REUTLINGEN. In den Städten Deutschlands mangelt es derzeit trotz Mietpreisbremse an bezahlbarem Wohnraum. Auch in Reutlingen ist das nicht anders. Und ohne einen Bürgen oder sonstige Sicherheiten, wie eine unbefristete Festanstellung bei Bosch, sieht es für die Wohnungssuchenden doch recht mau aus mit dem neuen trauten Heim.

Bezahlbaren Lebensraum in Stadtnähe

Für einige Glückliche soll sich das nun bald ändern. Im »Blue Village« am Reutlinger Schieferbuckel sollen mindestens 330 Wohnungen und elf Einfamilienhäuser entstehen. Aber nicht nur reiner Wohnraum soll geschaffen werden. Das Neubau-Projekt beinhaltet auch den Bau einer Kindertagesstätte und ein so genanntes Quartierscafé, eine von den Bewohnern selbst verwaltete Begegnungsstätte, die für gemeinsame Treffen und Veranstaltungen genutzt werden kann.

Gemeinsam baut sich’s günstiger

Durchgeführt wird das Projekt in der Sickenhäuser/Gellertstraße in vier Abschnitten. Die insgesamt fünf Baugemeinschaften werden von der GfB, der Gesellschaft für Betreuung privater Bauherren mbH unterstützt und betreut. Sie waren unter anderem für die Bildung der Baugemeinschaften und Kalkulation der Baumaßnahmen verantwortlich. Der Vorteil eines solchen Modells liegt im Wesentlichen in den Einsparungen durch den gemeinsamen Einkauf. So sollen die neuen Domizile bezahlbar bleiben. Durch die moderne Bauweise sollen Energieeinsparungen von bis zu 45 Prozent gegenüber vergleichbarer Neubauten erreicht werden.

Zwölf Spaten für ein Halleluja

Ein ganzes Dutzend Schaufeln standen für den Spatenstich bereit. Eine davon rammte die Reutlinger Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, mit goldenen Sandalen besohlt, in den bereits aufgelockerten Boden. Damit läutete sie und ihre Mitstreiter den Beginn des ersten und zweiten Bauabschnittes ein, in dessen Rahmen die Kita und rund 180 Wohnungen entstehen werden. Von den insgesamt bisher geplanten 330 werden 40 Wohneinheiten der Stadt Reutlingen als Sozialwohnungen zur Verfügung stehen. Die geplante Bauzeit für die ersten beiden Abschnitte liegt bei zwei Jahren. Die Räumlichkeiten wären dann schon mal bezugsfertig. Gänzlich abgeschlossen soll der Bau des »Blauen Dorfes« - die Farbe Blau symbolisiert die Ozeane und steht für Nachhaltigkeit, erst im Jahr 2020. Dann könnte das »Blue Village« ein Ankerplatz und Mittelpunkt für zahlreiche Familien, Singles, Senioren, Hund, Katz und Maus sein. Für den so geschundenen Immobilienmarkt und die angespannte Wohnungssituation in Reutlingen bestimmt keine schlechte Sache.             –boe