Reutlingen. Während die beiden Naturtheater-Stücke »Anatevka« und »Shrek« das Publikum begeistern,  laufen auch die konkreten Planungen zum »Bauprojekt Betriebsgebäude« schon längst auf Hochtouren. Im Herbst 2019 wird das Baugesuch eingereicht und 2024 soll das Neubauvorhaben des Reutlinger Amateurtheaters abgeschlossen sein. Eine Million Euro will der Verein selbst für das neue Bauprojekt zuschießen. Dazu wird es am 26. Juli mit zahlreichen namhaften Künstlern eine Benefizgala geben, deren Erlöse aus dem Verkauf der Eintrittskarten in das Bauprojekt fließen. Schließlich besteht die Möglichkeit, sich an einer Bausteinaktion zu beteiligten, bei der durch den Erwerb eines oder mehrerer symbolischer Bausteine in unterschiedlichen Varianten das Naturtheater finanziell unterstützt werden kann.


Es ist nicht nur das älteste Theater der Stadt, sondern auch die drittgrößte Freilichtbühne im süddeutschen Raum. Das Naturtheater Reutlingen (NTR) stemmt jedes Jahr mit ehrenamtlichen Kräften ein Programm, von dem sich manch professionelles Theater eine Scheibe abschneiden kann. Bezüglich ihres Publikumszuspruchs, des Engagements der vielen Ehrenamtlichen und des breitgefächerten Programmangebots sucht die Reutlinger Freilichtbühne ihresgleichen. Allein was seine Gebäudesubstanz angeht, befindet sich das NTR in einem »existenzgefährdenden Zustand«, wie es Ex-OB Barbara Bosch bereits bei einer Vor-Ort-Besichtigung im Juli 2018 ausdrückte. Bei der diesjährigen Hauptversammlung bestätigte der Vorstand Rainer Kurze, dass sowohl das alte Betriebsgebäude, als auch die ehemalige Gaststätte Waldeslust abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werde. Die beiden Betriebsgebäude sollen laut Kurze zu einem Gebäudekomplex zusammengeführt werden, »um die Baukosten zu reduzieren«. Ende Oktober ist geplant, das komplette Vereinsgeschehen in die ehemalige Gaststätte zu verlegen.

Nach dem Abriss des Betriebsgebäudes 1 könnte dann 2020 mit dem Neubau begonnen werden. Nach zahlreichen Gesprächen mit politischen Vertretern gibt es auch erste finanzielle Zusicherungen: Der Gemeinderat beschloss im September 2018  einstimmig, für das Bauprojekt einen Planungszuschuss von bis zu 400 000 Euro zu gewähren: »Dies ist ein Novum, denn bisher hat sich die Stadt noch nie an solchen Kosten bei einem Verein beteiligt«, freut sich Kurze. Auch Landrat Thomas Reumann und die beiden Landtagsabgeordneten Thomas Poreski und Manfred Kern erkannten den dringenden Handlungsbedarf und signalisierten ihre Bereitschaft, nach Lösungen für eine  Mitfinanzierung durch den Landkreis zu suchen. Um die Gesamtkosten in Höhe von sechs bis acht Millionen Euro zu stemmen, sollen Stadt, Land und Kreis je ein Drittel der Baukosten übernehmen. Der 285 Mitglieder starke Verein würde etwa eine Million Euro zuschießen. Geplant ist ein dreistöckiges Gebäude, das behindertengerecht (mit Aufzug) ausgestattet wird und auf den bisher genutzten Flächen entsteht. Für den Neubau wurde eine Nutzungskonzeption mit möglichst vielen Synergieeffekten erarbeitet, damit die Räume auch anderen Theatergruppen und Vereinen zur Verfügung gestellt werden können. Fest eingeplant ist etwa eine Kooperation mit der Sondelfinger Theatergruppe »DMoospritzer«, die in dem neuen Gebäude ein neues Zuhause finden soll.                           -jsp