METZINGEN. Für viele Schülerinnen und Schüler ist der Azubitag in der Gewerblichen Schule (GWS) fester Bestandteil im Kalender. Am kommenden Dienstag, 22. Oktober ist es  wieder soweit. 62 Firmen sind dieses Jahr dabei.  Die Schirmherrschaft liegt erneut in den Händen von  Landrat Thomas Reumann und Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler. Zum Rundgang vor Ort  um 13 Uhr lassen sich das Metzinger Stadtoberhaupt und der stellvertretende Landrat Gerd Pflumm die neuesten Entwicklungen am Ausbildungsmarkt  von Schulleiterin Susanne Lauffer-Dietborn und Organisatorin Dorothee Wörner erklären.
 
Und da hat sich doch in den letzten 20 Jahren einiges verändert. So zum Beispiel spielt die klassische Bewerbungsmappe kaum noch eine Rolle. Die meisten Betriebe schauen lieber Online, was der künftige Auszubildende zu bieten hat. Nur leider wissen viele Aspiranten immer noch nicht, wie das Ganze optimal funktioniert – bislang existieren kaum Kurse an den Schulen oder gar eine Unterrichtseinheit, die sich damit befasst. Für Dorothee Wörner ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb gibt es einen Vortrag im Chemiesaal der GWS, der sich mit aktuellen Bewerbungstrends beschäftigt. »Online Click per Handy oder wie?« erklärt Elke Jedele von der Agentur für Arbeit wie es geht. Laut Wörners Angaben haben schon zwei Schulklassen aus Bad Urach den Kurs gebucht. 

Wörner verspricht sich auch von dem Vortrag »Räume in Topform« einiges. Der junge Raumausstatter Denis Gessner, der sich erst vor Kurzem in Metzingen niedergelassen hat, zeigt um 15 Uhr im Chemiesaal, was sich hinter dem traditionellen Handwerk versteckt.  Wer den »Tischlein-deck-dich Bereich« interessant findet, sollte um 15 Uhr im Physiksaal vorbeischauen. Dort erklärt Nadine Harter vom Hotel Restaurant Schwanen was die  duale Ausbildung in der Gastronomie ausmacht.  Das sind nur ein paar Möglichkeiten, den ein oder anderen Berufszweig näher unter die Lupe zu nehmen. An den 62 Infoständen, inklusive den  GWS-Räumlichkeiten, werden die jeweiligen Jobs detailliert erklärt. Die GWS zum Beispiel gewährt in der Autowerkstatt tiefe Einblicke ins Innenleben eines PKW’s. In der Textilwerkstatt ist Geschick und Phantasie gefragt. Da sind die Metzinger Azubis ziemlich gut, was schon oft in der Vergangenheit – selbst  im modischen Italien – Beachtung fand. Auch die Gebäudereiniger haben einiges vorbereitet und die neue Laserbeschriftungsanlage wird sicherlich Interesse wecken.

Geballte Infos
Alle Teilnehmer, weiß Wörner, haben sich intensiv vorbereitet. Manche Firmen führen individuelle Bewerbergespräche an ihrem Stand  oder demonstrieren die Entstehungsweise ihrer Produkte.  Wer keine Lehre machen will, sondern erst einmal  ein Freiwilliges Soziales Jahr – kurz FSJ – machen will, ist ebenfalls genau richtig – die Angebote im  Bundesfreiwilligendienst (Bufti) werden genau erklärt. 

Aktuelle  Ausbildungssituation
Noch immer gibt es mehr Lehrstellen, als Bewerber. Eigentlich kaum zu glauben, schüttelt Thomas Fesseler beim Pressegespräch den Kopf. Fesseler ist für die Ausbildung bei der Firma Knecht zuständig und seit 41 Jahren  im Geschäft. »Da ist die Auftragslage gigantisch und du kriegst keine Leute«. Noch nie sei es so schlimm gewesen. Normalerweise stellt Knecht jedes Jahr vier Azubis ein. Dieses Jahr ist es einer und der kommt aus Eritrea. Der junge Mann sei höchst motiviert und lerne schnell – vor allem die Sprache. »Kommunikation ist das A und O«, weiß Fesseler. Der Ausbildungsprofi  kritisiert aber auch  mangelndes Interesse der Eltern.  »Wenn das eigene Kind vor der Lehre  steht und nicht weiß, in welche Richtung es gehen soll, da kann ich doch mal einen halben Tag Urlaub nehmen und es begleiten«. Zum Beispiel zum Azubitag. Da erklären Experten, wie viele verschiedene Richtungen es gibt und was mit einer guten, dualen Ausbildung alles möglich ist. »Schließlich kann nicht jeder studieren«.  GWS Schulleiterin Susanne Lauffer-Dietborn ging auf die Sprachbarrieren ein und verwies auf das neue Angebot in der Schule. Seit Kurzem gibt es einen »sprachsensiblen Unterricht, der speziell Flüchtlingen unsere Sprache näherbringen soll«. 

Appell an die Eltern
Der Azubitag, der in den Anfangsjahren im Frühjahr und in der Stadthalle stattfand, erfreut sich mit dem Herbsttermin und dem Schulstandort zunehmender Beliebtheit. »Wir freuen uns, dass wir Gastgeber sein dürfen«, sagt   Lauffer-Dietborn. Die »GWS-Hausherrin« schließt sich Fesselers Meinung an und appelliert ebenfalls  an die Eltern, ihre Kinder zu begleiten und ihnen beratend zur Seite zu stehen. Letztes Jahr waren ungefähr 800 Schülerinnen und Schüler da – die meisten auf freiwilliger Basis. Zur Pflichtveranstaltung wird es nur für die Neuntklässler der Realschulen und Gymnasien. Der Eintritt ist frei und die Organisatoren erwarten rege Beteiligung.   -pi