quasi ins Finale, war beste Werbung für den Fechtsport. Lindenmann führte 14:12, Gegner Noe Walter holte noch das Remis und der letzte Treffer glückte dem Reutlinger. Eine Runde weiter, im Kampf um den Einzug ins Halbfinale, traf Lindenmann auf Richard Schmidt, also den künftigen Turniersieger. »Ich kenne ihn, er ficht gut, er weiß, was er tut«, so Lindenmann. Gleichwohl hatte der Achalmstädter alle Trümpfe in der Hand, focht hoch konzentriert, war klar der Bessere, führte 14:13 – da passierte es. Irgendwie berührte die Spitze von Schmidts Degen die Hand des Reutlingers, der Treffer zählte, es stand 14:14. »Es war ein doofer Treffer, das hat er so nicht gewollt«, sprudelt es aus dem Lokalmatador hervor. Gleichwohl – es war ein Punkt, es stand Remis, »dann kann alles passieren«. So wie er vorher das Glück auf seiner Seite gehabt hatte, so verließ es ihn nun. Der Tauberbischofsheimer setzte den entscheidenden Treffer und zog ins Halbfinale ein. Dort besiegte der Dritte der U 23-EM den mehrfachen Weltcup-Gewinner Christoph Kneip (Leverkusen) und gewann am Ende das Turnier.
Lindenmann blieb die Rolle des Zuschauers in den Finalwettkämpfen, doch er grämte sich nicht. »Ich hatte es auf der Hand, ja«, sagte er. Es war knapp, sehr knapp, noch nie war ein aktiver Fechter der TSG Reutlingen so weit gekommen. Das bleibt ja, aber es hätte noch weiter gehen können. Hätte, hätte Fahrradkette. Lindenmann steht mitten im Leben, für ihn zählt auch dieses Ergebnis zu einem großen Erfolg, ändern kann er es nicht mehr. »Ich habe es zwar verbockt, aber das Ergebnis insgesamt ist super. Da bleib ich dabei. Für mich ist es super gelaufen.« Sagte es und ging strahlend zum Duschen.

Saisonhöhepunkt Heidenheim
Von einem fantastischen Ergebnis sprach sein Philipp Pleier. »Der letzte Kampf von Bastian war mit dem Remis eine besondere Situation. Das kann so und so ausgehen«, so der Trainer, der mit dem Abschneiden seiner sieben weiteren TSG-Fechter sehr zufrieden war. »Sie konnten alle Wettkampfluft schnuppern und Erfahrung sammeln. Das ist viel wert.« Bei Lindenmann lobte Pleier ausdrücklich seine Konstanz der vergangenen Monate. Schließlich bestätigte er einmal mehr, dass seine Anstrengungen im Training, seine gleichwertigen Trainingspartner ihn mehr und mehr fordern und nach vorne bringen. Der Hobbyfechter, der aus purer Leidenschaft auf der Planche steht und sich mit den Besten misst, verbuchte einmal mehr einen Erfolg. Die nächste Aufgabe wartet schon. Im Januar der weiße Bär in Berlin, ebenfalls ein Qualifikations-B-Turnier, an das er die besten Erinnerungen hatte. Anfang des Jahres schmiss Lindenmann hier Europameister Jörg Fiedler aus dem Turnier. Anschließend folgt sein persönlicher Saisonhöhepunkt: Der Weltcup in Heidenheim. Dort trifft er dann auch Stephan Rein wieder, der sich nicht so recht erklären konnte, was beim Allstar-Cup los war. »Ich hab einfach schlecht gefochten.« Das muss sich schnell ändern, denn am Wochenende geht’s nach Tallinn zum Weltcup. Wenn sich die deutschen Nationalmannschaft ihre Chance für eine Teilnahme bei Olympia in Rio wahren will, dann brauchen Rein, Fiedler und Co. ein überragendes Ergebnis, um fleißig Punkte zu sammeln. Der Zug ist noch nicht abgefahren, aber langsam sollte sie darauf aufspringen.
Ein ganz besonderes Wochenende hatte auch Christoph Weiblen hinter sich. Der Fechtabteilungsleiter der TSG war mit seinem Team zwei Tage lang gefordert und sorgte dafür, dass alles glatt ablief. Am Ende atmete er auf und freute sich vor allem über das Ergebnis von Lindenmann. »Das war traumhaft. Noch nie hat es ein aktiver TSG-Fechter, der nur für den Verein ficht, ins Finale geschafft.«     –diet