Die Stuttgarterin Nadine Berneis ist die neue Miss Germany. Die 28-Jährige ist in Dresden aufgewachsen und kam mit zarten 18 Jahren nach Baden-Württemberg um Polizistin zu werden. Seit März jagt die Polizeihauptmeisterin nicht mehr Kriminelle, sondern erledigt für ein Jahr ihre königlichen Pflichten als Schönheitskönigin Deutschlands. Nach einem morgendlichen Workout im Fitnessstudio, trifft sie sich mit Nadine Wilmanns im Café Treiber auf dem Killesberg.

Als ich gestern Abend Freunden erzählt habe, dass ich mich heute mit dir treffe, meinte gleicheiner: „Ah, ist das die mit der Zahnlücke?“. Das scheint so etwas wie dein Markenzeichen zu sein. Gab’s bei dir auch mal eine Zeit, in der dich solche „Schönheits-Makel“ gestört haben?

Ja, auf jeden Fall! Die Zahnlücke war auch zeitweise zu, weil ich eine Zahnspange getragen habe, ist dann aber wieder aufgegangen. So richtig akzeptiert habe ich die Lücke erst vor ein paar Jahren. Seitdem finde ich sie sogar cool, sie gehört zu mir und macht mich aus.

Wie war das als Du jünger warst?

Aber als ich noch jünger war, fand ich mich wegen der Zahnlücke oft nicht schön, vermutlich auch durch das, was einem in Zeitschriften oder Fernsehen vorgelebt wird. Mein Papa hat immer gesagt: „Wahre Schönheit kommt von innen“ – und ich dachte immer bla, bla, bla. Aber inzwischen sehe ich das wirklich so: Schönheit hat genauso viel mit der persönlichen Entwicklung und dem Charakter zu tun.

War es für dich immer ein Traum Miss Germany zu werden? Oder war es noch viel mehr der Traum deiner Mutter oder Oma?

Meine Eltern kannten das gar nicht und als ich ihnen einen Zeitungsartikel per WhatsApp geschickt habe, in dem von meiner Wahl zur Miss Baden-Württemberg berichtet wurde, wussten die gar nicht so recht, was das ist. Ich bin eher streng und bildungsorientiert erzogen. Jetzt sind sie aber natürlich schon stolz auf mich.

Wie hat es angefangen?

Begonnen hat es ja mit einer Städtewahl und ich hätte damals nie gedacht, dass es für mich mal um den Miss Germany-Titel gehen würde – ich muss jetzt noch darüber lachen, weil es so verrückt ist. Ich habe mir gesagt, du bist jetzt 28 und wenn du noch was Anderes machen willst, dann jetzt (man darf sich nur bis 29 Jahre bewerben, Anm. d. Red.).

Du hast Deine Chance genutzt.

Naja, jJe weiter ich kam, desto ehrgeiziger wurde ich. Wann hat man schon die Chance im Leben, mal was ganz anderes zu machen? Außerdem wollte ich wirklich gerne gewinnen, weil ich nie richtig etwas gewonnen habe – in der Schule war ich zum Beispiel immer so mittelmäßig. Am Ende wollte ich den Titel Miss Germany und damit auch endlich mal etwas gewinnen. 

Was macht man als Miss Germany so den Tag über?

Ich arbeite mit verschiedenen Unternehmen zusammen, die mich als Miss Germany engagieren, bin zum Beispiel für die DKMS LIFE als Botschafterin unterwegs und generell auch als Model tätig. Ich war zuvor schon in Stuttgart bei einer Modelagentur und jetzt durch mein Management außerdem noch bei einer großen Agentur in Hamburg. Ich werde zu Veranstaltungen eingeladen, zum Beispiel zu verschiedenen Charity-Events und sitze auch bei den nächsten Miss-Wahlen in der Jury.

Welche Rolle spielt das Internet?

Und dann mache ich viel Social-Media-Arbeit, etwa auf Instagram. Das ist mehr Arbeit als ich dachte, denn man sollte regelmäßig posten - und zwar gute Bilder, keine zwischendurch geschossenen Selfies aus dem Urlaub. Ich muss echt aufpassen, dass ich nicht nur am Handy hänge. Mein Freund und ich haben inzwischen handyfreie Zeiten vereinbart, damit wir nicht ständig aufs Handy schauen, wenn wir doch eigentlich Zeit miteinander verbringen möchten.

Beschäftigst du dich auch privat gern mit Schönheitsthemen, wie Schminken oder Shopping, oder fällst du eigentlich gar nicht in das Miss Germany-Klischee?

Privat bin ich überhaupt nicht die klassische Miss Germany von damals: Ich bin ein natürlicher Typ und am liebsten schminke ich mich gar nicht. Ich ziehe mich zwar schon mal gerne schick an, aber in meiner Freizeit bin ich meistens sportlich lässig unterwegs, gehe wandern in Zipperhosen und habe auch keine hundert Cremes im Schrank. Natürlich interessiere ich mich aber für Beauty-Themen und alles was dazugehört.

Gerade unter Frauen ist ja Neid leider oft ein Grund für gemeine Bemerkungen. Betrifft dich das auch?

Ja, gerade auf Facebook gab es schon viele krasse Kommentare, nach dem Motto „Die soll Miss Germany sein??“ Aber ich bin jetzt 28 und lasse das gar nicht mehr an mich ran. Manchmal muss ich sogar darüber lachen. Ab und zu sind die Kommentare aber schon richtig beleidigend und das ist dann nicht mehr ok. Da habe ich Respekt vor den Stars, die das dauerhaft ertragen müssen. Ich habe aber nie an mir gezweifelt, sondern im Gegenteil, es hat mich bestärkt: Offensichtlich bin ich ja so interessant, dass sich viele die Mühe machen, Kommentare über mich abzugeben.

Willst du nach deinem Jahr als Miss Germany wieder zurück in den Polizei-Beruf oder kannst du dir auch vorstellen, im Schönheitsbusiness bleiben?

Das Schönheitsbusiness ist für mich eine Option, die ich neben dem Polizei-Beruf betreibe. Ich bin sehr bodenständig, brauche mein festes Einkommen und außerdem gefällt es mir einfach sehr gut bei der Polizei. Ein Model-Leben kann in zehn Jahren vorbei sein, vielleicht schon in zwei.