ROTTENBURG. Entschieden mehr europäische Hilfe für Afrika hat der burundische Friedensförderer Aloys Misago angemahnt. Bei seinem Besuch in der Hauptabteilung Weltkirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart warnte er in Rottenburg davor, mit Hinweis auf korrupte Regierungen in Afrika Hilfsleistungen generell zu kürzen oder einzustellen. Als Alternative empfahl er Hilfeleistungen über kirchliche Netzwerke. 

Misago betreibt seit 2013 an der Universität in der burundischen Hauptstadt Bujumbura ein auch von der Diözese Rottenburg-Stuttgart gefördertes Dialog-, Friedens- und Versöhnungsprojekt »Ecole de la Foi« (Schule des Glaubens). Er betonte, Hilfe für Afrika liege auch im Interesse Europas. »Keine Grenzmauer könnte hoch genug sein, dass wir sie nicht auf der Flucht vor Armut und Krieg überspringen würden«, sagte der Friedensvermittler aus dem baden-württembergischen Partnerland. 


Misago wurde von den burundischen Caritas-Bischöfen Georges Bizimana und Jean Bosco Nintunze begleitet. Er verzeichnet nach eigenen Angaben positive Ergebnisse seines christlich geprägten Projektes, an dem sich Delegierte aus vielen gesellschaftlichen Gruppen sowie der beiden Volksgruppen Hutu und Tutsi beteiligen. Es gehe darum, dass die Burunder lernen, offen und ehrlich ihre Interessen zu benennen, sagte Misago. Über Jahrzehnte hätten sie sich in sozialen und ethnischen Konflikten dagegen zu »vermeintlich perfekten Diplomaten« entwickelt. Unterdrückte Emotionen und verletzte Seelen führten aber immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. 


Das allein im laufenden Jahr von der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit 20 000 Euro geförderte Projekt »Ecole de la Foi« bringt Misago zufolge die gesellschaftlichen Gruppen zusammen und fördere das Gespräch über Themen wie »Wie kann ein Christ korrupt sein?«, »Kultur des Dialogs« oder »Versöhnung als Quelle des Friedens«. Als Erfolg des Projekts bezeichnete Misago etwa, dass es seit dem vergangenen Jahr an der Universität von Bujumbura keinen der bis dahin üblichen Streiks mehr gegeben habe. Dringend müsse ein sozialer Ausgleich in Burundi gelingen. »Es gibt enormen Reichtum von wenigen, und große Armut von vielen«, sagte der Friedens- und Dialogförderer. Sollte ein solcher Ausgleich nicht geschehen, dann würden zunehmend Menschen aus ihrer Heimat fliehen.

 

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart leistete in den vergangenen zehn Jahren allein in Burundi Projekthilfe in Höhe von rund 820 000 Euro. Aus der württembergischen Diözese sind in dem afrikanischen Land die Afrikamissionare P. Benno Baumeister und P. Walter Stärk im Einsatz sowie Sr. M. Lisette Seitzer, Sr. M. Bernita Kiebler und Sr. M. Janine Ohnmacht (Schönstätter Marienschwestern).