REUTLINGEN/TÜBINGEN. Jeden November blicken die Beteiligten der Regionalen Lehrstelleninitiative, das sind die Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Agentur für Arbeit, auf das vergangene Ausbildungsjahr zurück. Für 2017/2018 ziehen die Netzwerkpartner das Fazit: »Gut gelaufen.« Bei den Ausbildungszahlen bilanziert die IHK ein Plus von einem Prozent, die Handwerkskammer ein Minus von einem Prozent. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist nach IHK-Auffassung weiter ungebrochen. Tatsächlich konnten erneut nicht alle angebotenen Lehrstellen vergeben werden. »Wir verzeichnen zum 31. Oktober 2.618 neu registrierte Ausbildungsverträge in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsberufen, damit wurde das Vorjahresniveau um ein Prozent übertroffen«, sagte Petra Brenner, Bereichsleiterin Ausbildung bei der IHK, in einem Pressegespräch. Regional hat nur der Landkreis Tübingen mit einem Minus von 5,4 Prozent verloren. Zum Stichtag wurden dort 612 Ausbildungsverträge registriert. Das sind im Vergleich zum Vorjahr 35 Verträge weniger. Der Landkreis Reutlingen (plus 5,3 Prozent, 1218 Ausbildungsverträge) und der Zollernalbkreis (plus 0,1 Prozent, 788 Ausbildungsverträge) konnten zulegen oder das Vorjahresniveau halten. 

Beliebte Ausbildungsberufe

Zu den beliebtesten Ausbildungsberufen zählen im technischen Bereich Industriemechaniker/in (248 Verträge), Mechatroniker/in (87 Verträge), Elektroniker (62 Verträge) und Fachinformatiker/in (137 Verträge). Im kaufmännischen Bereich überwiegen Industriekaufleute (207 Verträge), Kaufleute im Einzelhandel und Verkäufer (244 und 179 Verträge), Kaufleute im Großhandel (127 Verträge) und Bankkaufleute (102), gefolgt von den Fachkräften für Lagerlogistik und den Fachlageristen (67 und 48 Verträge). Für den neuen Beruf Kaufleute im E-Commerce wurden bislang 11 Verträge registriert. 

Auszubildende nach Staatsangehörigkeit

334 Verträge wurden mit Auszubildenden, die einen ausländischen Pass besitzen, geschlossen. Die größte Gruppe stellen die Staatsangehörigen aus der Türkei (64), gefolgt von Italien (39) und Griechenland (29). Aus den acht Fluchtländern Afghanistan, Iran, Irak, Syrien, Eritrea, Nigeria, Pakistan und Gambia kommen 84 neue Auszubildende.

Gutes Lehrstellenangebot

Der Trend zum Studium oder zu einer weiterführenden Schule sei nach wie vor stark, so Brenner. »Immer mehr Unternehmen klagen, dass sie keine Auszubildenden finden oder offene Stellen nur schwer besetzen können. Branchen, die nicht so im Fokus stehen oder über ungünstige Arbeitsbedingungen verfügen, leiden noch mehr«, erklärte Brenner. Die Chancen auf eine Lehrstelle stehen für Bewerberinnen und Bewerber aktuell sehr gut: Derzeit hat die IHK in ihrer Lehrstellenbörse mehr als 680 freie Stellen für 2018 und 2019 im Angebot.

Handwerk: Elektro,Metall, Bau vorn 

Im Handwerk liegt die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse (2076) gegenüber dem Vorjahr (2098) um ein Prozent niedriger. »Insgesamt sind wir zufrieden, den Bestand annähernd halten zu können«, sagte Karl-Heinz Goller, Abteilungsleiter Ausbildung bei der Handwerkskammer Reutlingen. Das Gesamt-Minus der Handwerkskammer sei insbesondere dem starken Rückgang in Sigmaringen (minus 16,9 Prozent) zuzuschreiben. Reutlingen hat dagegen um 8,8 Prozent (plus 57 Verträge) sogar zugelegt. Der Landkreis Tübingen bleibt mit minus 0,2 Prozent (minus ein Vertrag) nahezu konstant, der Zollernalbkreis liegt mit minus 1,6 Prozent (minus sieben Verträge) geringfügig dahinter. 2018 haben 149 Flüchtlinge (7,2 Prozent) eine Ausbildung im Handwerk begonnen. »Die starken statistischen Schwankungen kommen auch dadurch zustande, weil manche Betriebe nicht in jedem Jahr neue Auszubildende einstellen«, erläuterte Goller. Spitzenreiter unter den Ausbildungsberufen im Handwerk sind in den drei Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb die Branchen Elektro und Metall gefolgt von Bau und Ausbau. »Es ist deutlich zu erkennen: Bei gleichbleibender Nachfrage wächst der Bedarf an Ausbildungsstellen«, gab Goller zu bedenken.

Wie Brenner sieht auch Wilhelm Schreyeck von der Bundesagentur für Arbeit die klassische Ausbildung zunehmend in Konkurrenz zum Studium. »Sie genießt offensichtlich nicht denselben Stellenwert, obwohl die Verdienstmöglichkeiten ausgezeichnet sind«, sagte er. Schreyeck betonte: »Bewerber haben weiterhin gute Chancen, die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen liegt auf hohem Niveau, und ohne die vielfältigen Aktivitäten der Netzwerkpartner würden deutlich weniger Jugendliche in Ausbildung kommen.«                                                                                                                                                                                                   –jos