GOMADINGEN-MARBACH. Die Kavallerie aufstocken hatte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen nicht im Sinn, als sie zu Besuch im Landgestüt Marbach war. Sie habe die schon vor Jahren ausgesprochene Einladung von Gestütsleiterin Astrid von Velsen-Zerweck hierher gerne wahrgenommen und sich damit einen langehegten Herzenswunsch erfüllt, lässt sie wissen.

»Die Reiterei ist etwas Kostbares« 

Die Pferdeliebhaberin wertschätzt in Marbach die hohe Qualität der Pferde, Zucht und Haltung samt der Landschaft rund ums Pferd. Das sei schon sehr beeindruckend hier. Sie verwies auf die professionelle Sportpferdezucht mit Deutschland als Weltmarktführer und legt Wert darauf, das Pferd auch als wunderbares Kulturgut zu sehen, mit dem eine jahrhundertelange Tradition beginnend mit der Reitkunst, dann Stallbau und schließlich Hufbeschlag bewahrt werde. »Marbach ist ein wunderbarer Ort, der alles miteinander verbindet«, lobt die leidenschaftliche Reiterin und bestätigt: »Die Reiterei ist etwas Kostbares.« »Wir haben uns riesig über ihre Zusage gefreut und es ist für uns eine Bestätigung«, versichert von Velsen-Zerweck. Die Landoberstallmeisterin vermittelte Wissenswertes über das Gestüt mit seinen Außenstellen, das auf eine 500-jährige Geschichte zurückblickt und unter anderem auch damit eine halbe Million Besucher jährlich anlockt. Vorgestellt wurden dann auch Hengste verschiedener Rassen. Naoufil, der Araberhengst, ein langbeiniger, moderner Typ mit sehr gut abgelegter Hengstleistungsprüfung. Das Konzept Araberpferde gehe auf König Wilhelm I. zurück, den großen Landwirt und großen Agrarpolitiker, so Velsen-Zerweck. Vor allem der Alt-Württemberger Aragon erregte Aufsehen. »2018 ist von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) zum Jahr des Alt-Württemberger Pferdes ausgerufen«, erklärt die Landoberstallmeisterin. Dann der Württembergische Warmblütler und Reitpferdchampion Kaiserstolz und der Schwarzwälder Vento, mit dem man unter der Woche gearbeitet und sonntags vor die Kutsche zur Kirchfahrt gespannt habe, verrät Ausbildungsleiter Karl Single.

»Schick« der Kommentar von der Leyens zu den herausgeputzten Hengsten, die an ihren Streicheleinheiten Gefallen zeigten.
Nichts Außergewöhnliches für die Bundesministerin. Zum einen reitet sie selbst äußerst gerne, mit ihrer Familie lebt sie unweit des Niedersächsischen Landgestüts Celle – sie ist begeistert von den Hannoveranerschen Rassepferden –und unter ihren Kindern sind Sprung- und Dressurreiter. Aber auch über den Fohlennachwuchs, den Beritt der Pferde samt Zweispänner im Stadion fand von der Leyen begeisterte Worte und Anerkennung. Mit einigen der 45 Auszubildenden – davon 90 Prozent weiblich – kam sie immer wieder ins Gespräch, erkundigte sich nach deren Wünschen bezüglich Arbeitsplatz und Arbeitschancen. Einstimmige Aussage: Hier weiter bleiben und arbeiten können. »Personal könnten wir gebrauchen, doch leider können wir sie nicht übernehmen«, richtete sich der stellvertretende Verwaltungsleiter Markus Bauer auch an die anderen anwesenden Politiker, unter ihnen Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch.                                                          –bim