BAD URACH. 7771 Aktien der Erms-Neckar-Bahn (ENAG) sind seit der Gründung der Aktiengesellschaft im Jahr 1992 im Umlauf, kaum ein Anteilseigner ist jedoch namentlich bekannt: »Wir wissen nicht, wer alles eine hat«, gibt Vorstandsvorsitzender Carsten Strähle zu. Ein Aktienbesitzer ist indes nicht nur ihm bestens bekannt: Grünen-Politiker Cem Özdemir hat jüngst drei Aktien zum Nennwert von je 50 Euro gekauft. »Das ist sensationell«, freute sich der gebürtige Bad Uracher Özdemir bei der Übergabe der Aktien, die passenderweise am Bahnhof stattfand. Für den ehemaligen Bundesvorsitzenden der Grünen ist’s eine Premiere: »Ich habe es bislang gemieden, Aktionär zu werden«, gab er zu. Dass er sich mit nunmehr 52 Jahren doch dazu entschlossen habe, sei seiner engen Verbundenheit zur Ermstalbahn geschuldet.

Letztlich habe er auf dieser Strecke zum ersten Mal eine Bahnfahrt unternommen. Später fand Özdemir durch sein Engagement gegen die Stilllegung der Strecke und in der Bürgerinitiative »Pro Ermstalbahn«, die sich für deren Erhalt einsetzte, den Weg in die Lokal-, Landes und Bundespolitik. Aus dieser Initiative heraus entstand die EVG Aktiengesellschaft, die am 1. Januar 1992 ihre Tätigkeit aufgenommen hatte und später in ENAG umbenannt wurde. Der wirtschaftliche Grundstein für eine Reaktivierung der Bahnstrecke war gelegt, im Mai 1999 rollte nach 23 Jahren Pause der erste Planmäßige Sonderzug auf der zehn Kilometer langen Strecke. »Wir wurden damals belacht und ausgelacht«, erinnert sich Cem Özdemir.

Nach wie vor fahre er viel mit der Bahn, reise mit ihr auch nach Bad Urach. Das Ermstal brauche eine exzellente Infrastruktur, die Weichen dafür seien bereits gelegt: Für 2020 ist eine Elektrifizierung der Ermstalbahn terminiert, so Carsten Strähle, damit wird die Kurstadt künftig jede halbe Stunde mit der Region Tübingen und Reutlingen verbunden sein, mit dem Projekt Regionalstadtbahn werde nach Ansicht des ENAG-Vorstandsvorsitzenden eine neue Ära des öffentlichen Personennahverkehrs eingeläutet. Ein Plan, den Cem Özdemir befürwortet und unterstützt: »Das ist ein Segen für die Region um Bad Urach.«                                                                                                                                                                                                                        –oec