Sie stand im Schatten von Kati Wilhelm oder Magdalena Neuer. Gleichwohl setzte auch Simone Hauswald Akzente im Biathlon. Als Simone Denkinger, so hieß sie vor ihrer Heirat, 2010 ihre Karriere beendete, war dies das wohl erfolgreichste Jahr ihrer Karriere. Bei den Olympischen Spielen in Vancouver hatte sie zwei Bronzemedaillen geholt, war Zweite im Gesamtweltcup und im abschließenden Rennen wurde sie in der Mixed-Staffel gemeinsam mit Magdalena Neuner, Simon Schempp und Arnd Peiffer Weltmeister. Die 37-Jährige lebt heute mit ihrem Ehemann und ihren Zwillingen in Schönwald im Schwarzwald und arbeitet als Mental-Trainerin. Am Sonntag gastiert die Bronzemedaillengewinnerin beim 10. Frühjahrs-Biathlon des TSV Betzingen und der SG Betzingen. Von 10 bis 14 Uhr findet der Wettkampf rund ums Schützenhaus in Betzingen statt. Simone Hauswald gibt Autogramme, läuft die ein oder andere Runde mit und bringt vor allem auch ein Original-Wettkampf-Gewehr mit und steht Interessierten Rede und Antwort.

Hallo Frau Hauswald, als Sie die WM-Gala von Laura Dahlmeier gesehen haben, was haben Sie dabei empfunden?
Simone Hauswald: Vor Lauras sensationellen Erfolgen bei der WM ziehe ich meinen Hut. Superlative gingen ja jede Menge durch die Medien. Lauras mentale Stärke ist überragend und ihre Siege haben mich tief berührt, weil ich genau weiß, wie es sich anfühlt, wenn man sein Ziel erreicht hat, wofür man das ganze Jahr trainiert hat.

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Sie selbst gehörten ebenfalls der Biathlon-Elite des Landes an. Wie geht es Ihnen?
Hauswald: Danke, es geht mir wunderbar. Ich genieße mein neues Lebenskapitel als Zwillingsmama und das Gefühl, sesshaft geworden zu sein.


Haben Sie den Absprung gut gemeistert oder hatten sie auch Probleme, nicht mehr so sehr im Rampenlicht zu stehen?
Hauswald: Ich hatte keine Probleme, meinen Absprung zu meistern. Ich habe den Zeitpunkt ja selbst gewählt und bin der Stimme meines Herzens gefolgt.

Was fehlt Ihnen am meisten?
Hauswald: Am meisten fehlen mir die Momente, die ich gemeinsam mit meinen ehemaligen Teamkolleginnen als Freundinnen verbracht habe. Wir treffen uns meist zu dem ein oder anderen Biathlon-Weltcup, wobei dort die Zeit auch sehr knapp ist, sich mal wieder länger zu unterhalten.

Was vermissen Sie gar nicht?
Hauswald: Das wochenlange Rumreisen und durch die »Welt-Tingeln« . Es war eine wunderbare und wertvolle Zeit, die ich im Sport erlebt habe und die ich nicht missen möchte. Alles hat seine Zeit!

Womit verdienen Sie nun Ihr Geld?
Ich bin Mentaltrainerin, Mentalcoach und Neurocoach und begleite Menschen auf ihrem Lebensweg und ihren Lebensprozessen.

Was nehmen Sie aus dieser Zeit für den Rest ihres Lebens mit?
Hauswald: Der Sport hat mir viel gegeben – ich habe viel gelernt, bin als Mensch gereift und habe mir meinen Kindheitstraum erfüllt. Die Höhen und Tiefen des Sports haben mich geprägt und mir gezeigt, wie wichtig es ist, immer wieder aufzustehen und weiter zu gehen.


Interview von Dieter Reisner