REUTLINGEN. »Wir schaffen neue Kindergartenplätze in einer Größenordnung, die es bisher in Reutlingen noch nie gegeben hat«, sagte Sozialamtsleiter vergangene Woche bei einem Pressegespräch. »Wir geben der Bildung Raum«, steht als Überschrift über dem Vorhaben, in der Zeit zwischen 2017 und 2021 mehr als 830 neue Plätze in der Kita-Betreuung zur Verfügung zu stellen, danach sollen 63 weitere folgen. »Damit werden die Probleme aber nicht gelöst sein«, gestand Bürgermeister Robert Hahn ein. »Wir setzen alles dran, um den Rechtsanspruch der Eltern zu bedienen, werden dabei allerdings noch drei bis vier weitere schwierige Jahre haben, in der wir nicht alle Kinder unterbringen können.« Aber: Es sei in den zurückliegenden beiden Jahren schon einiges getan worden – und es wird einiges folgen. Dabei würden laut Hahn »im Bestand mehr als 200 zusätzliche Plätze geschaffen«. Froh sei der Bürgermeister, »dass die freien Träger mitgemacht haben, sonst hätten wir noch längere Wartelisten«. Weiterer Teil des Maßnahmenplans sehe vor, mit Provisorien zu arbeiten - wie etwa in der Marie-Curie-Straße. Dort ist ein nagelneues Gebäude entstanden, das ab vergangenem Januar die Kindergärten aus der Humboldtstraße und der Schopenhauerstraße aufgenommen hat. Die beiden Einrichtungen werden momentan saniert und ausgebaut. 

Ein weiteres Provisorium steht in Gönningen oberhalb der Roßbergschule: Dort musste der Kindergarten in der Ziegelhüttenstraße ausziehen, weil ein massiver Wasserschaden zurzeit saniert wird. Entfernt werden die Container laut Hahn aber nicht, wenn die Gruppen wieder in ihr angestammtes Heim zurückziehen können. Weitere Provisorien sind im KiFaZ Ringelbach entstanden, wo die Kinderkrippe aus der Sebastian-Kneipp-Straße eingezogen ist - das Gebäude dort musste wegen Einsturzgefahr geräumt werden, wie Hahn erläuterte. In der Sebastian-Kneipp-Straße wird 2019 ein Provisorium für die Gruppen dort entstehen. Und in der Heilbronner Straße in Orschel-Hagen soll im April des Jahres ein weiteres provisorisches Gebäude auf dem Schulhof entstehen. Dritte Säule des Konzepts zur Schaffung von dringend benötigten Kindergartenplätzen seien laut Hahn und Haas Anbauten an die bestehenden Gebäude in der Schubartstraße, der Humboldt- und Schopenhauerstraße. In den drei Einrichtungen sollen insgesamt 86 neue Plätze für 3- bis 6-Jährige entstehen. Die vierte Konzeptsäule ist die der Neubauten: In der August-Lämmle-Straße im Betzenried ist die KiTa bereits im Januar in Betrieb gegangen, mit insgesamt 87 Plätzen.

Im Frühjahr 2019 soll ein Naturkindergarten in Sondelfingen mit einer Jurte starten, mit 15 Plätzen für Zwei- bis Sechsjährige. Ebenfalls ein Naturkindergarten wird im Nübelloch dieses Jahr noch mit zwei Bauwagen 40 Plätze zur Verfügung stellen. Weitere Kindergarten-Gebäude sind bereits im Bau etwa in der Beethovenstraße, im »Blue Village« gegenüber vom Bauhaus, in der Peter-Rosegger-Straße und der Aachener Straße. Geplant sind zudem Bauvorhaben in der Aalener Straße in Orschel-Hagen und in Sondelfingen in der Schleestraße mit Betriebsbeginn jeweils 2021. Weitere Vorhaben sind in der Christophstraße im Storlach geplant und Im Wiesaztal in Bronnweiler. Alles zusammengenommen entstehen somit laut Robert Hahn fast 900 neue Plätze, darunter 118 für Unter-Dreijährige und 777 für Über-Dreijährige. »Wenn Sie für jede einzelne Kindergarten-Gruppe etwa 600 000 Euro an Baukosten rechnen, liegen Sie mit 25 Millionen für die rund 40 neuen Gruppen nicht ganz falsch«, sagte Bürgermeister Hahn.

Mit den Gebäuden allein ist es aber natürlich nicht getan – das Personal muss logischerweise auch zur Verfügung stehen. Dazu seien »die Ausbildungskapazitäten massiv nach oben gefahren worden«, wie Robert Hahn betonte. Zusätzliche Geldanreize für Erzieherinnen würden geschaffen, dazu Qualifizierungsmaßnahmen und die Öffentlichkeitsarbeit, sprich Werbung, sei verstärkt worden. »Wir sind ein großer Träger mit vielen Variationsmöglichkeiten«, sagte Joachim Haas. Weil Erzieherin und Erzieher zudem ein »attraktiver Beruf« sei und auch in der eigenen Familienphase die Arbeit mit reduzierter Stundenzahl ermöglicht werde, »ist das doch ein optimaler Beruf«.                                                            –nol