Ihr  Müll eines ganzen Jahres passt in ein kleines Einmachglas. Das ist weniger als eine Durchschnittsperson in Deutschland am Tag wegwirft. Um andere zum Mülleinsparen zu inspirieren, schreibt Aline Pronnet ihren  Blog (www.aufdiehand.blog) und hält Vorträge und Workshops - so auch kürzlich in der Bad Uracher Schlossmühle. Wir treffen die Zero-Waste-Aktivistin zum Kaffeeklatsch beim "Uracher Brezlbeck" um die Ecke. Ich bemerke direkt eine Müllspar-Maßnahme in Aktion: Als sich die Münchnerin  die Nase putzt, nimmt sie dafür ein Stofftaschentuch. "Das ist noch richtig schön bestickt - von meiner Urgroßmutter", sagt sie lachend.

Bei dem schönen Sonnenwetter kannst du ja gleich noch draußen ein bisschen Bad Uracher Luft schnappen. Aber für Dich müsste ja eigentlich immer die Sonne scheinen, denn ich nehme an, Du isst deinen Teller immer auf? Du willst ja nichts wegwerfen...

Ja, genau! Lebensmittelverschwendung gibt's bei mir nicht. Dafür plane ich natürlich immer vor und gehe mit Einkaufsliste einkaufen.

Und wenn mal was anbrennt oder nicht schmeckt?

Na, ich kann kochen. Und wenn mal was nicht so schmeckt, dann kann ich immer trotzdem noch was draus machen. Gemüse kann zum Beispiel püriert und zum Aufstrich verarbeitet werden.

Bei Kleidern oder Elektrogeräten geht Zero-Waste ja noch relativ einfach - ich kaufe solche Sachen auch lieber Second Hand - und die meisten Lebensmittel könnte man ohne Verpackung auf dem Markt oder in Unverpackt-Läden bekommen. Mission Impossible wären für mich aber Dinge wie Kosmetik oder Tempos. Gibt's für dich als Zero-Waste-Profi Situationen, in denen es dir richtig schwer fällt, ohne Müll auszukommen?

Ja, Kosmetik ist für mich eine Hürde, denn ich spiele Theater und da möchte ich mich schminken. Oder auch, wenn ich Vorträge halte. Manches kann ich selber machen, aber Wimperntusche gibt's noch nicht plastikfrei und die kann ich auch nicht hygienisch selbst herstellen. Das heißt, die kaufe ich ein.

Was für Müll findest du am Ende des Jahres in deinem Glas, an dem du einfach nicht vorbeigekommen bist?

Kronkorken. Die machen auch am meisten Gewicht aus. Wenn ich kann, kaufe ich aber Flaschen mit Bügelverschluss - die gefallen mir auch einfach besser. Dann ist da noch die Verpackung, in der Lebensmittel vom Foodsharing eingepackt waren. Aber bevor die Sachen weggeschmissen werden, nehme ich lieber den Verpackungsmüll in Kauf.

Ich bin ein großer "Coffee-to-go"-Konsument - aber es kommt schon mal vor, dass ich meinen Thermosbecher vergesse. Dann schnapp ich mir den Kaffee eben in Plastik. Würdest du dir das dann einfach verkneifen oder bist du einfach nicht so vergesslich wie ich?

Doch klar, das kommt schon mal vor: Ich gehe los und der Tee steht zu Hause - und zieht dann da vier Tage. Becher vergessen passiert auch mir. Aber ich würde mir dann den Kaffee im Plastikbecher tatsächlich verkneifen - wobei es sich für mich nicht wie Verkneifen anfühlen würde. Ich hätte einfach keinen Spaß an Heißgetränken in Plastik. Schon aus gesundheitlicher Sicht, denn die Weichmacher, die sich von der Plastikbeschichtung lösen, reichern sich im Blutkreislauf an.

Dann verzichtest Du wirklich auf den Koffeinschub?

Wenn ich unbedingt einen Kaffee möchte, dann nehme ich mir eben die paar Minuten und trinke ihn im Café aus der Tasse. An Kaffee im Plastikbecher hätte ich gar keine Freude und deshalb ist es auch kein Verzicht.

Beim Lesen deines Blogs habe ich richtig Lust auf Müll-Sparen bekommen. Nach einem halben Tag Selbstbeobachtung kommt mir das allerdings doch sehr aufwändig vor. Hast du überhaupt noch Zeit für Hobbys oder um deine Freunde zu sehen? Denn berufstätig bist du ja auch noch...

Für mich fühlt es sich nicht aufwändig an - im Alltag fällt es mir gar nicht auf, das ist einfach mein Lebensstil. Andere, die nicht zero waste leben, planen ja auch ihre Einkaufsliste, vor allem wenn sie Familie haben. Eigentlich habe ich nur meine Gewohnheiten geändert. Wenn man Dinge wie Brotbacken öfter macht, dann werden sie zu gewohnten Handgriffen. Wenn ich finde, hier könnte ich was besser machen, dann probiere ich aus, was mir taugt - und was in meinen Alltag passt, wird übernommen. Und es macht Spaß, wenn etwas geklappt hat. Das ist dann ein schönes Erfolgserlebnis.

Sind in deinem Freundeskreis oder deiner Familie Leute, die das auch so krass durchziehen, wie du? Oder bist du da schon die ganz große Ausnahme?

Durch das Bloggen durfte ich noch andere Leute kennen lernen, die auch versuchen, radikal müllfrei zu leben. In meinem Freundeskreis kenne ich sonst zwar niemanden, der das so extrem macht, aber ich habe beobachtet, dass viele durch mich aufmerksamer und bewusster konsumieren. Ich habe aber auch wirklich tolle Freunde, die empathisch sind und auch ähnliche Werte haben wie ich.

Wie verhält es sich, wenn Du bei Freunden  bist?

Wenn ich zum Essen eingeladen bin, dann macht zum Beispiel mal jemand den Aufstrich selbst, einfach um mir eine Freude zu machen. Und mein Freund hat auch Lust, Müll zu sparen, ganz einfach weil er es auch gut findet.  

Als wir uns verabschieden, sieht Aline, dass ich meinen Kaffeekeks gar nicht gegessen habe. Ein klarer Fall von unnötigem Müll. "Willst du den?", frage ich. "Klar - wir wollen ja auch morgen wieder schönes Wetter."