TÜBINGEN. In Tübingen kommt es in diesem Jahr wieder zu einer starken Vermehrung des Eichenprozessionsspinners. In ausgewählten Bereichen werden deshalb voraussichtlich vom 13. bis 18. Mai Eichen mit dem Mittel »Neem Protect« gespritzt. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Biozid, das seit Jahren auch im ökologischen Landbau eingesetzt wird. Zu den rund 50 Standorten, an denen die Raupen des Eichenprozessionsspinners bekämpft werden, gehören Spiel- und Sportplätze, Baumbestände in Schulhofnähe und andere öffentliche Straßen und Wege. Während der Spritzung werden die betroffenen Bereiche abgesperrt. Nach dem Antrocknen der Behandlungslösung ist das Umfeld der Eichen wieder voll nutzbar.

Witterung wichtig

Der Erfolg der Spritzung ist von mehreren Faktoren abhängig: Gespritzt werden kann erst, wenn die Eichenblätter genügend ausgetrieben haben. Das Mittel muss zudem im ersten oder zweiten Larvenstadium der Tiere eingesetzt werden. Das ist in der Regel Ende April bis Mitte Mai der Fall. Auch die Witterung ist maßgeblich für den Behandlungserfolg. Optimal sind trockene, warme und windstille Tage während und nach der Spritzung. Bis 2010 wurde das Mittel Bacillus thuringiensis zur Bekämpfung verwendet. Dadurch hatte sich die Population in den Folgejahren stark verringert. Erst im vergangenen Jahr hat der Befall mit Eichenprozessionsspinnern wieder stark zugenommen.

Welche Gefährdung besteht für den Menschen?

Ab der dritten Raupengeneration bilden die Tiere Gifthaare aus, die das Eiweißgift Thaumetopein enthalten. Die Gifthaare können bis zu 100 Meter weit mit dem Wind verweht werden. Sie können zu Entzündungen der Haut, der Augen oder der oberen Luftwege führen.

Über Eichenprozessionsspinnerraupen

Der Eichenprozessionsspinner ist ein grau-brauner, bis zu 30 mm großer Nachtfalter, der von Ende Juli bis Anfang September fliegt. In dieser Zeit legen die Weibchen zwischen 100 und 200 Eier in Zweigen im oberen Kronenbereich der Eichen ab. Anschließend werden diese Gelege durch grau-grünes Sekret getarnt. Bereits im Herbst entwickeln sich kleine Jungraupen, die aber noch in der Eihülle überwintern. Je nach Witterung schlüpfen aus diesen Eiern im darauffolgenden Frühjahr ab Mitte April bis Anfang Mai samtartig behaarte Raupen. Diese durchlaufen bis zur Verpuppung sechs Entwicklungsstadien, wobei sie jedes Mal ihre alte Haut abwerfen. Ab dem dritten Stadium werden die typischen weißen Gifthaare entwickelt.

Bis zum vierten Stadium leben die Raupen in kleinen Familienverbänden und verspinnen sich täglich an Zweigen und Blättern. Nachts begeben sie sich auf ihre Fraßtouren an junge Eichenblätter. Ab dem vierten Stadium, etwa Mitte Juni, halten sich die Raupen tagsüber in Gespinstnestern im Ast- und Stammbereich auf. Von hier aus werden dann in Prozessionsformation die nächtlichen Fraßaktivitäten durchgeführt. In den Gespinsten finden auch die Häutungen statt. Im fünften und sechsten Stadium hängen die Gespinste, die so groß wie ein Fußball werden können, mit behaarten Larvenhäuten und Kotabsonderungen gefüllt an den Stämmen und Starkästen. Nach dem sechsten Stadium erfolgt Ende Juni bis Ende Juli je nach Witterung die Verpuppung. Nach einer Puppenruhe von drei bis fünf Wochen schlüpft im August der Falter.                                        –tw