MARBACH. »Zieh, zieh, zieh«, schrien die Kollegen in den Baum hinein. Nebst Karabiner-Geklimper nahm der Zuschauer den Wettkampf wahr, der sich oben im Geäst der alten Eichen abspielte. Freunde, ja Fans, applaudierten und reckten die Hälse gen Wipfel im Eichelesgarten im Haupt- und Landesgestüt Marbach.
Etliche Besucher stapften durch den Schlamm, um dem Spektakel hoch droben in den Ästen beizuwohnen – schließlich ging es um den Titel des Süddeutschen Baumklettermeisters 2017. Hierzu hatte ISA (International Society of Arbroriculture - deutsche Sektion der Baumpflegegesellschaft) alle interessierten Baumpfleger- und Kletterer eingeladen.


Auch Bernd Strasser, neunfacher Weltmeister im Baumklettern, war gekommen, um die Routen vorzuklettern und den Nachwuchs anzufeuern. 35 Kandidaten traten an, internationale Gäste waren angereist. Das Wetter schlug mit aller Härte zu, schaffte es jedoch nicht – bei all dem Regen und der Kälte – die Stimmung zu zerschlagen. Linseneintopf und Tee hielten warm, am Abend übernahm diese Aufgabe das Lagerfeuer.

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Rutschige, bemooste Äste kamen für die Kandidaten erschwerend hinzu. »Die Prüfungen haben es in sich«, erklärte Lars Wagner bereits am Freitag. Als Mitorganisator durfte er zwar nicht teilnehmen, war aber Probe geklettert und daher äußerst gespannt auf die Leistung seiner Baumpfleger-Kollegen. Stets höchst motiviert überstanden die Eifrigen den Wettkampf. »Nur nervös darf man nicht werden, sonst ist es vorbei«, mahnte Billy Tröge, Baumpfleger und Kettensägenkünstler aus Pfullingen. Kategorienbeste bildeten sich samstags in den Einzeldisziplinen Werfen, Footlock, Schnellklettern, Arbeitsklettern und Rettung heraus. Die kleinen Gäste konnten währenddessen beim Kinderklettern erste Bekanntschaft mit den Höhen machen oder bereits bestehendes Können verbessern.


Sonntags waren dann die qualifizierten Meisterkandidaten dran. Vier Frauen und sechs Männer hatten es ins große Finale geschafft und kämpften in der ältesten Eiche und mit rund 30 Minuten Zeit um den Titel. Die Richter verfolgten jede Bewegung, jeden Winkel von Seil zu Baum genau. Dass Luca Bleher als überzeugender Finalist just in diesem Moment einen Karabiner fallen ließ und zwecks fehlenden Ausrufs »Achtung« disqualifiziert wurde, ergriff alle Anwesenden.


Wurde eine Glocke mit angeschlagen, bedeutete dies, dass der Kandidat eine weitere Station geschafft hatte. Peter Rammes - der sich neben Ruth Morell auf Platz Zwei empor gekämpft hatte, dankte schließlich mit Tränen in den Augen dem »großartigen ehrenamtlichen Miteinander und der Unterstützung aller Anwesenden«.
Zur Siegerehrung schien dann endlich die Sonne und strahlend nahmen Felix Lacher und Nadja Klausmann ihre hölzernen Wanderpokale in Empfang. Nächstes Jahr veranstaltet ISA die dritte Süddeutsche Meisterschaft in Bayern, Übernächstes im Schwarzwald. Auch dann heißt es wieder »zieh,zieh, zieh« und »ab ins Geäst«.