ENINGEN. Ihre Anfänge sind ähnlich wie die der anderen Kampfsportbegeisterten. Mit Karate fing es an. Was hat gefehlt? »Die Härte«, erzählt Evridiki Bampali lachend und mit beißendem Blick, der nur ein Ziel kennt. Die Eningerin will Weltmeisterin werden. Im Boxen. Am Samstag, 22. September wartet auf die 19-Jährige ihre nächste Bewährungsprobe: der erste Profikampf. Dann will sie sich qualifizieren, einen weiteren Schritt tun, in einem Sport, der ein veritables Imageproblem hat. Doch beim näheren Hinsehen zeigen sich starke Männer und Frauen, die die Hemmung zuzuschlagen hinter sich gelassen haben.

Selbstbewusster
Beim Schautraining in Eningen stellt sich die 19-Jährige vor. Selbstbewusst und überzeugt erzählt Bampali von ihrer Entscheidung, die sie bis jetzt nicht bereut. »Das Boxen hat mich verändert. Es hat mich in der Tat sehr selbstbewusst gemacht. Ich wäre nicht die, die ich heute bin ohne das Boxen.« Was halten ihre Eltern davon? Schmunzelnd beschreibt sie ihre griechische Familie. »Meinen Eltern zuliebe gehe ich noch immer in einen Kurs griechischer Volkstänze. Ganz klassisch. Sonst würden sie es, glaube ich, nicht verkraften.«
Da tut so ein Einblick ins Training gut und schafft Vertrauen. Zum Aufwärmen wird Seil gesprungen und in das Nichts geboxt. Kräftig und zielorientiert schnellen ihre Fäuste nach vorne. Ihr Trainer Mike Welsch muss einige Schläge parieren. Von unten, oben, links und rechts. Aus allen Richtungen muss der Schlag präzise sitzen. Man merkt: die Größe alleine macht eine Person nicht aus. Evridiki Bampali misst gerade einmal 1,60 Meter. Ihre Gegnerinnen sollten gewappnet sein. Gleichwohl wird der Kampf gegen ein Mädchen aus Bosnien-Herzegowina, so ihr Trainer, am Samstag kein Selbstläufer. Beide sind überzeugt, dass sie sich behaupten wird. Mit einer perfekten Vorbereitung kann nichts mehr schiefgehen. Für einen Laien stellt sich das eigentliche Training stereotyp dar: ein Boxsack, auf den die Fäuste unkontrolliert eindreschen. Im Kampf selbst sieht es genauso aus. Abgesehen davon, dass der Sack sich mit geballten Fäusten wehrt.

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Viel Adrenalin
Da tauchen sofort Fragen nach Verletzungen auf. Sie ist überrascht und überlegt lange. Dann lacht sie. Die meisten Verletzungen hole ich mir auf dem Laufband. Keine Kopfverletzungen, ausgeschlagene Zähne oder gebrochene Rippen? »Durch die Vorbereitung auf den Wettkampf ist man so fit, dass die Verletzungsgefahr gering ist. Für Zähne und Ähnliches trägt man einen Schutz. Es ist unmöglich einen Zahn mit dem Boxhandschuh auszuschlagen«, sagen beide unisono. Angst hat man dann auch keine, oder? »Angst gehört dazu. Der Körper stellt uns durch sie Adrenalin zur Verfügung. Einen gewissen Teil sollte man mit in den Kampf nehmen. Entscheidend ist nur, dass sie nicht überhand gewinnt.« Angst als gewinnbringende Emotion also, und die Wut? »Wut bedeutet immer Verlust der Kontrolle. Das gibt es beim Boxen nicht«, beschreibt Mike Welsch. »Kämpfe ich aggressiv, dann merke ich, dass irgendetwas mit der Luft nicht stimmt. Ich bin schneller schlapp und werde getroffen«, so die 19-Jährige und bringt so langsam das Bild des Boxers bei der Schreiberin ins Wanken. Was macht dann das Boxen aus, wenn nicht aufeinander eindreschende Fäuste? »Die Kunst des Boxens ist es, die perfekte Mischung zwischen Spannung und Entspannung zu finden. Einzig und allein in dem Augenblick, in dem er schlägt, spannt sich der Boxer an.« Das ist also das Geheimnis, das dahinter steckt. Aus ihren Mündern klingt das überzeugend. Es scheint auch die richtige Einstellung zum Erfolg zu sein. Im Kickboxen ist Evridiki Bampali bereits Süddeutsche Vizemeisterin geworden. Das mit vollem Körpereinsatz, wie sie beschreibt.


Zukunftspläne
Voller Körpereinsatz für den Sport, was bleibt da noch übrig? »Bis jetzt habe ich bei einer Metzgerei gearbeitet und möchte nun eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau machen.« Der Sport begeistert sie durch und durch. »Evridiki beim Metzger - das geht gar nicht, sie muss sich bewegen«, beschreibt der Besitzer des MP Sportcenters. Schließlich hat sie ein Ziel. Und das ist ganz weit oben. 
Weltmeister werden also? Evridiki Bampali lässt sich das nicht ausreden. »Auch wenn es einmal in die Ferne rücken sollte, ich ändere nur meinen Weg.« Der Trainer nickt mit dem Kopf und bestätigt sie. «Sie hat absolut die Chance dazu. Sie hat beides – die Technik und die Schlagkraft. Damit kann sie jeden Gegner bezwingen.« Und so wird es am kommenden Wochenende, wenn sie ihren ersten Schritt in Richtung ihres Ziels nimmt, mit einem kleinen Ritual beginnen. »Wir machen vorher immer einen Spaziergang. Mike stimmt mich mental auf den Kampf und die Halle ein. Dann kann ich mit einem passenden Gefühl in den Kampf gehen.« Da bleibt nur eins: Ihr die Daumen zu drücken und zu wünschen den richtigen Fausthieb zur richtigen Zeit anzubringen. Dann wird sie es weit bringen.     –nina