BETZINGEN. Der Unterschied macht’s: Der Gewerbeverein Betzingen hat’s einmal mehr bewiesen, dass es geht. Anstatt eines langatmigen,mit vielen Reden gespickten Neujahrsempfangs, ging es in der Zehntscheuer sehr entspannt zu. Dafür sorgten nicht nur leckere Häppchen samt vollmundigem Wein, sondern hauptsächlich die Lay Out Band. Die Jungs aus Ravensburg waren vor drei Jahren schon einmal da und kennen die Location. Bei perfekt gecoverten Songs angesagter Bands entstand eine lockere Stimmung.
Nichtsdestotrotz gibt es in Betzingen auch einige ernste Themen. Hans-Georg Nestel bat gleich um eine Schweigeminute für Werner Fink. Der kürzlich verstorbene Willy-Brandt-Medaillenträger war 34 Jahre Mitglied des Bezirksgemeinderates und 15 Jahre lang stellvertretender Bezirksbürgermeister. Ein großer Ideengeber und guter Freund sei gegangen und werde eine große Lücke reißen. Nestels Rede begann mit einem klarem Bekenntnis zur Demokratie und dass der soziale Frieden wichtig sei. Freilich spiele auch die schnelllebige Zeit, die zwangsläufig ständig veränderte Ansprüche an eine Kommune mit sich bringen, eine Rolle.

Die Kundschaft belohnen
Aber man dürfe sich nicht beirren lassen. Ein klares Bekenntnis zum Standort sei wichtig. Auch wenn der Einzelhandel vor grundliegenden Veränderungen stehe, bevorzugen 77 Prozent der Kundschaft den Einkauf im Ort, sagt der Einzelhändler. Den neuen digitalen Kunden könne man beispielsweise mit Loyalität und Treue belohnen. »Wir Einzelhändler müssen uns ständig neu positionieren«, so der Vorsitzende. Hier sieht er den Gewerbeverein samt neuer Webseite gut aufgestellt.
Für Thomas Keck leistet der Gewerbeverein hervorragende Arbeit, denn es kommt nicht von ungefähr, dass Betzingen als einziger der zwölf Reutlinger Stadtbezirke eine nahezu umfassende Einzelhandel- und Dienstleistungsstruktur aufweisen kann. Der Bezirksbürgermeister, der mitten im OB-Wahlkampfstress steckt, ging aber auch auf die bedrohliche Hochwassersituation und die zunehmende Verkehrslast im vergangenen Jahr ein.

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Selbst Teil des Problems
Optimistisch geht dennoch der Blick Richtung Zukunft. Denn in Sachen Hochwasserschutz geht’s Schritt für Schritt in diesem Jahr weiter. Die naturnahe Umgestaltung des sogenannten »Gassgartens« spiele dabei eine große Rolle. Momentan gäbe es allerdings einige zeitliche Verzögerungen, insbesondere in den Grundstücksverhandlungen mit den Eigentümern von Grundstücken am Flusslauf. Kecks persönliches Ziel sei es allerdings, dies ohne Enteignung zu schaffen.
Um Pförtnerampeln und mittlerweile Europas berühmtester Messstation ging es im zweiten Teil seiner Rede. Schlechte Luft, die daraus resultierenden Fahrverbote und das Nichtwissen, wie’s auf den Straßen weitergeht, treiben momentan viele Menschen um. Selbstkritisch erkannt, machte Keck darauf aufmerksam, dass dabei jeder von uns selbst Teil des Problems sei. Am Beispiel Storlach lasse sich das hervorragend schildern. Pro 1 000 Einwohner kommen sage und schreibe 451 Autos! 
Schlussendlich brachte Keck Alexander von Humboldt ins Spiel. Am 14. September wäre der Naturforscher 250 Jahre alt. Für Keck ist er ein ganz Großer. Denn Humboldt hat schon im Jahr 1800 gewusst, dass »Alles mit allem zusammenhängt«. Ökologen und Umweltschützer orientieren sich heute an seinen Ideen.    –pi