REUTLINGEN. Absolventen von Schule oder Ausbildung treibt es nach ihrem Abschluss oft ins Ausland - die Sehnsucht nach Neuem bringt sie in die entferntesten Länder dieser Welt. Nun bietet auch Reutlingen als Teil des Weltwärts-Programms und im Rahmen von »X-Change« die Möglichkeit, sich in Bouaké an der Elfenbeinküste in einen ganz anderen Alltag hineinzubegeben, neue Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Bis 31.Dezember können sich Interessierte bewerben.

Ist man medizinisch Interessiert, so bietet sich die Mitarbeit im »Centre Sas« an. Der Freiwillige hilft bei der Versorgung und Betreuung von Menschen, die an HIV erkrankt sind. Er assistiert bei der Dokumentation und arbeitet in der Verwaltung mit. Des Weiteren gibt es zwei Stellen in einem Waisenhaus zu besetzen, in dem Kinder von unter einem und bis zu sechs Jahren betreut werden. Platz für einen engagierten Menschen gibt es außerdem in einem Förderzentrum für geistig und körperlich beeinträchtigte Menschen, wo Unterstützung im Alltag und in dem darin integrierten landwirtschaftlichen Betrieb gebraucht wird.


Im Zentrum der Elfenbeinküste gibt es kommendes Jahr vier Stellen zu besetzen. »X-Change« verspricht »lehrreiche und spannende zwölf Monate voller lebensbereichernder Erfahrungen«, da sind sich die Beteiligten Sabine Gross, Vorsitzende des Sädtepartnerschaftsvereins Reutlingen-Bouaké, Margit Fausel vom Kulturamt und Sybille Hahn von der Bruderhaus Diakonie einig. 


Nicht nur die Freiwilligen gewinnen bei dieser Aktion: »es geht um Völkerverständigung, kommunale Entwicklungsarbeit und die Bekämpfung von Fluchtursachen«, erklärt Sabine Gross. Zusammen mit ihrem Vorstandsteam organisiert sie seit 2008 nicht nur etliche Kultur- und Austauschprojekte und auch Bürgerreisen nach Reutlingen’s Partnerstadt. »Wir haben über die Jahre hinweg wichtige Kontakte geknüpft und ein tolles Netzwerk aufgebaut, dass einen lebendigen und engen Austausch zwischen Süd und Nord und umgekehrt möglich macht – und auch die zukünftigen Freiwilligen aufs Beste unterstützen wird.« 


Grundvoraussetzung für die Teilnahme am »x-Change«-Programm sind die Offenheit und das Interesse fürs politische Leben sowie französische Sprachkenntnisse. Das globale Lernen dieser Art steht allen Interessierten zwischen 18 und 28 Jahren zur Verfügung. Individuelles Mentoring durch die Deutschlehrer in Bouaké ist zugesichert. Hahn schwärmt von der Unterstützung durch alle Beteiligten dort an der Elfenbeinküste und versichert, dass die Freiwilligen »in guten Händen« sind.


Sie bekommen den kompletten Austausch, Aufenthalt und alles was dazu gehört vom Bundesministerium finanziert. Einzig einen Förderkreis müssen sich die Engagierten aufbauen, der 200 Euro pro Monat als kleinen finanziellen Beitrag zum großen Projekt sicherstellt. Bei Bedarf bereitet »Weltwärts« seine Volontäre auch mit einem Sprachkurs auf das Jahr vor. In einem zehntätigen Seminar kurz vor Abreise werden die Teilnehmer schließlich alle ein letztes Mal gebrieft. Auch Nachbereitungstreffen und das dauerhafte Wirken als Botschafter sind für die Engagierten gdeacht. 


Adam Traore, Ibi Kologon, beides ivorische Germanistikstudenten und Fatim Dao, die dritte im Bunde, sind seit Ende August in Reutlingen. Sie sind die ersten freiwilligen des X-Changes Süd-Nord. Traore arbeitet im Jugendhaus in Orschel-Hagen und Kologon im entwicklungspädagogischen Informationszentrum (EpiZ). Dao wirkt derweil im Kreiskrankenhaus in Reutlingen auf der Neurologischen Station mit. 


»Es bringt sehr viel Spaß in andere Realität einzutauchen«, erklärt Kologon. »Mein Studium werde ich nach meiner Rückkehr in die Heimat bestimmt mit besten Noten beenden«, sagt er und lacht. Denn nicht nur mit Schnee, sondern sogar mit dem Schwäbischen haben sie gelernt umzugehen, die Pioniere.  

Mehr Infos und Anmeldung gibt’s im Internet unter www.ran-ans-leben.de.