REUTLINGEN. »Wir bauen die Wege. Sie steigen aufs Rad«, wirbt die Stadt auf Transparenten und macht jetzt ernst. Denn die Beruhigung und Sicherung des Verkehrs für Radfahrer und Fußgänger in der Oststadt nimmt Formen an: Im Rahmen des Masterplans »Radverkehr E-Bike-City Reutlingen« wird in den nächsten Wochen ein 700 Meter langer Abschnitt der Charlottenstraße zur Fahrradstraße umgebaut. Sieben Kreuzungen werden umgestaltet, Zebrastreifen und Verkehrsinseln verschwinden ganz. Weitere 600 Meter bekommen Schilder und Markierungen. Baustart war am Montag dieser Woche an der Ecke Charlotten-/Burgstraße. Besonders die Arbeiten an den Kreuzungen verteuern das Ganze. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei 492 000 Euro, das Land beteiligt sich mit 91 000 Euro.

»Das ist der bauliche Auftakt, weitere Maßnahmen folgen«, erklärte Tiefbauamtsleiter Arno Valin bei einem Pressetermin. Auch die Bellino- und Moltkestraße wird ab Sommer umgestaltet, die Kosten liegen hier bei 100 000 Euro. Beide Projekte sollen im September noch vor dem beginnenden Schuljahr abgeschlossen sein, so Valin. »Künftig haben hier also Fahrradfahrer aber auch Fußgänger im Verkehr Vorrang«, erklärte Projektleiter Andreas Witzemann. Will heißen: Die Radler geben die Geschwindigkeit vor und dürfen auch nebeneinander oder im Pulk fahren. Für Fußgänger sind Gehwege ohne Unterbrechung entlang der Charlottenstraße vorgesehen. Auto- und Radfahrer, die in die Charlottenstraße einbiegen wollen, müssen dazu dann einen drei Zentimeter hohen Bordstein überwinden. Die Charlottenstraße bleibt für den Autoverkehr geöffnet – bei Tempo 30. Die Fahrbahnen auf den Kreuzungen werden deutlich schmaler und sind nur noch 5,80 Meter breit (siehe auch unten stehende Grafik).

Stadt informiert
Die Stadt erhofft sich durch die Umbauten zudem eine Verringerung des automobilen Verkehrs. »Je mehr Leute zu Fuß gehen oder Rad fahren, desto weniger Autos sind unterwegs«, unterstrich der Leiter des Amts für Stadtentwicklung, Stefan Dvorak. Während der Bauarbeiten an den Kreuzungen werden diese voll gesperrt, der Verkehr wird durch angrenzende Straßen umgeleitet. Die Stadt will vor Baubeginn Anwohner umfassend informieren. Valin betonte, dass es im Hinblick auf die aktuellen Verkehrskonzepte bei der Bevölkerung und auch im Gemeinderat eine hohe Erwartungshaltung gebe. »Doch alles braucht Zeit, die Vorhaben lassen sich nur schrittweise und über Jahre realisieren«, sagte er.                                                                                                                                                                                                                                       -jos