Der Studentin der Medienwissenschaft reicht es nicht Reiseführer zu lesen, die sie auf eine fremde Kultur sowieso nicht genügend vorbereiten können. Diese lernt sie am besten von den Menschen selbst.

 „Reisen macht mich süchtig.“

Mit 30 Jahren hat Elisabeth Harvey bereits 30 Länder besucht. Darunter Peru, China, Indien oder Island. Als Kind lebte sie in Amerika und besuchte regelmäßig ihre Verwandten in Deutschland. Außerhalb Europa und Amerika war sie das erste Mal mit 23 Jahren und zwar in Istanbul. Die fremde und islamische Kultur hat sie total fasziniert, weil sie so anders sei, wie die, die sie bis dahin kennengelernt hat. Seit dem wollte sie mehr.

Mit der Zeit hat sich bei Ihnen eine Reiselust entwickelt. Woher kommt sie?

Einmal davon, dass ich neugierig bin. Ich lerne gerne neue Leute und andere Länder kennen. Da ich als Kind zum einen in der USA und zum anderen in Deutschland aufgewachsen bin, habe ich nicht das Gefühl irgendwo fest verwurzelt zu sein. Ich mag es, neue Orte zu sehen und dabei andere Lebensstile kennenzulernen.

 

Mit welchem Effekt auf Ihr eigenes Leben?

Damit erweitere ich meinen eigenen Horizont.

Wie hoch ist die Suchtgefahr?

Durch das Reisen bekomme ich einfach Lust, noch mehr zu entdecken. Wenn man anfängt zu reisen, wird man irgendwann ein bisschen süchtig danach.

 

Was ist das Spannende daran?

Man  durchbricht seine Alltagsroutine und muss immer wieder neue Herausforderungen meistern. Ich kann alle möglichen Reiseführer lesen und bin trotzdem nicht ganz auf die Kultur oder die Ereignisse vorbereitet. Zum Beispiel bin ich etwas abhängig von Google Maps. Aber in China funktioniert das Programm nicht. Wenn man nicht die Zeichen versteht, ist man ganz schön aufgeschmissen. Durch eine Karte von einer App konnte ich aber die Passanten fragen, wo es lang geht.

Also Problem gelöst.

Man lernt, sich auf sich selbst verlassen zu können. Und je nachdem wie man reist, kann man sich dadurch auch kennenlernen.

 

Wie lernen Sie sich denn besser kennen? Gibt es eine spezielle Art des Reisens?

Ich reise aktiv. Das bedeutet ich wechsele oft die Orte während meiner Reise. Dadurch kann man mit den Leuten in Kontakt kommen. Ich habe einige Freunde, die auf der Welt zerstreut leben. Es ist für mich immer interessant die neue Kultur durch ihre Augen zu sehen, wenn ich zu Besuch bin. Am besten lerne ich mich kennen, wenn ich alleine reise. Denn ich habe dann viel Zeit über alles nachzudenken.

 

Wenn Sie nicht alleine unterwegs sind,  mit wem reisen Sie am liebsten?

Mit meiner Schwester!

 

Warum ausgerechnet mit ihrer Schwester?

Sie ist genauso reiselustig wie ich und außerdem eine tolle Reisepartnerin, weil sie ähnliche Interessen und ungefähr das gleiche Temperament hat. Auf sie kann ich mich immer verlassen. Über die Jahre hat es sich zu einer Familientradition entwickelt, dass wir gemeinsam unterwegs sind. Wir wohnen beide an unterschiedlichen Orten und so können wir miteinander überall auf der Welt Zeit verbringen.

 

Auf Ihren Reisen haben Sie bestimmt schon viel erlebt. Welche Geschichte ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?  

In Indien war ich auf einer Hochzeit eingeladen. Dort ist es Tradition, dass enge Freunde des Brautpaars einen Tanz einstudieren. Unsere Gruppe stand in einem indischen Kostüm vor 1000 Gästen auf der Bühne. Dort ist es üblich, dass eine Moderatorin das Programm ansagt. Sie fand es interessant zwei ausländische Frauen in der Gruppe zu sehen, also mich und meine Schwester und fragte mich, ob ich etwas auf Hindi sagen kann. Ich antwortete: Nur wenn sie zuerst etwas auf Deutsch sagt.

Gut gerettet, sehr einfallsreich. Warum denken Sie gerne an das Erlebnis zurück?

Reisen kann sehr unpersönlich sein, weil man oft nicht am Alltag der Leute teilnimmt. Aber durch dieses Erlebnis bin ich für immer auf den Bildern des Hochzeitpaars und somit zu einem winzigen Teil ihres Lebens geworden. Das ist etwas Besonderes für mich.

 

Wenn man so nahe in Berührung mit der Kultur kommt, was lernen Sie über die Menschen?

Es gibt einige Gemeinsamkeiten zum Beispiel Neugier. Wenn ich irgendwo hinkomme, fragen sie mich über meinen Lebensstil. Wir tauschen uns dann gegenseitig aus, denn das interessiert mich natürlich umgekehrt genauso. Manche Werte sind zudem international wie Familie. Mir ist das wichtig, genauso wie in anderen Ländern. Kulturen können unterschiedlich sein, aber oft gibt es die gleichen Anschauungen. Man findet immer Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel Tanzen, dass macht alle glücklich.

 

Welche Ziele, die eigentlich nicht von Touristen besucht werden, empfehlen Sie?

Die Ostküste von Amerika an der Grenze zu Kanada. Dort liegt der Bundesstaat Maine, der an der Küste wenig bevölkert ist. Die Landschaft ist sehr extrem und wunderschön, denn die Küste besteht aus Felsbrocken. Auf den Steinklippen wachsen Kieferbäume. Weshalb der Staat auch als Pine Tree State (Kieferbaum Staat) bezeichnet wird. Kulinarisch gibt es auch etwas ganz Besonderes: Einen Heidelbeerkuchen! Die Füllung besteht nur aus den Früchten.  Wenn ich daran denke, werde ich ganz hungrig. Das schmeckt himmlisch!

 

Und wie sind die Menschen dort?

Das Leben ist langsamer. Dementsprechend sind die Leute auch relaxter. Sie haben eine sehr freundliche Art. Jeder winkt dir auf der Straße zu. Wenn ich daran denke bekomme ich doch ein bisschen Heimweh.

 

Text und Foto: Tanja Miller