Am Ende des vergangenen Jahres platzte der Knoten. Stephan Rein kämpfte sich beim Weltcup der Degenfechter auf den 14. Rang und war damit bester Deutscher. Kurze Zeit später bestätigte der Kirchentellinsfurter und Mitglied der TSG Reutlingen seinen starken Auftritt beim Grand Prix in Doha mit Platz 16. Mit diesen Ergebnissen war der 27-Jährige auch maßgebend daran beteiligt, dass das Degen-Team seine Chance auf eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Rio wahrt. Momentan belegt die Deutsche Nationalmannschaft Rang sieben und hat fünf Punkte Vorsprung vor Ungarn. Es würde für eine Teilnahme reichen. Doch noch stehen zwei Weltcups an, einer davon steigt an diesem Wochenende vom 21. Januar an in Heidenheim. Wir haben uns mit dem K-Furter unterhalten.

Hallo Stephan Rein, sind Sie gut ins neue Jahr gerutscht?
Stephan Rein: Ja, das war in Ordnung. Wir haben gleich wieder mit dem Training angefangen, von daher haben wir nicht so lange gefeiert.

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Nach den Ergebnissen in Tallinn fällt ein guter Rutsch auch leichter, oder?
Rein: Es war nicht nur der 14. Platz in Tallinn im November, im Dezember war es noch Platz 16 in Doha beim Grand Prix.

Sie haben damit Ihr gutes Ergebnis bestätigt.
Rein: Ja genau, das war das Erfreulichste dabei, dass die Ergebnisse konstant sind. Zweimal in die letzten Sechzehn zu kommen war schon ganz cool.

Das ist natürlich sehr förderlich fürs Selbstbewusstsein.
Rein: Wenn man so viel Zeit und Arbeit reinsteckt, dann freut man sich um so mehr, wenn man am Schluss die Leistungen auf Turnieren bestätigen kann, die man sonst nur im Training bringt, wo es keiner sieht.

Das passt ja perfekt. 2016 ist ein Olympiajahr. Denkt man daran als Leistungssportler, der ein Olympionike sein könnte? Oder ist das noch ziemlich weit weg?
Rein: Nein, im Moment sind wir auf einem Startplatz. Die Quali geht über die Mannschaft. Wir liegen auf Platz sieben, das ist der letzte Startplatz für Europa, aber nur fünf Punkte vor Ungarn. Es bleiben noch zwei Mannschaftsweltcups. Das wird eine enge Geschichte, um sich zu qualifizieren. Aber die Chancen stehen eigentlich ganz gut.
Wann ist der nächste Mannschaftsweltcup?
Rein: Vom 21. bis 23. Januar in Heidenheim.

Machen wir mal kurz einen Rückblick. Wir beide kennen uns ja schon zwölf Jahre. Ganz am Anfang saßen wir in Kirchentellinsfurt bei Ihnen am Küchentisch, sie hatten sich gerade für den Degenfechtsport als Lebensinhalt entschieden und waren dabei, das Elternhaus Richtung Heidenheim ins Internat zu verlassen. Damals sprachen wir eher aus Jux und Dollerei auch über Olympia. Damals fiel das Jahr 2016 als realistisches Ziel. Das steht jetzt vor der Tür. Wie denken Sie heute darüber?
Rein: Es war ein langer Weg bis hierher. Es wird nicht einfach bis dorthin. Die Olympiade an sich, das ist die Zeit zwischen den Spielen, ist an sich härter als die Spiele selbst. Das merkt man aber erst, wenn man die Quali einmal mitgemacht hat. Ich lass mich mal überraschen, ob es klappt oder nicht. Wir arbeiten jeden Tag daran.

Sie stehen ganz nahe vor einem Ziel, das vor zwölf Jahren in einem Gespräch kurz mal angerissen wurde.
Rein: Damit hab ich mich noch nicht so viel beschäftigt. Es hat mich all die Jahre verfolgt und mein ganzes Leben ist darauf ausgerichtet. Da muss vieles hinten anstehen, damit man viel trainieren kann und reisen, das ist auch immer sehr anstrengend. Es bleibt vorerst noch ein Traum. Nach dem Turnier in Vancouver Mitte Februar weiß man mehr.

Wie groß ist der Druck für Sie und auch für Euch als Mannschaft?
Rein: Die Mannschaft besteht bei uns aus vier Fechtern. Es gibt aber einen Kern aus sechs Athleten, die sich letzte Saison vor der Quali herauskristallisiert haben. Man hat dadurch untereinander eine Konkurrenzsituation, man muss Leistung bringen, damit man im Team bleibt. Das ist ganz gut. Jeder muss seine Leistung bringen, muss da sein, muss sich reinhängen im Training. Man merkt es schon, wenn die Leute einen immer wieder ansprechen und fragen: wie läuft’s, wie sieht es mit der Quali aus. Ich glaube, ich hab die Qualifikationskriterien schon tausendmal erzählt. Da kann man mich nachts wecken und ich kann das sofort erzählen. Also die Situation ist nicht ganz einfach.

Ihr Lebensinhalt, das Fechten dringt bei Ihnen in jeden Lebensbereich vor.
Rein: Man denkt viel dran. Andere Sachen muss man halt zurückstecken. Wenn man etwa Zeit hat, Freunde zu treffen, dann fragen die natürlich auch, ’und wie sieht es aus?’

Was machen Sie, wenn es mit Olympia nicht klappt?
Rein: Darüber hab ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich fokussiere mich jetzt voll auf die beiden Weltcups, dann gibt es noch ein Großereignis, die Europameisterschaft in Polen. Für den Sommer hab ich noch nichts geplant. Wie es nach den Spielen weitergeht, mache ich von der Quali abhängig.

Was machen Sie um sich vollkommen abzulenken?
Rein: Ich verbring dann Zeit mit meinen zwei Neffen. Das sind zwei kleine Jungs, wenn ich sie besuchen geh, dann bleibt das Fechten außen vor. Wobei (denkt nach und schmunzelt) der Große hat schon ein Plastikflorett. Der will dann auch immer fechten.


Interview von Dieter Reisner